Pro Evolution Soccer 2

Test Wolfgang Fischer

Beim Kauf eines "Pro Evolution"-Spiels konnten sich die Fans der Serie schon immer auf eine Sache verlassen und zwar, dass Sie das realistischste Fußballspiel auf dem Markt erwerben. Dies galt nicht nur für das im letzten Jahr erschienene Pro Evolution Soccer sondern auch für die ebenfalls exzellenten PSone-Vorgänger. Konami hat es über Jahre hinweg mit jeder Version geschafft, die Meßlatte in puncto Realismus, Spielbarkeit und Spaß noch ein wenig höher zu legen. Dementsprechend waren die Erwartungen an PES 2 natürlich sehr hoch.
GENIALES SPIELGEFÜHL
Im wichtigsten Punkt wurden die Erwartungen auch voll erfüllt. Spieltechnisch liegt Konamis Ausnahmekick meilenweit vor jedem Konkurrenztitel. Dafür ist vor allem die geniale Ballphysik verantwortlich. Die Kugel verhält sich auf jedem Untergrund (trocken oder nass) so, wie man es von einem "echten" Fußball erwarten würde. Dazu kommt eine ebenso gute Kollisionsabfrage, die dafür sorgt, dass der Ball physikalisch korrekt von Objekten abprallt. Wie sich eine beliebige Spielsituation letztendlich entwickelt, hängt aber von noch viel mehr Faktoren ab. Die Fähigkeiten und auch die Tagesform der beteiligten Kicker spielen hier eine große Rolle. Anders als bei anderen Fußballspielen machen sich unterschiedliche Charakterwerte und Spezialfähigkeiten bei PES 2 deutlich bemerkbar. Die Chance, mit einem schussstarken und technisch versierten Spieler wie David Beckham ein Freistoßtor zu erzielen sind wesebtlich größer als bei vielen anderen Kickern. Die Entwicklung eines Matches ist aber auch abhängig von den taktischen Einstellungen. Die umfangreichen Optionen bieten viel Spielraum für taktische Finessen, die dank sehr guter Spieler-KI auch wirklich sichtbar sind. Während bei anderen Titeln die Abwehrformation mehr einem ungeordneten Hühnerhaufen gleicht, reagieren die PES-2-Abwehrrecken auch eigenständig und machen sogar aussichtsreiche Angriffe zunichte. Ebenfalls bemerkenswert sind die Torhüter, die selbstständig ins Spielgeschehen eingreifen und im Bedarfsfall auch mal zur Notbremse greifen. Wo wir gerade bei den Torhütern sind: Vor allem deren Animation ist den Entwicklern von Konami Tokyo wirklich hervorragend gelungen. Aber auch die Bewegungen der anderen Spieler kommen gut rüber. Im Vergleich zum Vorgänger sehen die Animationen viel, viel weicher aus. Das Bewegungsrepertoire der virtuelle Kicker wurde ebenfalls gewaltig erweitert, vor allem was Zweikämpfe, Kopfballduelle und Torschüsse betrifft. Darüber hinaus ist die
Spielgeschwindigkeit etwas höher als beim Vorgänger.
ALLES EINSTELLUNGSSACHE
Abgesehen von den angesprochenen Gameplay-Anpassungen und den modifizierten Spielmodi gibt es eine ganze Reihe neuer Optionen. Sie können jetzt nicht nur das Wetter und die Tageszeit zu der gespielt wird einstellen, sondern obendrein die Tagesform der beiden Teams. Natürlich ist auch das Stadion, in dem gespielt werden soll, frei wählbar. Vierzehn, realen Vorbildern nachempfundene Arenen stehen zur Auswahl. Auf Wunsch sind Sie auch Stadioneffekte (Leuchtraketen usw.) zuschaltbar. So kann noch mehr Stadionatmosphäre erzeugt werden. Wer einfach nur ein schnelles Spielchen wagen will, kann die oben genannten Einstellungsmöglichkeiten auch komplett dem Zufall überlassen. Darüber hinaus dürfen Sie festlegen, wie sich das Publikum während des Spiels verhält. Je nach Einstellung wird das Publikum nur eines, beide oder gar keines der Teams speziell mit Sprechchören unterstützen. Analog dürfen Sie auch die Art des Kommentars von Wolff-Christoph Fuss und Hansi Küpper einstellen. Eine Sache an der sich nichts geändert hat, ist die Qualität der Kommentare. Glücklicherweise können die sich wiederholenden, nicht gerade intelligenten Plattitüden der Sprecher jederzeit abgeschaltet werden. Fairerweise muss aber gesagt werden, dass die Kommentatoren bei keinem anderen Fußballtitel besser sind.
Wie schon im Vorgänger dürfen Sie die eigentlich schon perfekte Steuerung ihren persönlichen Vorlieben anpassen. Auch die Möglichkeit, präzise Pässe über den rechten Analog-Stick auszuführen, ist selbstverständlich wieder enthalten. Um diese Funktion sinnvoll nutzen zu können, bedarf es allerdings etwas Übung.
KLEINE MÄNGEL
Natürlich ist auch Pro Evolution Soccer 2 keineswegs perfekt. Vor allem Präsentation, Spielermodelle und Grafik könnten ruhig einmal ein wenig überarbeitet werden. FIFA Football 2003, härtester PES-2-Konkurrent, bietet da deutlich mehr fürs Auge. Auch was die verfügbaren Lizenzen und enthaltenen Originalteams betrifft, hinkt Konamis Fußballsim hinterher. Zwar sind eine ganze Reihe Nationalmannschaften (teilweise mit Originalnamen) enthalten, aber wie schön wäre es, die deutsche Meisterschaft nachspielen zu können? Darüber hinaus würden sich bestimmt viele Fans wünschen, dass nicht nur Fouls und Trikotvergehen geahndet werden, sondern auch Handspiel. Vielleicht nehmen sich die Entwickler ja beim Nachfolger dieser kleinen Mängel an. Um Missverständnissen vorzubeugen: PES 2 ist trotz dieser Kritikpunkte derzeit das mit Abstand beste Fußballspiel auf dem Markt.

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