Im zweiten Teil unseres Metroid-Rankings starten wir mit einem ungewöhnlichen Serienableger, bevor wir uns auf zwei Kultspiele stürzen... plus Geheimtipp!
Platz 12
Metroid Prime Hunters
2006 | Nintendo DS
Metroid Prime: Hunters ist in mehrfacher Hinsicht ein bemerkenswertes Spiel. Es ist nämlich schon zwei Jahre vor seinem eigentlichen Release spielbar, wenn auch zunächst nur als eingeschränkte Mehrspieler-Demo. Trotzdem ist die frühe Schnupperfassung wichtig für Nintendo! Denn die soll vor allem das Potenzial des Nintendo DS unter Beweis stellen. Flüssig spielbare Deathmatch-Duelle auf dem kleinen Handheld mit seinem innovativem Doppelbildschirm? Inklusive unkomplizierter Spielersuche und Chat-Funktion? Und dank Stift-Eingabe obendrein noch eine halbwegs präzise Steuerung? Das alles führt die Mehrspieler-Demo von Metroid Prime Hunters tatsächlich eindrucksvoll vor.
Doch das Entwicklerteam von Nintendo Software Technology feilt nebenbei auch noch an einem Einzelspielermodus, der hohe Erwartungen weckt. Viele Fans träumen von einem brandneuen, vollwertigen Metroid Prime für unterwegs, eben so wie man es von den Retro Studios gewohnt war. Doch beim Release im Jahr 2006 zeigt sich: Metroid Prime: Hunters sieht zwar so aus wie seine großen GameCube-Vorgänger, spielt sich aber ganz anders. Hier gibt's nämlich kein ausgewachsenes Action-Adventure mit anspruchsvollem Leveldesign, tollen Upgrades und Unmengen an Secrets.
Quelle: Nintendo
Metroid Prime Hunters (Nintendo DS, 2006)
Stattdessen: ein deutlich abgespecktes Erlebnis, das sich eher wie ein klassischer Ego-Shooter mit einfallslosen Gegnern präsentiert. Zwar gibt es auch typische Elemente wie kleine Puzzles, Morph-Ball-Einlagen und ein wenig Erkundung, sogar die Atmosphäre ist streckenweise richtig gelungen. Doch der lineare Spielablauf und die müden Upgrades lassen viel von dem Flair vermissen, das die Metroid-Serie auszeichnet. Die frisch eingeführten Kopfgeldjäger - darunter Sylux - erweitern zwar ein wenig die Lore, kommen aber hauptsächlich im Mehrspielermodus zum Einsatz, auf dem schließlich auch der Schwerpunkt des Spiels liegt. Schon allein deshalb gilt Hunters bis heute als einer der schwächeren Vertreter der Metroid-Serie, obwohl das Spiel überwiegend gute Kritiken erhält und eine ganze Menge Fans findet.
Metroid Prime Hunters
Platz 11
Metroid
1986 | NES
Zeit für einen echten Klassiker! Das erste Metroid erscheint 1986 für das Nintendo Entertainment System (NES) - und bringt schon im ersten Anlauf die wichtigsten Zutaten mit, die sich bis heute durch die gesamte Serie ziehen. Samus erkundet den Planeten Zebes auf eigene Faust, kämpft gegen Aliens, Maschinenviecher und Weltraumpiraten, sammelt Upgrades, erkundet neue Bereiche der Spielwelt und schlägt sich so bis zum Endboss Mother Brain durch.
Nintendo gelingt es damit aus dem Stand, das Konzept eines Sidescrollers mit der nichtlinearen Erkundung eines The Legend of Zelda zu kombinieren - alles hübsch eingebettet in ein erwachseneres Sci-Fi-Setting voller feindseliger Aliens. Und damit trifft Nintendo den richtigen Nerv, das Spiel entwickelt sich zum Hit.
Quelle: Nintendo
Metroid (NES, 1986)
Typisch für die NES-Ära ist der Schwierigkeitsgrad allerdings noch ziemlich gesalzen, zumal es noch keine Übersichtskarte gibt. Wer sich in den Gebieten Brinstar, Norfair oder Tourian also nicht nach Strich und Faden verlaufen will, sollte schon einen guten Orientierungssinn mitbringen - oder besser gleich einen Guide, denn in Metroid müsst ihr immer wieder Blöcke in der Umgebung wegsprengen, um weiterzukommen. Die Suche danach gestaltet sich aus heutiger Sicht ganz schön mühsam.
Während Samus mutterseelenallein das Levellabyrinth erkundet, stolpert sie über zig ikonische Ausrüstungsgegenstände: High Jump, Varia Suit, Ice Beam, Wave Beam sowie Raketen und Energy Tanks feiern bereits ihren Einstand. Eine Speicherfunktion gibt es allerdings nur im japanischen Original, in den US- und EU-Versionen kommt stattdessen ein Passwort-System zum Einsatz. Das ist zwar umständlich, aber immer noch besser als nichts.
