Psychonauts 2: Ausführlich gespielt - so genial wie der erste Teil?

Special Felix Schütz
Psychonauts 2: Ausführlich gespielt - so genial wie der erste Teil?
Quelle: Xbox Game Studios

Das lange Warten hat bald ein Ende: In diesem August wird Entwickler Double Fine endlich Psychonauts 2 veröffentlichen - stolze 16 Jahre nach dem kultigen Vorgänger. Wir haben den Nachfolger ausführlich gespielt und zeigen euch in unserer Vorschau mit Video, wie die Story weitergeht, welche Neuerungen euch erwarten und ob das Spielgefühl des Vorgängers erhalten bleibt.

Die Zeiten, in denen Psychonauts als Geheimtipp gehandelt wurde, sind zum Glück vorbei. Längst hat sich herumgesprochen, dass das Spiel aus der Feder von Tim Schafer (Brütal Legend) viel mehr ist als ein buntes Jump 'n' Run. Mit tollen Charakteren, irren Levels und zig denkwürdigen Szenen gilt Psychonauts heute als kreatives Feuerwerk mit Kultcharakter. Trotzdem mussten die Fans fast 16 Jahre auf einen richtigen Nachfolger warten! Doch wie setzt man die Story nach so langer Zeit fort? Bleibt der Charme des Originals erhalten? Zündet das Konzept noch ein zweites Mal? Wir haben Psychonauts 2 (jetzt kaufen 59,99 € ) stundenlang vorab gespielt und wissen: Dieser Nachfolger ist auf einem richtig guten Weg!

Empfohlener redaktioneller Inhalt [EMBED_URL] An dieser Stelle findest du externe Inhalte von [PLATTFORM]. Zum Schutz deiner persönlichen Daten werden externe Einbindungen erst angezeigt, wenn du dies durch Klick auf "Alle externen Inhalte laden" bestätigst: Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit werden personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.
Externe Inhalte Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Als wär's gestern gewesen

Psychonauts 2 setzt nur ein paar Tage nach dem ersten Teil ein und knüpft unmittelbar an den VR-Happen Rhombus of Ruin an. Das ist grandios für Fans, denn für die fühlt es sich an, als hätte es die 16 Jahre Wartezeit praktisch nie gegeben. Wer das erste Psychonauts dagegen noch gar nicht kennt, dürfte kaum jeden Seitenhieb und jedes verrückte Detail verstehen. Immerhin gibt's für Quereinsteiger aber eine nette Video-Zusammenfassung, die alles Wichtige in wenige Minuten presst - das ist schon viel wert.

Wir schlüpfen wieder in die Haut von Raz, einem psychisch hochbegabten Jungen und Zirkusartisten, der davon träumt, ein Mitglied der Psychonauts zu werden. Diese legendäre Geheimdienstbehörde steckt diesmal mächtig in der Klemme: Ein Maulwurf aus den eigenen Reihen versucht, eine massenmordende Superschurkin namens Maligula von den Toten wiederzuerwecken - das wollen Raz und seine Freunde natürlich um jeden Preis verhindern. Dazu brauchen sie allerdings wichtige Informationen, die sich tief verborgen im Verstand ihres ehemaligen Feindes befinden: Dem seelisch angeknacksten Doctor Loboto, der im ersten Spiel als gehirnraubender Horror-Zahnarzt auftrat. Die Entwickler inszenieren diesen Tutorial-Level in allerbester Psychonauts-Manier: Es beginnt in einer harmlosen Büroumgebung, doch binnen Minuten steht die Schwerkraft Kopf, ganze Levelteile kippen zur Seite oder morphen ineinander, werden plötzlich von pulsierendem Zahnfleisch durchdrungen, bis man schließlich Sprung- und Kletterpartien auf rotierenden Zahnspangen und Gebissbrücken hinlegt, als wäre es das Natürlichste der Welt - herrlich!
Typisch Psychonauts: Raz kann wieder auf einer Psi-Kugel balancieren und hohe Sprünge hinlegen. Das spielt sich etwas hakelig und erfordert Übung – genau wie früher. Quelle: Double Fine Typisch Psychonauts: Raz kann wieder auf einer Psi-Kugel balancieren und hohe Sprünge hinlegen. Das spielt sich etwas hakelig und erfordert Übung – genau wie früher.

