Need for Speed: Payback - müde Fortsetzung mit miesen Mikrotransaktionen
Test
Review zu Need for Peed: Payback. Gutes Geschwindigkeitsgefühl und schöne Technik treffen auf nervige Lootboxen, Grinding und Co. Need for Speed hat ein Identitätsproblem. In unserem Test zum neuesten Teil der althergebrachten Rennspiel-Serie klären wir darüber auf, warum der Open-World-Racer mit der aktuellen Genre-Konkurrenz nicht mithalten kann.
Es gab mal eine Zeit, da galt Need for Speed als das Nonplusultra für Fans von unkompliziertem Arcade-Rennspaß. Stolze 23 Jahre nach dem ersten Teil, unzählige Entwicklerwechsel, Neuausrichtungen, Reboots und qualitativ mangelhafte Ableger später und in einer Marktsituation, in der Racing-Liebhaber aus einer schier unendlichen Fülle an hochqualitativen Genre-Vertretern auswählen können, ist das nicht mehr der Fall. Nachdem die aktuellen Entwickler von Ghost Games aber mit dem schlicht Need for Speed bezeichneten Wieder-Einmal-Reboot von 2015 die Serie zumindest in die richtige Richtung bugsierten - unkomplizierter Fahrspaß, Tuning im Mittelpunkt -, legen sie diesmal qualitativ den Rückwärtsgang ein und schicken die Serie zurück in den Genre-Mittelmaß.
In diesem Artikel
Realos müssen draußen bleiben
Quelle: EA
Need for Speed: Payback im test!
Doch zuerst zum Positiven: Die furchbaren realen Zwischensequenzen aus dem Vorgänger sind Geschichte. Stattdessen wird die Geschichte nun ganz klassisch mit in Ingame-Grafik präsentierten Videos vorangetrieben. Der Fremdschäm-Faktor der Erzählung fällt dadurch deutlich geringer aus - gut ist die Handlung aber dennoch keineswegs. Sie dreht sich um drei illegale Street Racer und Autodiebe, die in einer von Las Vegas und Umgebung inspirierten Welt ihr Unwesen treiben. Es kommt, wie das Klischee es verlangt - und die drei geraten in Schwierigkeiten. Am Boden angekommen, wollen sie sich wieder zu den Königen der Straße hocharbeiten und der fiesen Organisation "The House", die für ihre verfahrene Situation verantwortlich ist, das Handwerk legen. Viel mehr gibt es nicht zu wissen, die extrem flache Story dient ja ohnehin nur als Aufhänger für viele Autos, Explosionen und Auffahrunfälle. Das passt schon so. Allerdings: Gar so miserable deutsche Sprecher hätte man trotzdem nicht ans Mikro lassen müssen. Die tragen zwar auch keine Schuld an den völlig hanebüchenen Dialogen, machen die Sache definitiv aber auch nicht besser. Außerdem hilft es der blassen Geschichte nicht, dass die drei Protagonisten nicht nur ebenso blass sind, sondern allesamt sehr unsympathisch und gewollt cool rüberkommen.
Quelle: Computec Media GmbH
Die Action in Need for Speed: Payback ist gut inszeniert, aber nur selten interaktiv.
Die leeren Straßen der Stadt
Quelle: Computec Media GmbH
Die Story ist so belanglos, wie man es von Rennspielen gewohnt ist.
Qualitativ hochwertiger umgesetzt wurde da schon die offene Spielwelt namens Fortune Valley. Die "größte Spielwelt der Seriengeschichte" ist es laut Auskunft der Entwickler, dankenswerterweise aber nicht riesig um des Superlativs Willen. Stattdessen ist sie genau weitläufig genug, dass die Fahrten sich nicht langweilig anfühlen - und thematisch kommt sie schön abwechslungsreich daher. Eine von Hochhäusern bestimmte Stadt trifft auf ruhige Vororte, bergige Gebiete und ländliche Gebiete - fein! An der guten Atmosphäre nagen aber zwei Einschränkungen: Einerseits ist die Welt sehr strikt abgesteckt. Damit meinen wir nicht die Außengrenzen, sondern große Gebiete im Inneren, die nur scheinbar Teil der Map sind, in Wahrheit aber reine Kulisse. Oft genug ist die Welt abseits der Straße kaum oder gar nicht erkundbar. Andererseits wirkt sie sehr leblos.
NPCs gibt es überhaupt keine und auch Autos, also Teilnehmer am normalen Straßenverkehr, sind Mangelware. Sogar in den inneren Stadtbezirken herrscht bis auf eine Handvoll verstreuter Wagen tote Hose. Das mag der Performance zugutekommen - Payback sieht ganz gut aus, läuft sehr flüssig und das Geschwindigkeitsgefühl kommt gut rüber - sorgt aber dafür, dass Fortune Valley teilweise wie eine schöne aber leblose Kulisse wirkt.
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Die Offroad-Rennen gehören mit zu den spaßigsten Herausforderungen im Spiel.
Sammeln und Suchen
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Die Rennen gegen andere Fahrer entpuppen sich als die größten Herausforderungen in Payback.
