Viva Las Vegas! Weil's im Vorgänger so schön war, dürfen Sie gleich nochmal ran und die Stadt vor Terroristen beschützen.
Glücksspiel kann süchtig machen. Rainbow Six: Vegas 2 auch. Zumindest der Mehrspielermodus. Nach dem fulminanten Vorgänger des Taktik-Shooters - euphorische Kollegen sprechen vom besten Teil der Rainbow Six-Reihe - liefert Ubisoft die solide Fortsetzung und klärt endlich das offene Ende des ersten Teils auf.
Taktik-Shooter Rainbow Six: Vegas 2
Am Spielprinzip haben die kanadischen Entwickler zum Glück nichts geändert. Nach wie vor schleichen Sie sich als Teamführer der Anti-Terroreinheit Rainbow mit zwei Kameraden durch verwinkelte Räume in Las Vegas. Die wohl größte Neuerung in der Einzelspielerkampagne ist eine leichte Verschiebung des Settings. Nicht mehr die beliebten Casinos, wie im ersten Teil, dienen als Kulisse für die herzzerreisend actiongeladenen Kämpfe. Ein Schrottplatz, eine Villa, ein chinesisches Theater, ein verwinkeltes Penthouse, das Kongresszentrum von Las Vegas und die berühmte Monorail-Station sind nur ein paar Beispiele für die zahlreichen Schauplätze.
Obwohl sich nur ein einziges Casino in die Kampagne verirrt hat bieten die übrigen Abschnitte optisch dennoch sehr viel Abwechslung. An der Atmosphäre hätten die Entwickler aber ruhig ein wenig mehr feilen können. Zu statisch, zu steril wirkt das Gros der Spielumgebungen, was auch an der inzwischen leicht angestaubten Grafik liegt - und steht im krassen Gegensatz zu den sehr detailliert modellierten Spielfiguren.
Taktik-Shooter Rainbow Six: Vegas 2- Blick durch die Wärmebildkamera.
Der Blick vom Balkon des Penthouses durch die Zieloptik auf die Straßen der Stadt offenbart eine Geisterstadt. Kein Auto, kein einziger Fußgänger ist unterwegs. Und wer mit dem leichten Maschinengewehr 21E von Heckler & Koch in engen Räumen schießt, der erwartet ganz einfach, dass nicht nur Scheiben und Computer zu Bruch gehen sondern auch Vasen, Autos und dergleichen. Das ist nicht der Fall.
Knackiger Schwierigkeitsgrad
Aber schließlich will Vegas 2 kein Sandkastenspiel mit offener Spielwelt sein. Der Taktik-Shooter punktet genau dort, wo man es von ihm erwartet: Mit taktisch geprägten Kämpfen, spannungsgeladenen Schusswechseln mit zahlreichen Terroristen, die (auf den ersten Blick) äußerst clever agieren. Jede Deckung ausnutzend werfen diese Blend- und Splittergranaten und haben scheinbar alle beim Mann mit dem goldenen Colt schießen gelernt, so zielsicher nehmen die bösen Buben den Spieler regelmäßig aufs Korn. Macht aber nichts, denn die eigenen Jungs wurden ebenfalls mit einer begnadeten Zielgenauigkeit gesegnet. Wird es mal wieder etwas unübersichtlich, schickt man einfach die Kollegen Park und Walters an die Front und lässt diese die feindlichen Reihen lichten.
Taktik-Shooter Rainbow Six: Vegas 2
Gehen die Freunde zu Boden, werden sie mit einer Adrenalinspritze wieder aufgepeppelt. Doch Vorsicht. Warten Sie zu lange mit der rettenden Spritze, gehen die Teamkollegen drauf. Die Spielfigur namens Bishop heilt sich, wie schon Logan Keller im Vorgänger, von selbst, solange man in der Zwischenzeit nicht getroffen wird. An einer Stelle schnellt der Schwierigkeitsgrad aber durch die Decke. Im sechsten von sieben Akten sind Sie nämlich ganz alleine unterwegs. Nicht selten waren spätabends in der Redaktion Flüche zu hören, nachdem der Verfasser dieser Zeilen zum gefühlten hundertsten Male an einem wieder einmal ganz fies versteckten Terroristen fast verzweifelt wäre.
Aufmerksame Leser haben den dezenten Hinweis auf die Einschränkungen der Gegner-KI bemerkt. Hin und wieder stürmen diese an Ihnen vorbei, ohne Ihrem Pixel-Alter Ego auch nur ein Haar zu krümmen. Die Tarnfarbe in Ihrem virtuellen Gesicht scheint zu funktionieren! Viel häufiger, fast schon regelmäßig, kommt es vor, dass ein Terrorist nicht reagiert, nachdem Sie dessen zwei Meter neben ihm stehenden Kameraden eliminiert haben. Wahlweise auch ohne Schalldämpfer. Die vielen Schusswechsel haben offensichtlich irreparable Gehörschäden hinterlassen.