Heimspiel für Kenner

Psychonauts 2 basiert zwar auf Im Zentralhirn trifft Raz eine Gruppe junger Psychonauten-Anwärter, die ihm anfangs zwar übel mitspielen, dann aber kräftig unter die Arme greifen. Quelle: Xbox Game Studios Im Zentralhirn trifft Raz eine Gruppe junger Psychonauten-Anwärter, die ihm anfangs zwar übel mitspielen, dann aber kräftig unter die Arme greifen. der Unreal Engine 4, doch den Entwicklern gelingt es trotzdem, das Spielgefühl des Originals hervorragend einzufangen. Egal ob man rennt, springt, klettert oder auf einem Ball aus Psycho-Energie balanciert, die Steuerung erinnert stark an den Vorgänger. Raz verfügt nun über eine schnelle Ausweichrolle und hat einen Wandsprung dazugelernt, doch der Rest bleibt mehr oder weniger beim Alten. Und das bedeutet: Auch wenn sich nun alles viel geschmeidiger anfühlt als im Vorgänger, gibt's auch wieder ein paar hakelige Sprungeinlagen, die Kamera ist nicht immer ideal platziert und gelegentlich landet man auch mal unfreiwillig im Abgrund - so kennen (und lieben) wir Psychonauts.

Das betrifft auch die Grafik, denn euch erwartet wieder das gleiche schrill-bunte Charakterdesign wie vor 16 Jahren. Technisch ist Psychonauts 2 kein großer Wurf, doch das gleicht es mit seinem verspielten Comic-Look, schöner Beleuchtung und hübschen Animationen wieder aus. Dazu gibt's eine gewohnt starke Musikuntermalung von LucasArts-Urgestein Peter McConnell, die für Stimmung sorgt.

Fans der Vorgängerspiele dürfen sich außerdem auf ein Wiedersehen mit alten Bekannten freuen: Alle wichtigen Figuren wie Lilly, Coach Oleander, Sasha Nein und Milla Vodello sind wieder mit an Bord und werden genau wie Raz von ihren englischen Originalsprechern vertont. Einzig auf die deutsche Sprachausgabe werdet ihr diesmal verzichten müssen, in Psychonauts 2 wurden nämlich nur die Texte und Untertitel übersetzt.

Mentale Verbindung

Nach dem Tutorial-Level erreichen Raz und seine Begleiter das Hauptquartier der Psychonauts. Darauf haben Fans gewartet! Hier, im sogenannten Zentralhirn, muss Raz wieder ganz von unten als Praktikant anfangen, dadurch sind ihm viele Bereiche anfangs noch verschlossen. Trotzdem konnten wir schon einiges erkunden, andere Agenten und Ausbilder treffen und tiefer in die Lore eintauchen. Besonders schön: Die Anlage wird von zig NPCs bevölkert, die Kommentare beisteuern und den Level mit Leben füllen - ähnlich wie im lauschigen Whispering Rock aus dem Vorgängerspiel.
Ein toller Moment für Fans: Raz betritt endlich die lebendige Zentrale der Psychonauten – und muss sich erst mal als Praktikant beweisen. Quelle: Double Fine Ein toller Moment für Fans: Raz betritt endlich die lebendige Zentrale der Psychonauten – und muss sich erst mal als Praktikant beweisen. Raz' Ausbildung zum Superspion beginnt im Klassenzimmer von Agentin Forsythe, der stellvertretenden Chefin. Sie nimmt die Schüler mit in ihre Gedankenwelt, ein purpur schillerndes Levelkonstrukt, in dem wir die erste richtige Neuerung des Spiels kennenlernen: die Fähigkeit "Mentale Verbindung". Damit kann Raz sich an frei schwebenden Ankerpunkten festhalten und so flott durch bestimmte Levelbereiche hangeln. Die Psi-Kraft kann aber noch mehr: Hin und wieder stoßen wir auf Gedankenblasen, die man über die Ankerpunkte verbinden kann, damit lässt sich die Meinung einer Person einfach umkrempeln. Und so kommt es wie es kommen muss: Raz pfuscht in Forsythes Verstand herum - mit fatalen Folgen.

