No More Heroes

Test Sebastian Stange

No More Heroes (Wii), Bild: N-ZONE, Release: 14. März 2008 Quelle: Bild: N-ZONE No More Heroes (Wii), Bild: N-ZONE, Release: 14. März 2008 Es gibt Spiele, die sind einfach anders. Sie lassen sich nur schwer in gewohnte Genres pressen, weil sie einfach auf eine völlig neue Art und Weise funktionieren. Killer 7 für den GameCube war so ein Spiel. Visuell wurde da ein absolut abgefahrener Trip mitsamt einer bizarren Story serviert - ein Kunstwerk. Doch spielerisch war der Titel so simpel wie Knäckebrot. War er deswegen schlecht? Mitnichten! Gilt dieses Urteil nun auch für No More Heroes, den neuesten Streich des kreativ-verrückten Designers Goichi Suda?

DER KILLER-KILLER
Auf den ersten Blick ist das Wii-Abenteuer beeindruckend: Die Optik wirkt zwar sehr pixelig - und das wird im weiteren Spielverlauf nicht besser - und die Umgebungen lassen Detailreichtum vermissen, doch der Stil passt wie die Faust aufs Auge. Alles ist in einem extremen Cel-Shading-Look gehalten, der das Spiel zuweilen wie ein bewegtes Graffiti wirken lässt. Außerdem ist Travis Touchdown, der Held der Story, herrlich arrogant und trottelig. Und er ist ein Gamer! Der junge Bursche ersteigert eines Tages ein Strahlenschwert und lernt außerdem die mysteriöse und unglaublich attraktive Sylvia kennen. Klar, dass da Travis' Hormone verrückt spielen und er sie beeindrucken will. Wie praktisch, dass sie ihm ein Attentat nahelegt, das der hoffnungsvolle Antiheld prompt erledigt. Wie sich herausstellt, war sein Opfer die Nummer 11 der US-Killer-Rangliste. Diese Erkenntnis lässt Travis einen herrlich unvernünftigen Plan schmieden: Er will die Nummer 1 werden! Er braucht ja "nur" die zehn Berufsmörder auf den Plätzen über ihm zu erledigen und dann wird Sylvia ihm gehören. Klare Sache! Also los, Zeit, ein paar Killer zu töten.

HERBE PATZER
No More Heroes (Wii), Bild: N-ZONE, Release: 14. März 2008 Quelle: Bild: N-ZONE No More Heroes (Wii), Bild: N-ZONE, Release: 14. März 2008 Was "Suda 51" hier serviert, ist alles andere als Standardkost. Vielmehr gestaltet sich die Story als wilder Ritt durch ein völlig absurdes Abenteuer. Travis' großkotzige Art, schrille E-Gitarrenriffs, maßlos übertriebene Action-Einlagen, haufenweise Retrospiel-Anleihen, der stylishe Look und die kuriosen Bossgegner machen den Titel einzigartig. Doch leider gibt es auch einige herbe Design-Schwächen. Da wäre beispielsweise die Stadt Santa Destroy, die Travis mit seinem Raketenmotorrad frei befahren kann. Eigentlich eine nette Idee, die auf Freiheit und Abwechslung à la GTA hoffen lässt, doch die Umgebung ist recht leer, optisch trist und bietet nur eine Handvoll verschiedener Aktivitäten. Auch das Motorrad lässt sich nur mit Übung und den richtigen Gesten gut steuern, die Kollisionsabfrage des Bikes kommt jedoch direkt aus der Videospiel-Hölle. Die Kämpfe sind monoton und simpel, zumindest wenn ihr die vielen "normalen" Mordaufträge ausführt, um euch den Zugang zum nächsten Killer-Duell zu verdienen. Außerdem läuft das Spiel zuweilen etwas ruckelig und obendrein sind einige der Nebenjobs fast schon eine Frechheit - da ist ja Pong noch komplexer!

LEIDET MIT TRAVIS
No More Heroes (Wii), Bild: N-ZONE, Release: 14. März 2008 Quelle: Bild: N-ZONE No More Heroes (Wii), Bild: N-ZONE, Release: 14. März 2008 Dennoch oder vielleicht sogar wegen dieser Schwächen ist No More Heroes liebenswert, denn man merkt dem Spiel an, dass einige dieser kleinen Spaßbremsen ganz bewusst nerven. Es geht hier um Stil und Atmosphäre und die hat der Titel - beispielsweise wenn ihr bei einem monotonen Job Autos durch Drücken der B-Taste betankt. In dem Moment ist auch Travis völlig angeödet, wieso sollt ihr also Spaß haben? Das ist gewagt, funktioniert aber erstaunlich gut. Genauso könnt ihr beim routinemäßigen Erledigen diverser Nebenaufgaben Travis' Ungeduld nachfühlen, der eigentlich schnellstmöglich Nummer 1 werden und mit Sylvia in die Kiste steigen will.

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