Project Cars 3 im Test: Mit Vollgas das Heck verloren?

Test Maci Naeem Cheema
Project Cars 3 im Test: Mit Vollgas das Heck verloren?
Quelle: Slightly Mad Studios I Bandai Namco

Project Cars 3 ist offiziell auf der Rennstrecke angekommen und möchte sich fortan mit Giganten wie Need for Speed oder Forza Horizon messen. Oder stimm das etwa gar nicht?! Slightly Mad Studios haben ihre beliebte Rennsport-Serie in eine neue Richtung gelenkt, um welche genau es sich dabei handelt, wie gut die Neuausrichtung funktioniert und in welchen Bereichen es hinkt? Wir klären euch auf.

Es ist soweit: Die Diskussionen rund um die Neuausrichtung des beliebten Racing-Underdogs Project Cars könnten ad acta gelegt werden. Das Veröffentlichungsdatum haben wir hinter uns gelassen und Project Cars 3 ist weltweit verfügbar. Doch viele Fragezeichen sorgen auch weiterhin für hitzigen Austausch innerhalb der Racing-Community. Wie sehr wird sich Project Cars 3 noch an seine Stamm-Spielerschaft richten? Und ist das Spielgefühl jetzt wirklich so viel besser und action-lastiger auf dem Asphalt, nachdem man die kontroverse Entscheidung öffentlich machte, dass man auf Boxenstopps, Reifenverschleiß und Spritverbrauch verzichten würde? Wir haben uns ausführlich mit Project Cars 3 auseinandergesetzt und verraten euch in unserem Test, an wen sich der Racer genau richtet, wo die Stärken liegen und in welchen Bereichen Slightly Mad es richtig vergeigt hat.

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Karriere um jeden Preis?

Der Karrieremodus ist zwar nicht innovativ, kann aber langfristig motivieren und ist einer der großen Pluspunkte von Project Cars 3. Quelle: PC Games Der Karrieremodus ist zwar nicht innovativ, kann aber langfristig motivieren und ist einer der großen Pluspunkte von Project Cars 3. Zwar gehört Slightly Mad Studios, die britische Rennspielschmiede hinter Project Cars, nicht zu den ganz großen Spielern im Racing-Genre, die Jungs und Mädels des 2009 gegründeten Studios sind aber auch keine völlig Unbekannten. Das im November 2019 von Codemasters übernommene Team ist neben der Project-Cars-Reihe nämlich ebenfalls bekannt für die sehr beliebte Need-for-Speed-Shift-Serie sowie das desaströse Fast & Furious Crossroads (Chris hat zum Totalausfall einiges zu berichten). Doch das große Aushängeschild ist natürlich Project Cars, ein 2015 entstandener "Community-entwickelter" Racing-Simulator. Fünf Jahre später hat die Reihe in den Augen der Community ein großes Problem: Die Entfernung von den eigenen Genre-Wurzeln. Kein Wunder also, dass Fans nur wenig begeistert sind. Mit Project Cars 3 wirkt es fast so, als wolle Slightly Mad die Vergangenheit hinter sich lassen und sich fortan mit den Giganten der Arcade-Racer-Schublade auf dem Asphalt messen. Viel mehr versteht sich Teil drei aber als gewagter Spagat zwischen Arcade- und Sim-Racer - gefährlich. Das pochende Herz ist dabei der komplett neue Karrieremodus, der die alte und neue Spielerschaft gleichermaßen überzeugen möchte.

Ein großes neues Feature von Project Cars 3 ist, dass man sich fortan Autos kaufen kann und diese über den Spielzeitraum beibehält. Mit insgesamt 211 Fahrzeugen gibt es eine große Auswahl. Quelle: PC Games Ein großes neues Feature von Project Cars 3 ist, dass man sich fortan Autos kaufen kann und diese über den Spielzeitraum beibehält. Mit insgesamt 211 Fahrzeugen gibt es eine große Auswahl. Wer jetzt auf große Innovationen hofft, den müssen wir leider enttäuschen. Project Cars 3 (jetzt kaufen ) präsentiert eine klassische Rennsport-Karriere ohne viel Tamtam. Wir beginnen in der "Road E"-Liga, in der uns schlicht simple Straßenwagen wie ein 1999er Mitsubishi Lancer oder ein 73er BMW 2002 Turbo zur Verfügung stehen. Jede Liga bietet insgesamt 16 Events, diese beinhalten zum Beispiel klassische Rennen, heiße Runden (Schnellste Runden), "Tempomacher" und "Breakout". Bei Tempomacher müssen drei saubere Runden gefahren werden, die durchschnittliche Rundenzeit entscheidet über Sieg oder Niederlage. Bei Breakout hingegen liegen auf der Strecke Objekte mit einer gewissen Punktzahl. Unsere Aufgabe ist es, in einem bestimmten Zeitrahmen so viele wie möglich zu zerstören. Möchten wir in eine neue Liga aufsteigen, so müssen wir jedoch nicht um Gedeih und Verderben jedes Rennen gewinnen, was enorm angenehm ist. Vielmehr geht es um kleine Mini-Ziele, die wir innerhalb eines Rennens erfüllen müssen. Diese verlangen zum Beispiel von uns ab, acht perfekte Kurven zu fahren oder die schnellste Rennrunde zu erzielen.

Im neuen Modus Breakout ist es unsere Aufgabe, so viele Klötzchen wie möglich umzufahren. Das klingt zwar minimalistisch, funktioniert aber recht gut. Quelle: PC Games Im neuen Modus Breakout ist es unsere Aufgabe, so viele Klötzchen wie möglich umzufahren. Das klingt zwar minimalistisch, funktioniert aber recht gut. Haben wir ausreichend solcher Mini-Ziele erfüllt, so öffnen sich uns die Pforten für die nächste Liga. Wer aber Champion der Liga werden möchte, der muss das finale Event, die Meisterschaft, gewinnen. Jene besteht meist aus zwei oder drei Rennen. Des Weiteren gibt es noch Einladungen und Herausforderungen, die sich meist auf Oldtimer, Formel-Rennwagen oder andere spezielle Karosserien fokussieren. Project Cars 3 bietet tatsächlich viel Abwechslung, präsentiert sich vielschichtig und schafft es durch viele clevere Entscheidungen, über einen langen Zeitraum zu motivieren und anzuspornen.

Erfahrung macht den Meister

Um langfristig ans Lenkrad zu fesseln, spart Project Cars 3 nicht mit Herausforderungen und Erfahrungspunkten. Für jede Lenkradbewegung wird gefühlt lautstark applaudiert. Perfekte Kurven, im Windschatten eines Gegners fahren, saubere Überholmanöver oder Sektoren, Project Cars 3 belohnt stets mit Erfahrungspunkten. Die teilen sich sogar noch auf unterschiedlichste Bereiche auf. Es gibt EP für uns als Fahrer, für den gefahrenen Rennwagen, für die Strecke... man verliert schnell den Überblick. Jedoch hat die Belohnungsflut auch gravierende Vorteile. Für uns spielt nicht nur der Sieg eine Rolle, wir sind auch motiviert, nach Fahrfehlern weiter zu kämpfen. Man gibt nicht einfach auf, sondern kämpft um jeden Platz und jede Sekunde. Besonders das dynamische Wettersystem trägt seinen Teil dazu bei, Rennen spannender zu gestalten und unser Fahrtalent stetig zu fordern. Fehler passieren und statt sich auf eine Rückspulfunktion zu verlassen, so wie in manch anderen Rennsport-Titeln, bleibt uns nur der eigene Skill.

Ist das noch Racing?!

Sim-Anspruch? Von wegen! Das Schadensmodell ist enorm marginal und enttäuschend. Der einzige Einfluss auf unseren Wagen ist optischer Natur. Quelle: PC Games Sim-Anspruch? Von wegen! Das Schadensmodell ist enorm marginal und enttäuschend. Der einzige Einfluss auf unseren Wagen ist optischer Natur.

Negativ ist, dass unsere Fehler wenig Einfluss auf den Zustand unseres Wagens haben. Wer sich auf ein realistisches Schadensmodell freut, der wird enttäuscht. Mit 120 km/h in die Wand zu rasen, bedeutet lediglich Zeitverlust. Wie so viele Entscheidungen wird vermutlich auch diese damit begründet, dass Slightly Mad die Rennen spannender gestalten und für mehr Action auf der Strecke sorgen wollte, der Anspruch eines Racing-Titels, der sich selbst als "Racing-Sim" bezeichnet, sollte aber ein anderer sein. Erfreulich ist es natürlich für all jene, denen der Einstieg in Racer wie Forza Motorsport, Gran Turismo oder Project Cars zu schwierig war. Auf der einen Seite bietet Project Cars 3 nämlich eine vollkommen überarbeitete Gamepad-Steuerung, die zu den großen Pluspunkten zählt. Das Controller-Feedback ist gelungen und muss sich vor der Konkurrenz nicht verstecken. Einzig den Vorwurf, der Grip des Wagens ist ab und an schwer vorauszusehen, muss sich Project Cars 3 gefallen lassen. Außerdem reagieren die Autos auf speziellen Strecken enorm heftig auf Randsteine. Insgesamt ist das Fahrgefühl einen Schritt weiter weg vom Realismus der Vorgänger. Die Lenkrad-Steuerung ist zwar gut, fühlt sich aber auch leicht schwammig an. Unterstützt werden, wie auch schon beim Vorgänger, so gut wie alle renommierten Lenkrad-Hersteller. Eine Übersicht findet ihr hier.

Project Cars 3 gelingt in vielerlei Hinsicht der Spagat zwischen Arcade- und Sim-Racer trotzdem recht gut. Geübte Sim-Racer, aber auch Neulinge im Genre, deren einzige Berührungspunkte bisher Rennspiele wie Need for Speed waren, können sich auf kurz oder lang mit der Arcade-Sim anfreunden. Das liegt an der erhöhten Zugänglichkeit, dem aufpolierten User Interface und den vielen Einstellungen zum Fahrverhalten.

Ein breites Publikum, bitte

Ob Profi oder Anfänger, Project Cars 3 ist es eine Herzenssache, sich mit einer breiten Spielerschaft gutzustellen. Unabdingbar für solch ein Vorhaben sind eine Vielzahl an Möglichkeiten, die Anforderungen an die eigenen Fertigkeiten anzupassen. Im Racing-Genre sind das meist Fahrhilfen, die dabei helfen sollen, selbst den biestigsten Wagen unter Kontrolle zu bringen. Bei den Fahrhilfen sollte für jeden Spielertyp etwas dabei sein. Wir können uns so zum Beispiel dazu entscheiden, Lenkhilfe, Bremsassistenten, Handling- oder Streckenhilfen ein- oder auszuschalten. Des Weiteren gibt es die Möglichkeit, auf ein Stabilitätsprogramm, ABS (Antiblockiersystem) oder Traktionskontrolle zurückzugreifen. Das Getriebe lässt sich manuell oder automatisch schalten. Außerdem dürfen wir entscheiden, auf welchem Niveau und wie aggressiv die KI fährt. Die ist zwar solide umgesetzt, in anderen Rennspielen haben wir aber schon weitaus realistischere Rivalen auf der Strecke gesehen. Solch Einstellungen sind in der heutigen Zeit im Rennsport-Genre zwar eigentlich üblich, positiv hervorheben möchten wir aber das daraus resultierende gelungene Fahrgefühl von Project Cars 3. Denn, wer sich für die Fahrhilfen entscheidet, der bekommt eine solide Fahrzeugsteuerung im Arcade-Bereich. Für all jene, die ohne Fahrhilfen fahren, bietet Project Cars 3 aber tolles Fahrzeug-Feedback. Wer nicht vorsichtig ist mit dem Gas und der Bremse, der muss mit einem regelmäßigen Ausbruch des Hecks rechnen.
Die Farben und Muster auf unseren Fahrzeugen können zwar angepasst werden, ein umfangreiches Tuning-System sollte man aber nicht erwarten. Quelle: PC Games Die Farben und Muster auf unseren Fahrzeugen können zwar angepasst werden, ein umfangreiches Tuning-System sollte man aber nicht erwarten. Auch sehr lobenswert ist, wie unterschiedlich sich die vielen Boliden fahren. Wir haben uns zum Beispiel in der "Road D"-Klasse für den 2017er Aston Martin DB11 entschieden, was sich als fataler Fehler herauskristallisierte. Nicht jedes Fahrzeug passt zu jedem Fahrstil! So waren wir dazu gezwungen, uns in der unteren Klasse wieder Geld zu sammeln, um unsere finanzielle Fehlentscheidung auszubügeln. Nachdem wir den britischen Boliden mit 591 PS gegen den Ferrari 288 GTO ausgewechselt haben, lief alles wie am Schnürchen. Der Ferrari ist zwar nett formuliert eine echte Furie und braucht ein ruhiges Händchen, doch mit jedem Renn-Event freundet man sich mehr mit dem Fahrzeug an und nach einer Weile wussten wir genau, wie das 1984er Auto gesteuert werden möchte. Neu in Project Cars 3 ist auch, dass wir nicht mehr Fahrzeuge für Events gestellt bekommen, sondern uns Fahrzeuge kaufen und diese sogar optisch an unsere Vorstellungen anpassen dürfen. Es gibt ebenfalls die Möglichkeit, sich tiefer mit den Karosserien auseinanderzusetzen und mithilfe der Tuning-Funktion das Auto perfide an den eigenen Stil anzupassen. Beim Fuhrpark hat Slightly Mad nicht gespart, mit 211 Wägen ist es sogar der bisher größte der Reihe.

Viel Futter für Rennsport-Fans

Project Cars 3 besitzt ein dynamisches Wettersystem und die Möglichkeit, auf jeder Strecke die Tageszeit an die eigenen Wünsche anzupassen. Quelle: PC Games Project Cars 3 besitzt ein dynamisches Wettersystem und die Möglichkeit, auf jeder Strecke die Tageszeit an die eigenen Wünsche anzupassen. Ein wichtiges Aushängeschild für Project Cars 3 ist der große Fuhrpark: Ob Indycar, Formel E-Wagen, Supertruck, Touring- oder GT-Wägen sowie Straßenfahrzeuge vieler renommierter Hersteller, Project Cars lässt kaum Wünsche offen. Unter den großen Marken finden sich natürlich die typischen Vertreter wie Mercedes-Benz, BMW, Ferrari, Porsche, Lotus oder Lamborghini. Chevrolet, seit Project Cars 2 ein wichtiger Partner, bringt erstmals den Chevrolet Corvette C8.R in ein Mainstream-Rennspiel. Außerhalb der eigen erstellten Events müssen die Wagen aber erst mit den nötigen Credits gekauft werden. Zusätzlich erfordern gewisse Fahrzeuge eine spezielle Fahrer-Stufe, die innerhalb der Karriere erhöht werden kann.

Im Bereich der Modi bleibt Project Cars 3 recht überschaubar. Abseits der eigenen Events und der Karriere gibt es nur noch den Rivalen- sowie Multiplayer-Modus. "Rivals" ist ein asynchroner Mehrspielermodus mit eigenem Ranglisten- und Belohnungssystem. Ein tägliches, ein wöchentliches und ein monatliches Event stehen je zur Verfügung. Diese konzentrieren sich auf spezielle Rennklassen. Beweisen wir unser Können, so haben wir die Chance in den Rängen Gold, Silber und Bronze abzuschneiden. Je nachdem, wie erfolgreich wir abschneiden, fällt unsere Belohnung aus.

Der Online-Modus hingegen bietet eigentlich alles, was das Herz begehrt, enttäuscht aber in technischer Hinsicht. Zur Verfügung stehen uns "Schnelles Spiel", "Geplantes Event" und "Eigene Lobby". Schnelle Multiplayer-Spiele funktionieren zwar ganz gut, das geplante Event hat aber mehrfach für Kopfschmerzen gesorgt. Alle 20 Minuten findet ein neues Event statt, welches sich auf eine Strecke und Rennklasse fokussiert und meist zwischen 12-20 Runden bietet. Unser erster Versuch endete damit, dass sich das Spiel nach dem Qualifying und vor dem Rennen einfach geschlossen hat. Ärgerlich! Der zweite Versuch endete ebenfalls im Hauptmenü unserer Konsole. Beim dritten Event hat zwar alles geklappt, wir waren aber auch der einzige Fahrer, der teilnahm. Solch Probleme sind zwar zum Start eines neuen Titels nicht unüblich, wir hoffen aber, dass Slightly Mad da schnell an den richtigen Schrauben dreht.
Grafisch ist Project Cars 3 eine herbe Enttäuschung, egal ob die Fahrzeugdetails, Strecken oder Wettereffekte. Zusätzlich gibt es immer wieder starke Grafikfehler und Framerate-Einbrüche. Quelle: PC Games Grafisch ist Project Cars 3 eine herbe Enttäuschung, egal ob die Fahrzeugdetails, Strecken oder Wettereffekte. Zusätzlich gibt es immer wieder starke Grafikfehler und Framerate-Einbrüche. Bei den Strecken hingegen können sich Fans auf insgesamt 51 Kurse freuen, die in 121 verschiedene Layouts unterteilt werden. Darunter finden sich natürlich legendäre Strecken wie der Nürburgring, Silverstone, Brands Hatch oder Imola, das Team von Slightly Mad hat sich aber auch für Fantasy-Strecken entschieden. Zum Glück! Die frischen den Rennalltag nämlich ebenfalls nett auf. Die Toskana, Shanghai oder Havanna glänzen mit spannenden und spaßigen Streckenlayouts. Da kommen wir aber auch schon zum größten Kritikpunkt von Project Cars 3, den man nur schwer übersehen kann.

Ein grafisches Trauerspiel

Auf dem PC macht Project Cars 3 zwar eine weitaus bessere Figur, grafisch eindrucksvoll präsentiert sich der Racer aber nie. Quelle: PC Games Auf dem PC macht Project Cars 3 zwar eine weitaus bessere Figur, grafisch eindrucksvoll präsentiert sich der Racer aber nie. Grafisch hinkt Project Cars 3 meilenweit hinter der Konkurrenz und selbst - in manchen Hinsichten - hinter dem Vorgänger aus dem Jahr 2017 her. Eine harte Aussage, anders kann man es aber nur schwer formulieren. Manche Fahrzeuge und Strecken sehen zwar gut aus, die meiste Zeit erinnert Project Cars 3 aber mehr an einen Mobile-Titel als an ein waschechtes AAA-Racing-Games aus dem Jahre 2020. Wir haben auf den Standard-Konsolen getestet und aufgenommen, doch selbst auf einem hochwertigen PC verwandelt sich das Äußere des Arcade-Sim-Racers nicht wie durch magisches Schnipsen in eine Pracht. Oftmals erinnern die Fahrzeuge aufgrund ihrer geringen Details, eigentlich eine Stärke der Reihe, mehr an Plastik als an realistische Karossieren. Das Wettersystem ist zwar am PC ansehnlich, auf den Konsolen aber ebenfalls optisch altbacken. Hinzu kommen noch Grafikfehler, die einem immer wieder aus der Rennaction reißen. Abstriche bei der Physik und beim Fahrgefühl wären in Ordnung, würde man dafür in anderen Bereichen klare Sprünge präsentieren können. Das scheint aber leider nur bedingt der Fall zu sein.

Zu viel, zu schnell, zu wirr

Project Cars 3 ist keinesfalls ein schlechtes Rennspiel. Es kann langfristig ans Lenkrad fesseln, präsentiert einen spannenden Spagat zwischen Arcade- und Sim-Racer und versucht sich recht erfolgreich in neuen Bereichen. Wir hätten uns aber gewünscht, Slightly Mad wäre mit mehr Bedacht an den Richtungswechsel herangegangen. Mehr Arcade wäre in Ordnung, wenn man dabei nicht die Wurzeln zu sehr aus den Augen verliert. Es wirkt fast so, als hätte Slightly Mad unbedingt eine Neuausrichtung für die Reihe gewollt. Das wäre grundsätzlich in Ordnung, mit Struktur, Bedacht und der benötigten Zeit. Das britische Studio hat sich aber lieber dafür entschieden, das Lenkrad unter Höchstgeschwindigkeit in eine neue Richtung einzuschlagen und gefühllos auf das Bremspedal zu treten. Wer etwas vom Rennsport versteht, der weiß, dass das meist nicht wirklich gut funktioniert.

Meinung und Wertung

Meinung

Wertung zu Project Cars 3 (PC)

Wertung:

7.0 /10
Pro & Contra
Gut funktionierender Karriere-Modus, der langfristig ans Lenkrad fesseltInteressantes Motivations-System mit vielen BelohnungenGelungene Gamepad-Steuerung und gutes FeedbackInteressante neue Modi wie Breakout oder RivalsNette Präsentation und übersichtliches User InterfaceBisher größter Fuhrpark mit 211 FahrzeugenSchöne Abwechslung im Streckenumfang (echte Strecken, Fantasy-Strecken)
Grafisch in vielerlei Hinsicht eine ZumutungHäufige GrafikfehlerEtwas unrealistischeres Fahrgefühl als noch beim VorgängerOftmals Probleme im Online-ModusAnpassungen am eigenen Auto nur sehr minimalistischKeine strategischen Möglichkeiten mehr (Pitstops, Reifenverschleiß, Spritverbrauch)Nur geringes optisches Schadensmodell
Fazit

Auf der Suche nach der eigenen Identität, aber trotz alledem eine spaßíge Arcade-Sim.

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