Ernste Untertöne

Kaum hat Raz seinen Fehler eingesehen, düsen er und seine Freunde auch schon auf ihre erste gemeinsame Mission: In einem Casino sollen sie sich nach neuen Hinweisen umsehen. Doch Agentin Forsythe ist prompt der Spielsucht verfallen und der Einsatz droht krachend zu scheitern. Zeit zu handeln! Raz betritt nochmals das Gedankenchaos seiner Lehrerin, das sich diesmal als clever designte Mischung aus Glücksspielhölle und knallbuntem Krankenhaus präsentiert. Den Grund dafür erfahren wir aus Gedankentresoren, die in den Levels versteckt sind und die geheime Ängste und Erinnerungen eines Menschen verbergen. Wie im Vorgängerspiel werden diese Szenen nur in schwarz-weißen Zeichnungen präsentiert, ohne Musik, ohne Text - Double Fine ist es auch diesmal wichtig, Traumata und seelische Erkrankungen mit einem gewissen Ernst zu präsentieren. Das funktioniert wieder hervorragend!
Wie sein Vorgänger behandelt auch Psychonauts 2 ernste Themen, präsentiert sie aber auf heitere Weise, ohne sich darüber lustig zu machen. Quelle: Double Fine Wie sein Vorgänger behandelt auch Psychonauts 2 ernste Themen, präsentiert sie aber auf heitere Weise, ohne sich darüber lustig zu machen. Am Ende des Levels manifestiert sich Forsythes Spielsucht in Form einer riesigen knallbunten Krake. Der Bosskampf läuft klassisch in drei Phasen ab, Raz muss Angriffen ausweichen, Bomben auf verwundbare Stellen schleudern und so das Herz des "Glücktopus" freilegen. Das spielt sich zwar nicht fordernd, ist aber nett in Szene gesetzt - die lahmen Bosse aus dem Vorgängerspiel sehen da im Vergleich steinalt aus.

Stark verbesserte Kämpfe

Ein Schwachpunkt des ersten Psychonauts waren die Kämpfe, darum haben die Entwickler hier kräftig nachgebessert. Raz' Schläge und Gedankenschüsse haben spürbar mehr Wums, außerdem kann er mit seinem Ausweichsprung viel flinker reagieren. Aber auch seine Feinde beherrschen neue Tricks. So sind die Gegner nun spürbar flotter unterwegs, selbst die einfachen Zensoren stürmen aggressiv auf uns zu. Und es gibt neue Gegnertypen, die sich nicht mehr durch einfaches Draufhauen besiegen lassen.
Die Kämpfe fühlen sich etwas wuchtiger und präziser an als im Vorgänger. Quelle: Double Fine Die Kämpfe fühlen sich etwas wuchtiger und präziser an als im Vorgänger. So mischt sich nach einer Weile beispielsweise "Schlechter Einfluss" in die Handgemenge ein - ein flinkes Gedankenvieh, das seine Kollegen mit Buffs unterstützt und Angriffen einfach ausweicht. Hier bringt man am besten Raz' neue Zeitblasen-Kraft zum Einsatz, die Gegner und Objekte verlangsamt, so kann man ein paar empfindliche Treffer landen. Andere Gegner reagieren dafür besonders empfindlich auf Feuer. Und gegen die neuen, bärenstarken Richter verwendet man am besten die Telekinese-Fähigkeit, mit der man ihnen den Hammer einfach aus den Händen reißt und ihnen entgegenschleudert.

  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 06/2026 play5 06/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk