Den Tränen nahe - Neva trifft mitten ins Herz und macht trotzdem Spaß
Special
Wenn Devolver ein emotionales Spiel bringt, dann aber richtig. Nach Gris kommt von den gleichen Entwicklern nun Neva, das mit einem Kampfsystem trotzdem sehr viel mehr Action bereithält. Wie das funktioniert, klären wir in unserer Vorschau.
Sind Videospiele Kunst? Sind sie reine Unterhaltung? Oder ist die Frage ohnehin komplett überholt? Das muss jeder für sich selbst klären, denn diese Grundsatzdiskussion hat kein Richtig oder Falsch.
Doch wie man auch zum Zocken steht: Bei einigen Spielen sind wir uns alle einig, dass es sich bei ihnen um Meisterwerke handelt. Zu diesen Gamer-Lieblingen gehören Schätze wie Journey und Limbo, die auch ohne Worte viel zu sagen haben.
In die gleiche Kerbe schlägt Gris, das von der Trauer über den Tod eines geliebten Menschen erzählt. Das Wechselspiel aus Bild, Animation, Ton und Gameplay schickt uns auf eine emotionale Reise und lässt uns erstaunt zurück.
Nun kommt ein neues Spiel der Gris-Entwickler, das eine Weiterentwicklung der Formel darstellt, ohne aber eine Fortsetzung zu sein. Neva (jetzt kaufen ) redet zwar auch über den Tod, aber eigentlich geht es um ein ganz anderes, ähnlich abstraktes Thema: das Elternsein.
Wir konnten in den Sidescroller reinspielen, in dem die Handschrift von Entwickler Nomada und die Parallelen zu Gris deutlich erkennbar sind. Der Artstyle ist ähnlich, die Steuerung geht gleichermaßen flüssig von der Hand und manche Rätsel und Bausteine erinnern an das erste Spiel des Studios. Vor allem holt uns Neva aber auf emotionaler Ebene wieder ab.
Quelle: Devolver Digital / Nomada
Mehr Gameplay, weniger Emotion?
Das Studio drückt uns diesmal eine Waffe in die Hand, mit der wir uns aktiv verteidigen müssen. Das verändert grundlegend, wie sich das Spiel anfühlt und verleiht dem Spiel im Vergleich zu seinem geistigen Vorgänger einen eigenen Charakter. Wo Gris mehr Erlebnis als Spiel ist, bewegt sich Neva auf dem Spektrum weiter in Richtung klassisches Videospiel.
Dass es dementsprechend actionreicher zugeht, merken wir von Anfang an. Bereits in der Intro-Szene kommt es zum Kampf, in dem unser Begleiter-Wolf dahinscheidet. Er hinterlässt einen Welpen, den wir den Rest des Spiels aufwachsen sehen, während wir das namenlose Übel bekämpfen, das als schwarze Masse die Welt um sich herum korrumpiert.
Quelle: Devolver Digital / Nomada
Das Spiel ist laut den Entwicklern in vier Kapitel gegliedert, die jeweils eine Jahreszeit darstellen. Im ersten Teil ist unser Wolfsjunges schutzbedürftig und ein bisschen tollpatschig. Die kleine Wölfin namens Neva läuft uns die meiste Zeit brav hinterher, lässt sich aber hin und wieder von Dingen in der Umwelt ablenken. Das drückt sich in zuckersüßen Animationen aus, die wir nur zu gerne beobachten. Um sie zum Weitergehen zu bewegen, können wir sie bei ihrem Namen rufen, worauf sie im Regelfall hört, wenn sie nicht stattdessen vorrennt, um etwas noch viel Spannenderes zu erkunden.
Übrigens heißt Neva auf Katalanisch so viel wie "es schneit", das bezieht sich auf das weiße Fell der Wölfin und die katalanischen Wurzeln des Entwicklerstudios Nomada.
Quelle: Devolver Digital / Nomada
Emotionaler Tiefgang
Wie gut das Spiel bereits am Anfang den elterlichen Beschützerinstinkt weckt, haben wir in den allerersten Kampfsequenzen gemerkt. Schwarze, langgliedrige Hände steigen aus dem Boden und versperren uns den Weg. Die erst einmal nur nervigen Hindernisse entwickeln sich schnell zu unserer Nemesis, als die gleichen Hände das erste Mal unseren Schützling greifen, um ihn von den Pfoten zu heben. Einfach nur zu sagen, dass wir uns beeilt haben, um Neva aus den fiesen Griffeln zu befreien, wäre untertrieben - wütend haben wir uns durch das Ungemach gehäckselt, um den kleinen, weißen Flauschball wieder an unserer Seite zu wissen.
