Of Orcs and Men im Test für PS3 und Xbox 360: Erwachsene Story, atmosphärische Spielwelt

Test Sascha Lohmüller

Of Orcs and Men im Test für PS3 und Xbox 360: Während des Spielens haben wir uns mehrmals an Game of Thrones erinnert gefühlt. Auch dort sind die Rollenspielelemente eher Standardkost. Das Kampfsystem ist sogar zu 90 Prozent dasselbe. Dennoch: Wie auch bei Game of Thrones können wir über diese Schwächen hinwegsehen.

Of Orcs and Men im Test - Orcs sind grün, Orcs sind hässlich. Orcs sind fiese Monster, die kleine Kinder essen. Orcs grunzen wie riesige Schweine. Kurz: Orcs sind das personifizierte Böse. Ihr würdet das so unterschreiben? Dann dürfte euch die Story von Of Orcs and Men wie eine Perversion eures Fantasy-Weltbildes vorkommen. Hier schlüpft ihr nämlich in die Rolle einer solchen Grünhaut. Und die Welt, in der sie lebt, ist fernab jeglicher Fantasy-Klischees.

Die Orcs sind ein stolzes Kriegervolk, das von den herrschsüchtigen Menschen unterjocht und zum Schuften in Bergwerke gesteckt wird. Die wenigen Orcs, die noch in Freiheit leben und Widerstand leisten, werden von den Menschen belagert und wurden hinter einer großen Mauer aus dem Königreich ausgesperrt. Und zu allem Überfluss plant der böse Menschen-Imperator nun auch noch, die Zwerge und Elfen für seine Zwecke einzuspannen. Also wird der orcische Berserker Arkail - ihr - losgeschickt, um sich des Despoten zu entledigen. Auf diesem Himmelfahrtskommando wird er vom Goblin Styx unterstützt.

Zu zweit allein

Mit jedem Stufenaufstieg verbessert ihr ein Attribut und eine Fertigkeit. Richtige Talentbäume und dergleichen gibt es nicht. Quelle: Videogameszone.de Mit jedem Stufenaufstieg verbessert ihr ein Attribut und eine Fertigkeit. Richtige Talentbäume und dergleichen gibt es nicht. Eines vorneweg: Obwohl ihr zwischen Arkail und Styx hin- und herschalten könnt, bietet das Spiel keinen Koop-Modus. Schade, denn der hätte sich angeboten. Dafür kommt eine Portion Taktik ins Spiel. Die beiden ungleichen Grünhäute verfügen nämlich über höchst unterschiedliche Fähigkeiten. Arkail verkörpert den klassischen Krieger, Styx einen Dieb. Beide kommen mit zwei verschiedenen Angriffshaltungen daher: Arkail kann defensiv oder offensiv vorgehen, Styx zwischen Fern- und Nahkampf wählen. Alternativ verfügt Styx auch über einen Tarnmodus, in dem ihr einzelne Feinde ohne Kampf niedermeucheln könnt. Etwas unrealistisch (sofern man bei einem Fantasy-Spiel davon reden kann) ist, dass derartig beseitigte Gegner durch ihre Leichen keine vorbeikommenden Patrouillen alarmieren. Habt ihr euch dann für eine Vorgehensweise entschieden und es kommt zum Kampf, dürftet ihr euch als Erstes über das recht undynamische und passive Kampfsystem wundern. Aktiv zuzuschlagen, wie man es von actionorientierten Rollenspielen kennt, ist nicht möglich.

Stattdessen reiht ihr Angriffe und Fertigkeiten aneinander und wartet darauf, dass der jeweilige Charakter sie ausführt. Dazu legt ihr euch eure favorisierten Attacken entweder auf die beiden Trigger-Tasten oder ruft per Bumper-Taste ein Radialmenü auf, in dem ihr die nächsten Angriffe auswählt. Damit ihr euch auch ganz in Ruhe im Menü umschauen könnt, schaltet das Spiel derweil in einen Zeitlupenmodus. Der Vorteil dieses Kampfsystems: Es ist relativ übersichtlich und artet nie in Hektik aus. Der Nachteil: Es ist nicht sonderlich spannend anzuschauen. Falls euch derartige Gefechte bekannt vorkommen: Sie wurden fast eins zu eins aus dem ebenfalls von Cyanide entwickelten Game of Thrones-Rollenspiel übernommen, bieten aber immerhin ein wenig mehr Action und Abwechslung. Für etwas Dynamik sorgt zum Beispiel Arkails Wutmechanik: Steckt der dicke Orc Schaden ein, füllt sich eine Wutleiste. Sobald ebendieser rote Balken voll ist, verliert ihr die Kontrolle über Arkail, der im Gegenzug mehr Schaden austeilt.

Kassiert Arkail zu viel Schaden, verliert ihr die Kontrolle über ihn. Dann teilt er mehr Schaden aus - leider auch an Styx. Quelle: Videogameszone.de Kassiert Arkail zu viel Schaden, verliert ihr die Kontrolle über ihn. Dann teilt er mehr Schaden aus - leider auch an Styx. Allerdings macht er auch vor Styx nicht halt, weswegen ihr den Goblin aus der Schusslinie schaffen solltet. Die Technik von Of Orcs and Men hingegen ist deutlich besser als bei Game of Thrones - hübschere Texturen, bessere Sprecher, höherer Detailgrad. Sehr ärgerlich allerdings: In die Untertitel haben sich peinlich viele Grammatik- und Rechtschreibfehler eingeschlichen. Hier sollte Cyanide nachbessern, denn so etwas hat in einem fertigen Produkt nichts verloren. Klassische Rollenspiel-Elemente wie Charakterentwicklung und Item-Sammelei sind natürlich auch in Of Orcs and Men vorhanden, aber recht oberflächlich umgesetzt. Für erledigte Gegner erhaltet ihr Erfahrungspunkte, mit jedem Level-up steigert ihr eines von vier Attributen und verbessert eine aktive Fähigkeit. Talentbäume oder Ähnliches? Fehlanzeige. Nach rund zwei Dritteln des Spiels dürft ihr euren beiden Haudegen aber immerhin eine von zwei Spezialisierungen verpassen. Auch die Item-Spirale dreht sich sehr langsam. Während der gesamten, rund zwölf Stunden langen Story findet ihr für eure fünf Ausrüstungs-Slots vielleicht je ein halbes Dutzend Gegenstände. Diese Items lassen sich zwar noch einmal aufwerten, wirkliche Auswahl sieht trotzdem anders aus.


Leistungskurs Geschichte

Styx kann sich tarnen und einzelne Gegner erledigen. Wird er dabei erwischt, beginnt ein Kampf. Werden Leichen entdeckt, passiert nichts. Quelle: Videogameszone.de Styx kann sich tarnen und einzelne Gegner erledigen. Wird er dabei erwischt, beginnt ein Kampf. Werden Leichen entdeckt, passiert nichts. Warum Of Orcs and Men trotz passiven Kampfgeschehens, schlauchiger Levels und übersichtlicher Rollenspieltiefe dennoch einen Blick wert ist? Der Story wegen. Klassische Fantasy-Schwarz- Weiß-Malerei sucht ihr hier vergebens. Die Menschen sind machthungrige, rassistische Sklaventreiber, Goblins wilde, dumme Monster, Orcs zwar ehrenhafte, aber dennoch blutrünstige und jähzornige Kriegsbestien. Selbst Arkail und Styx, eure beiden Helden, haben eine düstere Vergangenheit und treffen moralisch fragwürdige Entscheidungen. Man nimmt es ihnen ab, dass sie in dieser von Krieg und Armut zerrütteten Welt nur noch ihrem eigenen Moralkodex folgen und keine Rücksicht mehr auf Verluste nehmen. Die Himmelfahrtskommando-Story überrascht zudem mit zahlreichen Wendungen - ein Verrat folgt auf den nächsten - und fesselt gleich von S der ersten Minute an. In den Dialogen der beiden Protagonisten wird zur Auflockerung der eine oder andere witzige Spruch eingestreut. Arkail und Styx sind sich nämlich nicht sonderlich (Achtung, Wortwitz) grün. Das sorgt für die nötige Kurzweil und lässt über die Mängel bei Kampfsystem und Rollenspieltiefe hinwegsehen.

Bildergalerie

Wertung zu Of Orcs and Men (X360)

Wertung:

74 /10
Pro & Contra
Gute, erwachsene StoryNette taktische MöglichkeitenAtmosphärische, zynische Spielwelt
Recht passives KampfsystemRollenspielelemente nicht sehr tiefgreifend
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