Metroid
Aber nicht nur mit seinem Spielprinzip sorgt Metroid für Aufsehen. Auch die Tatsache, dass sich unter Samus Arans markantem Hightech-Anzug eine Frau verbirgt, ist im Jahr 1986 alles andere als selbstverständlich! Natürlich gibt es zu der Zeit schon ein paar andere Spiele mit weiblichen Hauptfiguren. Doch Metroid ist tatsächlich eines der ersten großen Mainstream-Spiele, das eine Frau als coole Actionheldin in den Mittelpunkt rückt.
Doch so genial das alles damals auch war: Aus heutiger Sicht ist das Spiel nur noch für beinharte Metroid-Fans und eingefleischte Nostalgiker interessant. Eine träge Steuerung, triste 8-Bit-Grafik und ödes Leveldesign locken heute jedenfalls niemanden mehr hinter dem Ofen hervor. Gleichzeitig ist das erste Metroid aber auch ein gewaltiges Stück Spielgeschichte, dem wir verdammt viel zu verdanken haben (unter anderem diese Liste!). Wer es nachholen will: Das Spiel gibt's als emulierte NES-Software im Nintendo eShop für Switch und Switch 2 - und da kann man netterweise auch jederzeit einen Spielstand anlegen, das macht das Erlebnis deutlich angenehmer. Alles, was ich dafür braucht, ist eine (kostenpflichtige) Online-Mitgliedschaft.
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Platz 10
Metroid 2: Return of Samus
1991 | Game Boy
Fünf Jahre nach Samus Arans erstem Auftritt kehrt die Kopfgeldjägerin zurück, diesmal auf dem Game Boy. Doch anstatt sich auf alten Lorbeeren auszuruhen, denken die Entwickler von Nintendo R&D1 das Konzept mutig weiter. Diesmal geht es für Samus auf den Planeten SR388, die karge Heimatwelt der Metroids. Dort soll sie die aggressiven Biester ein für alle Mal ausradieren - und das ist nicht nur ein loser Story-Aufhänger für die Packungsrückseite, sondern zieht sich tatsächlich wie ein roter Faden durchs Gameplay. Eine Anzeige verrät zum Beispiel jederzeit, wie viele Metroids sich noch in dem Planetenlabyrinth herumtreiben. Anders als im Vorgängerspiel sind bestimmte Bereiche der Spielwelt aber zunächst durch Lava blockiert. Erst wenn man eine gewisse Menge an Metroids besiegt hat, gibt's ein Erdbeben, die Lava fließt ab und Samus kann tiefer in die Spielwelt hinabsteigen.
Die Entwickler legen auch bei den Basics spürbar nach. Samus kann sich nun zum Beispiel hinknien und im Sprung nach unten feuern, was die Action deutlich aufwertet. Außerdem erleben wir hier erstmals so wichtige Upgrades wie den Space Jump, den Spazer Beam oder den Spider Ball, mit dem Samus an Wänden und Decken entlangrollen kann. Eine Speicherfunktion sorgt zusätzlich für Spielkomfort.
Quelle: Nintendo
Metroid 2: Return of Samus (Game Boy, 1991)
Und auch beim Design geht's kräftig vorwärts: Im ersten Metroid wurde die Varia Suit nur mit einer anderen Farbe dargestellt, doch das ist auf dem Game Boy mit seinem Graustufen-Display natürlich nicht möglich. Darum denken sich die Entwickler ein neues Rüstungsdesign für Samus aus, diesmal mit breiten Schulterelementen und dunkleren Rüstungsplatten - und so ist Samus' ikonischer Look geboren, den sie bis heute noch hat!
Auch für seine Bosskämpfe wählt Metroid 2 einen anderen Weg. Anstatt einfach x-beliebige Bosse wie Ridley oder Kraid aufzuwärmen, gibt's diesmal verschiedene Evolutionsstufen der Metroids, die zunehmend größer und stärker werden. Im Finale steht man dann der Metroid-Königin gegenüber. Die kann man entweder mit Unmengen an Raketen plattmachen oder man wendet einen Trick an, hüpft in ihr Maul und zündet in ihren Eingeweiden ein paar Bomben. Für ein Game-Boy-Spiel ziemlich cool!
Metroid 2: Return of Samus
Doch der denkwürdigste Moment folgt erst danach: Auf ihrem Weg zurück an die Planetenoberfläche stolpert Samus über ein Ei, aus dem ein Baby-Metroid schlüpft - ein Schlüsselmoment in der Metroid-Geschichte, der den Weg zu den nächsten Teilen ebnet.
