Rain: Test des PSN-Märchens

Test Sascha Lohmüller

Neben allerlei Blockbustern hat Sony auch nach wie vor ein Händchen für kleine PSN-Meisterwerke, wie jüngst Journey bewies. Auch Rain verzückte uns im Test.

"Now I wish it would rain down, down on me." sang einst Phil Collins. Nun, an Rain hätte er dann wohl seine helle Freude gehabt. Denn im neuesten Adventure der SCE-Studios Japan regnet es. Pausenlos. Und in Strömen. Weil zudem auch noch ewige, pechfinstere Nacht herrscht, ist die Grundstimmung gleich schon einmal vorgegeben: Rain ist bedrückend und düster. Allerdings nicht auf typische Horror-Art-und-Weise, sondern eher auf einer melancholischen, fast schon ruhigen Ebene. Hektische Action-Sequenzen gibt es nicht, stattdessen löst ihr (nur selten unter Zeitdruck) Rätsel, während der Regen prasselt und langsame Klavier-Töne die Melancholie weiter verstärken. Doch Rain ist gleichzeitig alles andere als traurig – denn die Story ist voller Hoffnung und Mitgefühl, die gekonnt den Kontrast zur düsteren Grundstimmung bilden.

Erzählt wird die Geschichte eines namenlosen kleinen Jungen, der von seinem Fenster aus beobachtet, wie ein unsichtbares, nur im Regen wahrnehmbares Mädchen vor einem ebenso beschaffenen Monster flieht. Warum, wieso, weswegen, das weiß er nicht. Und doch folgt er dem Drang, dem Mädchen beizustehen und ihr nachzujagen. Dabei stolpert er durch eine Tür aus Licht in ebenjene, oben beschriebene Welt aus Regen und Dunkelheit. Wie die Story weitergeht, verraten wir euch an dieser Stelle nicht, ist sie doch in Verbindung mit der Atmosphäre die große Stärke von Rain. Nur so viel sei verraten: Der Junge läuft dem Mädchen weiter hinterher, schließt sich irgendwann mit ihr zusammen und versucht daraufhin, die Geheimnisse hinter dieser alptraumhaften Zwischenwelt zu ergründen.

Intro und Abspann sind in einer schicken Aquarell-Optik gehalten. Quelle: play³ Intro und Abspann sind in einer schicken Aquarell-Optik gehalten. Dazu löst man mal mehr, mal weniger ausufernde Rätsel. Kisten verschieben, um an höher gelegene Stellen zu gelangen, ein wenig in der Gegend herumhüpfen und -klettern, durch Engstellen krabbeln oder die Laufwege von fiesen Monstern abpassen, um ungesehen an ihnen vorbei zu schleichen – nur selten fallen die Rätsel schwer aus und noch seltener steht ihr dabei unter Zeitdruck. Und trotzdem fesselt das Spielgeschehen. Das liegt vor allem daran, dass man unbedingt wissen will, wie die Geschichte weitergeht, zum anderen aber auch an einer Handvoll netter, innovativer Mechaniken. Der Junge ist in der Regen-Welt nämlich genau wie das Mädchen und alle anderen Bewohner unsichtbar. Hält er sich also im Trockenen auf, kann ihn niemand sehen. Daher huscht er von Vordach zu Vordach und von Schrank zu Schrank und hält sich dabei außerhalb des Blickfeldes von Gegnern auf.

Gegner sehen euch zwar nicht, wenn ihr aus dem Regen herauslauft, aber sie hören Schritte in Wasserpfützen und merken natürlich auch, wenn ihr Gegenstände verschiebt oder aufhebt. Quelle: play³ Gegner sehen euch zwar nicht, wenn ihr aus dem Regen herauslauft, aber sie hören Schritte in Wasserpfützen und merken natürlich auch, wenn ihr Gegenstände verschiebt oder aufhebt. Stapft er jedoch lautstark durch tiefe Pfützen oder verschiebt irgendwelche Gegenstände in den trockenen Bereichen, fällt das natürlich auch den Gegnern auf. Und wer gar in eine Schlammpfütze tritt, muss sich erst in einer Wasserpfütze waschen, um wieder unsichtbar zu werden. Später kommen diese Mechaniken auch in Koop-Rätseln zum Tragen, in denen die KI das Mädchen steuert und die beiden Protagonisten sich gegenseitig unterstützen. Einen Koop-Modus, in dem ein zweiter Spieler mit einsteigt, gibt es hingegen nicht. Schade, aber aufgrund der sehr bewusst gewählten Kamera-Einstellungen und Rätselgestaltung durchaus nachvollziehbar. Aus alledem konstruiert das Spiel wirklich kurzweilige Knobel- und Hüpfpassagen, die sich innerhalb der rund drei bis vier Stunden Spielzeit auch nicht abnutzen.

Die Präsentation der Geschichte ist ebenfalls sehr gelungen. "Richtige" Zwischensequenzen gibt es keine, lediglich ein an Wasserfarb-Bilder erinnerndes Intro und einen ebenso gearteten Abspann. Alle weiteren Story-Entwicklungen werden entweder mit geskripteten Szenen in der Spielgrafik dargestellt oder mit wirklich schick gemachten Texteinblendungen in der Spielwelt – meist sogar beides zusammen. Weitere Story-Happen findet ihr in Form von sogenannten Erinnerungen an versteckten Stellen in der Spielwelt – diese werden jedoch leider nur in Form eines simplen Textfensters eingeblendet. Zudem müsst ihr die Story erst einmal komplett durchspielen, bevor die Erinnerungen in den Levels auffindbar sind – vielleicht ganz gut, da man sich so beim ersten Durchgang auf die Geschichte konzentrieren kann. Und die ist es – auch wenn wir uns hier wiederholen – absolut wert. Rain erscheint am 2. Oktober exklusiv im PSN und kostet 12,99€.

Meinung

Wertung zu Rain (PS3)

Wertung:

87 /10
Pro & Contra
Tolle Story, Top-AtmosphäreWundervolle Sound-UntermalungHübsches Rätsel-Design
Spielerisch wenig anspruchsvoll
Fazit

Rain lebt von der Atmosphäre und der Story - und das ist auch gut so.

  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 07/2026 play5 07/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk