Milans Seedorf wird von zwei Manchester-Spielern in die Zange genommen.
So unterschiedlich können die Ansprüche bei der Entwicklung eines Fußballspiels sein: Während die FIFA-Entwickler von Electronic Arts jedes Jahr hauptsächlich damit beschäftigt sind, den Vorsprung des spielerisch überlegenen Pro Evolution Soccer aufzuholen, sind die japanischen Programmierer von Konami überwiegend in puncto Innovation gefragt: Sie müssen ihren Fans jedes Jahr etwas Neues bieten und das Fußball-Genre spielerisch nach vorne bringen. Glücklicherweise hat die fleißige Entwicklertruppe rund um Programmierer-Legende Shingo "Seabass" Takatsuka dies bisher jedes Jahr geschafft - so auch bei Pro Evolution Soccer 5.
Wenn weniger mehr ist
Größte Neuerung von Pro Evolution Soccer 5 im Vergleich zu den Vorgängern ist die deutlich veränderte Steuerung. Sowohl beim Passsystem als auch beim Zweikampfverhalten hat sich einiges getan und selbst gestandene PES-Spieler müssen sich umstellen. Beim Passsystem fällt bereits nach wenigen Spielminuten auf, dass die Effektivität der Pässe deutlich heruntergeschraubt wurde: Die Pässe kommen weniger präzise und scharf beim Mitspieler an.
Zudem spielt es jetzt eine wesentlich größere Rolle, wie der Spieler beim Passen steht (schaut er in die Richtung des Passempfängers?) und welche Fähigkeit der Passgeber besitzt. Spieler mit geringeren Pass-Attributen eignen sich z. B. kaum noch, um gefährliche Pässe in den Lauf zu vollbringen. Durch diese Veränderungen spielt sich Pro Evolution Soccer 5 eindeutig realistischer als die Vorgänger, da man wesentlich öfter den Sicherheitspass über mehrere Spielstationen spielen muss und nicht mehr ununterbrochen auf Traumpässe einzelner Spieler hoffen kann.
Vorsicht beim Zweikampf
Auch beim Zweikampfverhalten hat sich einiges getan. Hauptmerkmal des neuen Zweikampfverhaltens: Normale Attacken (Tacklings mit der A-Taste) gilt es neuerdings wesentlich umsichtiger einzusetzen, da auch sie zu regelmäßigen Fouls führen. Der Spieler darf nicht mehr wie bisher regelmäßig zu ungestümen Tacklings greifen und hoffen, dass er den Ball irgendwie erobert. Stattdessen muss die A-Taste mit Bedacht und dem richtigen Timing eingesetzt werden, um den Gegner den Ball vom Fuß zu stibitzen.
Obwohl das neue Zweikampfverhalten sehr ausgereift wirkt und nach einigen Matches vom (erfahrenen) Spieler verinnerlicht sein sollte, gibt es hier ein "größeres" Problem: Bestimmte Schiedsrichter bei Pro Evolution Soccer 5 pfeifen viel zu kleinlich und stören so im Zusammenspiel mit dem neuen Zweikampfverhalten den Spielfluss: Ständig werden Zweikämpfe abgepfiffen und der Spieler weiß oftmals gar nicht genau, warum! Hier hilft nur die manuelle Auswahl des Schiedsrichters.
Optosch noch immer Mittelmaß
Neben den Änderungen bei der Steuerung haben die Entwickler von Konami bei Pro Evolution Soccer 5 vor allem Feintuning betrieben. So wurden die Animationen weiter veredelt und ermöglichen stellenweise absolut fantastische Spielmomente. Auch an der KI wurde nachgebessert, was vor allem den Torhütern beim Herauslaufen aus dem Tor zugute kommt.
Was allerdings trotz all der spielerischen Verbesserungen immer noch zu kritisieren wäre, ist die grafische Umsetzung des Spiels. Auch Pro Evolution Soccer 5 reizt die Xbox nicht ansatzweise aus und muss sich grafisch klar dem Konkurrenten FIFA 06 geschlagen geben. Vor allem die matschigen Texturen und die mäßigen Lichteffekte stören. Durch die relativ schwache Umgebungsgrafik (Stadien, Zuschauer etc.) geht zudem viel Atmosphäre verloren.