Kritik gibt's für den mageren Sound: Das Spiel bietet nur wenige Musikstücke, die den Namen verdienen, oft wird das Geschehen nur von anstrengendem Piepsen untermalt. Das schadet der Atmosphäre. Grafisch zeigt sich ein geteiltes Bild: Zwar punktet Metroid 2 mit deutlich größeren, detailreicheren Sprites als sein Vorgänger, doch dadurch leidet auch die Übersicht auf dem kleinen Game-Boy-Display. Da hilft es auch nicht, dass sich viele Umgebungen in der erstaunlich großen Spielwelt sehr ähnlich sehen und die Laufwege ganz schön lang sind. Sich zu verlaufen, ist da fast vorprogrammiert, zumal es immer noch keine Kartenfunktion gibt.
Lese-Tipp: Metroid 2 im Retro-Special
Metroid 2: Return of Samus erntet trotzdem gute Kritiken und verkauft sich über die Jahre hervorragend. Sein stolzes Alter merkt man ihm aber deutlich an, das Spiel ist heute nur noch für beinharte Fans und eingefleischte Game-Boy-Connaisseure genießbar. Falls ihr euch zu einer dieser Zielgruppen zählt: Auf der Switch könnt ihr den Klassiker problemlos nachholen. Alle anderen haben dafür zwei erstklassige Alternativen - und eine davon gibt's sogar komplett gratis. Einfach weiterlesen!
Geheimtipp
AM2R: Another Metroid 2 Remake
2016 | PC
Ihr findet, Fan-Games haben in einem Ranking offizieller Nintendo-Titel nix verloren? Sehen wir auch so ... normalerweise! Doch wenn es ein Spiel gibt, das eine Ausnahme dieser Regel rechtfertigt, dann ist es Another Metroid 2 Remake, kurz: AM2R.
Quelle: PC Games
AMR2: Another Metroid 2 Remake (PC, 2016)
Das inoffizielle Fan-Remake erscheint nach fast zehnjähriger Arbeit (!) im Jahr 2016 - also zur gleichen Zeit, in der Nintendo viele Fans so bitter enttäuscht hat (siehe Platz 15). AM2R dagegen trifft den Nagel auf den Kopf, denn obwohl es ausschließlich von ein paar Fans entwickelt wird, spielt es qualitativ locker im Spitzenfeld mit.
AM2R ist ein vollwertiges Remake von Metroid 2, vergleichbar mit Zero Mission für das erste Metroid. Euch erwartet also der gleiche Spielaufbau wie im Game-Boy-Original, inklusive der Jagd auf verschiedene Metroid-Varianten. Doch das Remake liefert auch zig neue Inhalte, darunter frische, erweiterte Levelbereiche und Überraschungen für SR388.
AM2R: Another Metroid 2 Remake
Außerdem gibt's zusätzliche Bosskämpfe, deutlich mehr Secrets und jede Menge Upgrades, die wir aus späteren Metroid-Spielen kennen. Es gibt so viel mehr zu tun, zu sammeln und zu entdecken! Die Sorgfalt der Entwickler spürt man dabei in jedem Pixel: Angefangen bei der wunderschönen Retro-Optik im GBA-Stil über die punktgenaue Steuerung bis hin zum durchdachten Leveldesign - hier wurde nahezu alles richtig gemacht.
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Eine klassische Karte wie in späteren 2D-Metroids erleichtert die Navigation enorm. Eine weitere coole Neuerung ist das automatische Logbuch, das viele Infos zur Spielwelt, zu den Gegnern, Technologien und mehr umfasst - wer mag, kann also deutlich tiefer in die Geschichte eintauchen, wird aber nie dazu gezwungen.
Da es sich um ein inoffizielles Fan-Projekt handelt, wird AM2R ausschließlich für den PC entwickelt. Kurz nach seinem Release geht Nintendo jedoch rechtlich gegen das Projekt vor, offizielle Download-Quellen gibt es darum nicht. (Wer im Netz die Augen offenhält, findet aber sichere Seiten.) Außerdem dürfen die Original-Entwickler nicht länger an dem Spiel arbeiten. Allerdings haben sich seitdem andere Fans eingeschaltet und stricken weiter Patches, Verbesserungen und neue Inhalte für AM2R.
Nicht, dass es die wirklich gebraucht hätte, schon das Original von 2016 war schließlich ein ausgezeichnetes Fan-Game. Aber es zeigt, wie hoch es in der Gunst der Metroid-Community steht - und warum wirklich jeder Fan einen Blick darauf werfen sollte.
Tipp: Hier geht's zu unserem großen Test von AM2R: Another Metroid 2 Remake
Nachdem wir uns hier ausführlich zwei Klassikern und einem genialen Fan-Game gewidmet haben, geht es auf der nächsten Seite weiter mit unserem großen Ranking. Wir sind nun endgültig in der Oberklasse angekommen, das bedeutet: Es wird Zeit für ein paar Top-Titel! Es geht weiter mit den Plätzen 9 bis 7 der Metroid-Serie.
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