Auch der Munitionsvorrat muss auf eher unkonventionelle Weise abgefragt werden: Mittels der Y-Taste teilt euch Jack mit, für wie viele Ladungen der Magazinvorrat noch ausreicht. Patronen sind auch dringend nötig, um in den 40 hintereinander zu absolvierenden Kapiteln zu überleben, denn die Dinobrut bleibt euch hartnäckig auf den Fersen. Ist der Lauf leer und hängt euch ein Saurier direkt an der Backe, können auch umherliegende Knochen aufgesammelt werden, um Wurfgeschosse zu improvisieren.
Aufgespießte Libellen lassen sich sogar dazu missbrauchen, um sie höherrangigen Tieren zum Fraß vorzuwerfen. Dadurch lenkt ihr eure Feinde auf ein bestimmtes Ziel, um sie anschließend hinterrücks anzugreifen. Nach diesem Nahrungskettenprinzip lotst ihr beispielsweise einen T-Rex auf einen Flugsaurier zu, den ihr soeben vom Himmel geschossen habt. Leider wird von diesem spielerisch interessanten Schmankerl viel zu selten Gebrauch gemacht.
Trotz der scheinbar großen Komplexität bestätigt unsere Testversion, was die Preview-Fassung ansatzweise vermuten ließ: Auf Dauer mangelt es den Ego-Shooter-Passagen, die den Gorilla-Anteil des Spiels ausmachen, eindeutig an Abwechslung. Wenn Jack etliche Kapitel hintereinander auf dieselbe Art und Weise Buschfeuer legen muss, um unpassierbare Büsche niederzubrennen, kommt mit der Zeit doch ein wenig Monotonie auf.
Ein weiteres Merkmal, das bereits vielen Spielen zum Verhängnis wurde, entpuppt sich dagegen als wirkungsvolles Stilmittel: Der Pfad, den Jack und sein Team abwandern dürfen, ist meist strikt vorgegeben. Diese Linearität ermöglichte den Entwicklern exakt platzierte Skript-Events - etwa wenn ihr von Ann aus einem Tümpel gezogen werdet und diesen Moment aus der Ego-Perspektive miterlebt.
Für Authentizität sorgen auch die stimmungsvollen deutschen Sprach-Samples eurer Teamkollegen, die situationsabhängig eingestreut werden. Wenn ihr euch beispielsweise während eines Gefechts mit einem T-Rex von Kameramann Carl anschnauzen lassen müsst, weil ihr ihm gerade vor der Linse steht, kommt echtes "Mittendrin"-Ambiente auf!
Der Kong ist tot, es lebe der Kong
Die Übergänge zwischen den Ego-Levels als Jack und den Passagen, in denen man Kong in der Third-Person-Ansicht steuert, sind fließend. Wenn ihr euch etwa gerade auf einem Floß mit der Pistole zwei Raptoren vom Leib gehalten habt und von der Strömung in eine Sackgasse getrieben worden seid, ringt ihr im nächsten Augenblick auch schon in der haarigen Affenhaut gegen die überdimensionalen Biester und streckt Jacks Verfolger in simplen, aber spaßigen Tastenduellen nieder.
Das Gameplay profitiert dabei besonders von der unterschiedlichen Spielmechanik der beiden Sequenzen. Im finalen New-York-Abschnitt bietet King Kong schließlich noch einmal brachiale Dauer-Action. Dank eines Punktesystems, das jedes Kapitel anhand verschiedener Faktoren wie der Anzahl erlegter Gegner bewertet, ist die Langzeitmotivation immens. Wer den alternativen Abspann genießen möchte, muss zudem wesentlich mehr Zeit investieren als die etwa acht Stunden, die man für das erste Durchspielen benötigt.
Technisch gibt sich König Kong keine Blöße: Das Spiel enttäuscht zwar hier und da mit matschigen Texturen, bietet dafür aber imposante Dinomodelle. Einzig Kongs Ganzkörperbehaarung fällt im Vergleich mit Fox McClouds Fell in Starfox Adventures stark ab. Aber wir wollen mal keine Haarspalterei betreiben: Peter Jackson's King Kong ist auf dem GameCube ein äußerst atmosphärischer Weihnachts-Hit. Die GBA-Version reicht aufgrund mäßig inszenierter Kong-Abschnitte nicht ganz an die Klasse der Gamecube-Fassung heran, sorgt aber auf ihre Weise für Flair.
