Pacer: Rasantes Rennspiel à la Wipeout touchiert immer wieder die Bande
Test
Das temporeiche Anti-Gravity-Rennspiel Pacer ist nach einer enttäuschenden Early-Access-Version komplett überarbeitet worden. Selbst der Name, damals noch Formula Fusion, wurde umgeändert. Neue Strecken, neues Menü-Design, neue Fahrphysik. Jetzt ist der Wipeout-Klon nach fünf Jahren auch endlich draußen. Ob das Entwicklerstudio R8 Games Ltd mit dem Re-Release den Spieß noch drehen kann, lest ihr im Test.
Die Wipeout-Spielereihe hat mittlerweile fast schon Kultstatus unter Rennspielfans. Die rasanten, futuristischen Fahrzeuge konnten in Kombination mit den integrierten Waffen schon vor 25 Jahren auf der Playstation überzeugen. Nach dem Release von Wipeout 2048 kündigte Sony im Jahr 2012 jedoch die Schließung des zuständigen Studios "Sony Computer Entertainment Studio Liverpool" an. Abgesehen von einer Kollektion älterer Wipeout-Teile mussten Fans seitdem auf ein neues Sequel vergeblich warten.
Auf dieser Seite
Die Hoffnung: Im Jahr 2015 entwicklte das frisch gegründete Entwicklerstudio R8 Games Ltd die Early-Access-Version vom Wipeout-Klon Formula Fusion. Da sich in diesem neuen Studio viele Mitarbeiter des ehemaligen Wipeout-Entwicklers versammelten, hegten viele Spieler Hoffnung auf neue futuristische Rennspielaction. Leider konnte Formula Fusion weder bei Fans, noch bei Kritikern überzeugen. Grafikprobleme, langweilige und wenige Strecken, schlechtes Fahrgefühl und schlicht wenig Inhalt wurden bemängelt. Die Entwickler von R8 Games Ltd haben jetzt das Spiel von Kopf bis Fuß noch einmal umgekrempelt. Menüdesign, Rennstrecken, Fahrgefühl, Spielmodi, kaum ein Stein blieb auf dem anderen. Selbst der Name wurde von Formula Fusion zu Pacer umgeändert. Mittlerweile ist der Re-Release fertig, das Spiel wurde nun als Vollversion veröffentlicht und ... überzeugt noch immer nicht.
Now this is Pacer-Racing!
Quelle: PC Games
Schnell, actionreich, futuristisch. Das hier ehemalige Wipeout-Macher am Werk waren, fällt direkt auf.
Mit über 500km/h fahren wir die engen und kurvenreichen Strecken entlang. Mal an der Decke, an der Wand oder auch im Looping. Währenddessen sind um uns herum überall die anderen Fahrzeuge, schießen mit Raketen und MGs auf uns, während wir höchste Konzentration brauchen, um nicht wie in einem Flipperautomaten von Bande zu Bande zu fliegen. Und das alles auf der langsamsten der vier Geschwindigkeitsstufen! Langweilig wird Pacer nur selten. Wer dachte, Wipeout ist schnell, kann sich von Pacer eines besseren belehren lassen. Die zwei langsamsten Geschwindigkeitsklassen machen richtig Spaß, die Stufen darüber waren für uns jedoch kaum befahrbar und wir bezweifeln auch stark, dass dies bei manchen Rennbahnen überhaupt fehlerfrei möglich ist. Das liegt aber zum großen Teil an den öfters vorkommenden Framedrops in den höheren Tempostufen, nach denen wir uns immer wieder in der Bande sehen. Schneller ist eben nicht gleich besser.
In klassischer Wipeout-Manier sind auf den Strecken kurzzeitige Boosts und Waffen-Items zu finden. Außerdem gibt es in Pacer einen wiederaufladbaren Schild. Darauf müssen wir besonders achtgeben. Sobald unsere Schild-Power nämlich aufgebraucht ist, schützt uns nur noch ein kleiner Lebensbalken vor der Zerstörung unseres Fahrzeugs. Das Spielprinzip funktioniert super, das Gleichgewicht zwischen Schusswechsel, Verteidigung und Geschwindigkeit ist jederzeit ausbalanciert - all das hat ja schon bei Wipeout gut funktioniert. Im Gegensatz zur Early Access ist diesmal aber auch das Fahrgefühl angenehmer. Die Steuerung wird für viele Rennspielfans sicherlich etwas unüblich sein, aber mit der Zeit kriegt man ein Gefühl dafür. Die Standardeinstellung der Tastenbelegung ist dagegen schon sehr umständlich, kann aber nach eigenem gusto angepasst werden. Und besser spielt sich Pacer ohnehin mit einem Gamepad.
Quelle: PC Games
Im Flowmenturm-Modus müssen wir durch die grünen Tore fahren, um keinen Schaden zu bekommen. Ob wir aber das Tor erwischt haben, erzählt uns das Spiel kaum.
Schön wäre etwas mehr Feedback vom Spiel selbst. Beispielsweise sind wir uns oft unsicher, ob wir das Schild-Item aufgenommen haben oder nicht. Ohne signifikanten Ton oder visuellen Veränderungen für das Aufsammeln von Items schauen wir oft in die Röhre. Besonders ärgerlich ist das im Flowmenturm-Modus. Hier müssen wir durch kleine Tore fahren, um nicht Schild- und Lebens-Energie zu verlieren. Je mehr Tore wir passieren, desto schneller fahren wir. Ob wir jedoch das Tor noch erwischt haben oder knapp vorbeigefahren sind, wir uns nur klein am schwindenden Schild ersichtlich.
Toller Soundtrack ... wenn man ihn mal hört
So cool das eigentliche Gameplay sein mag, so wenig Inhalt steckt im Spiel. Und hier meinen wir nicht die verschiedenen Spielmodi (zu denen wir gleich kommen), sondern die Präsentation drumherum. Ohne Publikum, Moderator, Siegerehrungen, oder gar Piloten wirkt die Welt wie ausgestorben. Das einzige was uns von der trostlosen Leere ablenkt, ist der Elektro- und Techno-Soundtrack. Viele verschiedene Künstler haben hier ihre Songs bereitgestellt. Cool, wenn man sie denn hören würde. Leider spielt das Game nämlich öfters einfach keine Musik ab. Dann fahren wir auf der Strecke mit dem tollen Sound des Windes und der Turbinen. Und so gut das Gameplay auch sein mag, spätestens dann fühlt sich Pacer nur noch wie eine ganz nette Early-Access-Version an. Dumm nur, dass das Spiel die letzten fünf Jahre schon in dieser Phase war.
Immernoch inhaltsarm
Quelle: PC Games
Manche Strecken wie die indische Sonashahar-Bahn sind mit viel Liebe zum Detail gestaltet worden ...
Quelle: PC Games
... andere wiederum sind plump, grau und wenig kreativ.
Als das Spiel noch Formula Fusion genannt wurde, war einer der größten Kritikpunkte der spärliche Inhalt. Jetzt gibt es neue Strecken, neue Spielmodi und sogar einen Karrieremodus. Insgesamt sind nun 14 Strecken in Pacer befahrbar. Manche Rennen, wie die Sonashahar in Indien sind wunderschön und liebevoll gestaltet. Andere dagegen, wie das trostlose weiß-graue Ödland von Laika Kosmodrom eher weniger. Alle Bahnen sind neben einer hellen Tagfahrt auch nachts und spiegelverkehrt befahrbar. Um Strecken freizuschalten, müssen wir übrigens eine ganze Menge In-Game-Währung blechen. Für die Nacht- und Spiegelverkehrt-Fahrt müssen wir dann sogar nochmal extra bezahlen. Das führt zu unnötigem und langwierigem Grind, bei dem wir dieselben Strecken wieder und wieder fahren müssen.
Oder wir schalten die Rennstrecken lieber in der öden Karriere frei, die, wie der Rest von Pacer, ohne jegliche Präsentation daherkommt. Mit anderen Worten fahren wir hier vorgeschriebene Strecken in vorgeschriebenen Spielmodi mit vorgeschriebener Geschwindigkeit. Nicht mehr, nicht weniger. Ein Fahrzeugwechsel ist in der Karriere übrigens nicht möglich, nicht einmal nach dem Ende der Saison oder dem Wechsel unseres Teams (das übrigens völlig irrelevant ist). Löschen können wir unsere Karriere aber auch nicht und eine Neue starten ist genauso wenig möglich. Dabei lassen sich die verschiedenen Fahrzeuge sogar unterschiedlich steuern! Aber nein, wer am Anfang die falsche Entscheidung getroffen hat, muss für immer damit leben - zumindest im Karrieremodus.
Die Spielmodi wirken auf dem ersten Blick dagegen nach wirklich viel Inhalt. Ganze acht Möglichkeiten gibt es, Pacer zu zocken. Leider ähneln sich einige Spielmodi doch sehr. Beispielsweise ist das Zeitrennen der Temporunde sehr ähnlich. Bei beiden Modi geht es um die schnellste Runde, bei letzterem sind wir allerdings mit anderen Fahrern auf der Strecke. Ein anderes Beispiel wäre der Eliminator und der Battle-Royal-inspierierte Storm-Modus. Auch hier läuft es bei beiden darauf hinaus, dass die letzte Person aus dem Rennen ausscheidet. Beim Eliminator explodiert der oder die Letzte, sobald ein Timer abgelaufen ist. Im Storm-Modus bekommen wir dagegen langsam aber sicher schaden, wenn wir uns nicht in der immer kleiner werdenden Zone befinden, die uns vor dem Sturm beschützt. Beides läuft darauf hinaus, dass wir nicht ganz hinten fahren wollen. Abwechslung bietet da noch eher der bereits erwähnte Flowmenturm, bei dem wir durch die Tore fahren müssen und der Zerstörungs-Modus, bei dem es nicht auf die Platzierung ankommt, sondern auf die Anzahl der Eliminierungen.
Hast du einen Lackschaden?
Quelle: PC Games
Unser Fahrzeug ist individuell anpassbar. Ob Waffen oder kosmetische Items, hier kann man sich austoben. Leider kostet fast alles davon viel In-Game-Währung.
Dafür sind die vielen verschiedenen Möglichkeiten, unser Fahrzeug zu tunen, gelungen. Neben den fünf verschiedenen Fahrzeugtypen können wir unsere Boliden durch einige Einstellungsoptionen außerdem an unseren persönlichen Fahrstil anpassen. Sind wir lieber sehr schnell, besonders agil oder haben wir doch gerne viel Verteidigung? Auch die zahlreichen Waffen lassen sich frei auswählen. Ein kurzes Erklärvideo zu den verschiedenen Waffen oder eine schnelle Testfahrt wären jedoch sehr nützlich gewesen. So müssen wir uns mit einem kurzen und ungenauen Satz zufriedengeben. Auch optisch sind unsere Fahrzeuge anpassbar. Leider sind auch hier die Möglichkeiten recht begrenzt und die spannenden Lackierungen kosten genau wie die verschiedenen Waffen unverschämt viele Credits.
Doch lieber Wipeout
Quelle: PC Games
Im Battle-Royal-inspirierten Storm-Modus müssen wir in der orange schimmernden Zone bleiben, sonst nehmen wir stetig Schaden.
Das Einzige, was wir nicht angesprochen haben, sind die Online-Matches. Das hat auch einen ganz einfachen Grund: gibt's nicht. Also eigentlich sollte es die schon geben, aber während dem Testen ist es uns nach mehrmaligen Versuchen nicht gelungen, auch nur einen Server oder Spieler zu finden. Und das, obwohl das Game ja erst im Oktober neu released wurde! Entweder ist Pacer als Online-Spiel höchst unbeliebt, oder die Server funktionieren schlicht nicht.
Pacer fühlt sich an, wie ein stabiles Skelett, dem es an Fleisch fehlt. Das Gameplay macht mittlerweile Spaß und am Inhalt wurde auch geschraubt. Leider ist das aber so lieblos geschehen, dass wir am Ende fast genauso viel zu bemängeln haben wie zu Early-Access-Zeiten. Pacer jetzt als fertig zu bezeichnen, ist schon fast unverschämt. Wenn wir dann mal einen Blick auf die Konkurrenz werfen, sehen wir, wie es richtig gemacht wird. Die Wipeout Omega Collection ist für Playstation-Besitzer die eindeutig bessere Variante. Mehr Inhalt, bessere Präsentation, kostet aber ähnlich viel Geld. Und PC-Spieler können auf Redout ausweichen.
Pacer ist auf Steam und auf der Playstation 4 erhältlich. Eine Version für die Xbox One soll seit Jahren schon kommen, ein Release-Datum ist aber noch nicht bekannt.