Zu tun gibt es aber trotzdem genug auf der Map. Neben klassischen Rennvarianten - dazu gleich mehr -, die uns sowohl in Haupt- als auch Nebenmissionen erwarten, gilt es unter anderem Tokens zu sammeln, Werbeschilder mittels Sprungrampen zu durchbrechen und spezielle Mini-Herausforderungen zu absolvieren, die wir aktivieren, indem wir einfach durch einen leuchtenden Bogen auf der Straße fahren. Dann müssen wir etwa über einen bestimmten Zeitraum ein gewisses Tempo halten, eine vorgegebene Geschwindigkeit erreichen, eine Sprungdistanz auf einer Rampe schlagen oder eine Reihe von guten Drifts hinlegen. Ja, das kennt man alles bereits aus anderen Rennspielen, sowohl die Collectibles als auch die Mini-Aufgaben, und in Sachen Kreativität wurde nicht gerade auf den Putz gehauen. Aber immerhin machen die Herausforderungen und Sammeleien Laune.
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Die Drag-Rennen stellen, wie so oft in Rennspielen, das spaßtechische Schlusslicht dar.
Deutlich interessanter gestaltet sich aber die Suche nach den Derelicts, legendären Autos, die ihre beste Zeit bereits hinter sich haben und als Wrackteile über die Map verstreut liegen. Gewinnen wir bestimmte Rennen, so erhalten wir einen Hinweis auf den Fundort eines solchen Wagens und anschließend Tipps dazu, wo sich die jeweils vier restlichen Teile befinden. Die Suche gefällt, einerseits, weil man die Map und die Hinweisbilder abgleichen muss und das überraschend viel Spaß macht, andererseits, weil stets beeindruckende Sprünge an scheinbar unerreichbare Orte notwendig sind, um an die Parts zu gelangen. Und die Autos selbst zu besitzen und anschließend verbessern zu können, ist natürlich auch fein.
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Bezüglich des thematischen Abwechslungsreichtums kann sich die Spielwelt durchaus sehen lassen.
Autos für jeden Geschmack
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DIe Polizei-Verfolgungsjagten kommen vollständig gescriptet daher und erfordern keinerlei Improvisationstalent.
Apropos Autos: Derer existieren knapp 80 im Spiel, und die Auswahl ist gut gelungen. Neben absoluten Luxuskarossen finden sich hier auch spannende Mittelklassewagen, die mit entsprechendem Tuning auch gegen stärkere Exemplare bestehen können. Allerdings: Nicht jedes Auto ist für jedes Rennen geeignet. Während wir mit einem beliebigen Wagen die Spielwelt befahren können, sobald wir ihn freigeschaltet, gekauft und unserer (platzmäßig sehr beschränkten) virtuellen Garage hinzugefügt haben, sind zu den fünf verschiedenen Rennklassen auch nur entsprechend eingestufte Autos zugelassen. Insgesamt gibt es fünf Autoklassen: Racer, Runner, Drag, Drift und Offroad. Die Racer-, Runner- und Offroad-Rennen machen durchaus Spaß und lassen uns in Checkpoint- und in Rennen gegen andere Teilnehmer antreten, Drag und Drift hingegen machen nur bedingt Spaß, was bei Drag an der für die Rennart üblichen Minimalsteuerung und bei Drift an der schwammigen Kontrolle der Autos liegt. Prinzipiell aber steuern sich die Fahrzeuge in Payback sehr Arcade-lastig, aber durchaus anständig und es ist schön, dass Tuning-Verbesserungen tatsächlich eine Auswirkung auf das Fahrverhalten haben.
Kein Polizeistaat
Quelle: Computec Media GmbH
Die Suche nach den Derelicts ist die launigste Sammelaufgabe im Spiel.
Gut inszeniert, aber im Kern sehr unspektakulär kommen die Hauptmissionen daher, welche die Story vorantreiben - paradoxerweise genau deswegen, weil sie sehr spektakulär inszeniert sind. In diesen wird uns nämlich ständig im wahrsten Sinne des Wortes das Lenkrad aus der Hand genommen und wir können nur zuschauen, wenn unsere Protagonisten zum Beispiel einen zig Meter weiten Sprung über einen Abgrund ausführen, anstatt ihn selbst umzusetzen. Klar, dadurch können verschiedene Kamerawinkel gezeigt werden und alles ist perfekt choreographiert, allerdings fühlt man sich ganz gewaltig veralbert, wenn die coolste Action nur in Zwischensequenzen abläuft. Dazu passend sind auch die dynamischen Polizei-Verfolgungsjagden aus älteren Need for Speed-Ablegern Geschichte. Tatsächlich erwarten uns in der Spielwelt selbst diesmal überhaupt keine Gesetzeshüter. Stattdessen dürfen wir nur in fest vorgegebenen Momenten in ausgewählten Rennen sowie in Spezialmissionen gegen diese antreten und anstatt ihnen durch geschicktes Fahren entkommen zu müssen, gilt es einfach, einen Punkt zu erreichen, nach dem die Polizeiautos - Script sei Dank - automatisch verschwinden. Im Grunde handelt es sich bei den Verfolgungsjagden also schlicht um Checkpoint-Rennen.
