Auch ohne aufzwungenes Saubermann-Image retten Duke Nukem, Agent 47 oder Kratos die Welt. Sie sind klassische Antihelden. Wir erklären die Faszination hinter den rauen Kerlen, die oft Unmoralisches tun, um am Ende dem Guten zum Sieg zu verhelfen.
Sexistische, derbe Sprüche und ausgeprägte Macho-Allüren. Mit Einzeilern wie "Nobody steals our chicks... and lives!" wurde der Duke, jener blondhaariger Antiheld mit ausgeprägter Bodybuilder-Figur, eine Ikone der Spielehelden. Sie brachten ihm sein unverwechselbares Rüpel-Image ein. Duke Nukem zelebriert hohle Gewalt, hochprozentigen Alkohol und leicht bekleidete Mädels. Nicht gerade Attribute, mit denen sich klassische Helden aus Märchen schmücken. Ein solch rabiater Charakter, könnte man meinen, taugt nicht als Identifikationsfigur. Wie auch, werden uns in der Gesellschaft doch andere Werte vorgelebt. Das alles stimmt. Dennoch: Eine gewisse Faszination für die Figur Duke Nukem lässt sich nicht absprechen. Unter den scheinbar unüberwindbaren Muskelbergen und der großen Portion gespielter Coolness steckt ein Held, der für Tugenden wie Gerechtigkeit eintritt. Als Aliens über die USA herfallen, fackelt der Duke nicht lange und handelt. Schließlich lässt er am Ende den außerirdischen Invasoren ihre gerechte Strafe zukommen und rettet damit die Menschheit vor der Sklaverei und Vernichtung.
Egal ob Comic, Film oder Videospiel: Kennzeichnend für Antihelden sind Merkmale typischer Bösewichter, etwa Brutalität, Rücksichtslosigkeit oder Zynismus. Es liegt in der Natur solcher Figuren, dass sie die Möglichkeit der Identifikation erschweren. Wer möchte sich schon mit einer Hauptfigur identifizieren, die obige Werte vertritt? Der nennenswerte Unterschied zu dem Antagonisten besteht bei den Antihelden in der Regel in ihrer Motivation. Nicht selten pocht in den Figuren, wenn auch unterschwellig thematisiert, das Herz konventioneller, gutherziger Helden. Garett, Meisterdieb und Protagonist der Thief-Serie, rührt für gewöhnlich keinen Finger, wenn die nächste Mission keine lukrative Beute verspricht. Als in seine Fantasy-Welt Bösewichter auf den Plan treten, die seine Existenz bedrohen, erwacht aber auch in ihm Charakteristka eines Helden.
Was aber macht so den Reiz an Antihelden aus? Dass um Schwächen von Protagonisten keinen großen Hehl gemacht wird, ist eine von vielen möglichen Erklärungen auf diese Frage. Charaktere wie der ehemalige Cop Max Payne lassen sich nicht so einfach in das gängige Gut-Böse-Schema pressen. Sie bewegen sich auf einem schmalen Grad. Payne, dessen Frau und Kind ermordert wurden, stürzt in eine tiefe Lebenskrise. Verfolgt von Depressionen, die mit Wahnvorstellungen begleitet werden, beschließt er Rache an den Killern zu nehmen. Fortan tötet er sich bis zur Wahrheit durch. Obwohl die Tötung anderer durchaus zur Diskussion steht, wird sie von den Spielern bereitwillig akzeptiert. Die Handlung ist Mittel zum Zweck. Im Mittelpunkt steht eher das ergreifende Schicksal und der ungewisse Werdegang der Figur Max Payne. Außerdem verfolgt der Protagonist doch irgendwo ein edles Ziel: Die Aufklärung des Mordes an seiner Familie und die Bestrafung der Täter für die furchtbaren Verbrechen.
Duke Nukem und Max Payne sind nur zwei von vielen Beispielen. Weitere faszinierende Antihelden der bis dato geschriebenen Videospielgeschichte haben wir in unserer Galerie unterhalb dieser Zeilen verewigt.
