Phoenix Wright 2: Justice for All

Test

Ist Capcoms japanophiler Genre-Mix zum Erfolg verurteilt?

Erst langsam findet Phoenix zu alter Stärke zurück.
BILD: N-ZONE Erst langsam findet Phoenix zu alter Stärke zurück. BILD: N-ZONE Phoenix Wright ist zurück - der smarte Strafverteidiger der Anwaltskanzlei Fey und Co. ist nicht nur das intelligente und interaktive Pendant zu sinnentleerten Nachmittagsgerichtsshows wie Richterin Barbara Salesch und Richter Alexander Hold, sondern auch eine kleine Offenbarung für Fans klassischer Adventures und fesselnder Gerichtssimulationen. Mit Justice for All verurteilt Capcom den jungen Starverteidiger erneut zu knallharten Ermittlungen in vier spannenden Fällen. Nachdem die Japaner das Abenteuer schon auf dem Game Boy unter den Namen Phoenix Wright 2 erleben durften, feiert der Titel als Justice for All auf dem DS Europa-Premiere.

Praktischer Gedächtnisverlust

Der tollpatschige Cop Dick Gumshoe ist immer noch bei der Polizei. 
BILD: N-ZONE Der tollpatschige Cop Dick Gumshoe ist immer noch bei der Polizei. BILD: N-ZONE Selbst wer noch nie einen Gerichtssaal von innen gesehen hat, findet sich in der Welt von Anwälten, Gerichten und Prozessen schnell zurecht, denn praktischerweise hat Phoenix zu Beginn von Justice vor All dermaßen einen über den Schädel bekommen, dass sein Gedächtnis vorläufig die Funktion verweigert. Gott sei Dank dient der erste Fall als kleines Tutorial und plötzlich kann sich Phoenix wieder an alles erinnern - er ist Starverteidiger.

Schon beginnt ein weiteres Abenteuer, das euch unerbittlich in einen Sumpf aus Lügen, Intrigen und natürlich Mord zieht. Um eure Mandanten vor dem Kittchen zu bewahren, gilt es, die Wahrheit ans Licht zu bringen. Wie schon im ersten Teil unterteilt sich das 2D-Anime-Abenteuer in eine Ermittlungsphase und das anschließende Kreuzverhör im Gerichtssaal. Zur Recherche verfolgt ihr mit dem Stylus jede noch so kleine Spur, inspiziert den Tatort und befragt in guter alter Multiple-Choice-Tradition Zeugen und Verdächtige.

Jedes Beweismittel und jede Information verstaut ihr ordentlich in euren Akten, um beim Schlagabtausch vor Gericht die Lügen der Zeugen zu entlarven. Mit Mikro oder Stylus setzt ihr im Saal die Befragten unter Druck und erhebt Einspruch, um Falschaussagen aufzuspüren. Allerdings solltet ihr für eure Behauptungen stets die richtigen Beweise zur Hand haben.

Im Unterschied zum Vorgänger gibt es jetzt zwar keine Verwarnungen durch den grenzdebilen Richter mehr, dafür solltet ihr auf Phoenix' Psyche in Form einer grünen Leiste am oberen Bildschirmrand achten. Jeder falsche Beweis kostet unseren smarten Verteidiger Nerven, also will der Einspruch gut überlegt sein. Aber auch abseits der Gerichtssaales spielt diese Leiste eine wichtige Rolle - beim Knacken der sogenannten Psyche Locks, einem weiteren Novum in Justice for All.

Fast jeder der charismatischen Charaktere - angefangen bei dem kleinen spirituellen Wunderkind Pearls über den exzentrischen Magier Maximillian Galactica bis hin zum kleinen Püppchen Ini Miney - hat ein dunkles Geheimnis, das oft der Schlüssel zur Wahrheit ist. Nur sind deren Münder leider verschlossen, es sei denn, ihr brecht mit verblüffenden Aussagen und Beweisen deren psychische Widerstandskraft und löst die Barrieren, um dadurch wertvolle Informationen zu bekommen. Aber Vorsicht, macht ihr zu viele Fehler und die Leiste ist leer, klappt Phoenix durch den psychischen Druck zusammen und eure Karriere ist am Ende.

Ein spielbarer Anime

Maya soll einen Mord begangen haben?
BILD: N-ZONE Maya soll einen Mord begangen haben? BILD: N-ZONE Abseits dieser kleinen Innovationen ist Justice for All eine konsequente Fortsetzung des ersten Teils. Liebevolle Charaktere wie der namenlose Richter mit seiner sympathischen Orientierungslosigkeit, euer alter Freund Detektive Gumshoe und schillernde Persönlichkeiten wie Franziska von Karma, die mit ihrer Peitsche glatt in einem Sadomaso-Studio arbeiten könnte, schaffen durch witzige und humorgetränkte Dialoge eine fantastische Atmosphäre.

Die Rätsel sind kniffelig, wenn auch nicht immer ganz logisch aufgebaut und die Geschichte fesselt von Anfang an. Für meinen Geschmack spielt sich Phoenix Wright: Justice for All allerdings zu gradlinig, sodass alternative Handlungsstränge wünschenswert gewesen wären. Auch innovative Touchscreen-Elemente wie das Fingerabdruckpulver aus dem Vorgänger sucht ihr leider vergeblich. Zwei Kritikpunkte, die Capcom hoffentlich im DS-exklusiven Phoenix Wright 4 ausbügelt.

Bildergalerie

Wertung zu Phoenix Wright: Ace Attorney - Justice for All (NDS)

Wertung:

84 /10
Pro & Contra
Fesselnde StoryTolle CharaktereSchöner Anime-Stil
Sehr linear aufgebaut
Fazit

Konsequenter Nachfolger des erfolgreichen Juristen-Abenteuers, ohne neue Touchscreen-Features.

Artikel teilen

Per E-Mail versenden

  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 08/2026 PCGH Magazin 08/2026 play5 08/2026 N-Zone 08/2026 Linux Magazin 08/2026 LinuxUser 08/2026 Raspberry Pi Geek 09/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk