"Mann, wäre ich doch heute im Bett geblieben.
Vorsichtiges Vorgehen
Ausführlicheres Umsehen und Beobachten der Räume ist in The Twin Snakes viel wichtiger geworden. In diesem Punkt haben die Entwickler ein Gameplay-Element aus Metal Gear Solid 2: Sons of Liberty übernommen. Steht man an einer Ecke und presst sich an die Wand, linst Solid Snake mithilfe der Schultertasten (L für die linke, R für die rechte Seite) in den anschließenden Gang. Zusätzlich dazu lässt sich mit dem C-Stick die Kamera nachjustieren. Hat man eine Patrouille erspäht, kann man sogar, sofern man seine Waffe im Anschlag hat, schnell hervorspringen und einen Schuss abgeben. Die Zielhilfe tut dabei sehr gute Dienste. Wer ein besonders ordentlicher Geheimagent ist, lässt seine erledigten Widersacher auch nicht überall liegen; es könnte ja jemand drüber stolpern und sich etwas brechen. Praktischerweise sind im Spiel überall Schränke und andere Stauräume verteilt, die Solid Snake dafür benutzen kann. Man möchte generell gern im Verborgenen bleiben, um keinen Alarm auszulösen. Sollte das dennoch einmal passieren, wird das Radar in der rechten oberen Bildschirmecke vorübergehend unbrauchbar. Dann sucht ein Verstärkungstrupp nach dem Grund für den Alarm, dies geschieht in drei Phasen mit abnehmender Gründlichkeit. Gerade in solchen Situationen bevorstehender Entlarvung erlebt man als Spieler des Öfteren einen deftigen Adrenalinschub. In Kämpfen mit besonders schweren Gegnern ist der Einsatz von Waffen unabdingbar. Hierzu stehen Solid diverse Bleispritzen zur Verfügung, zum Beispiel die neu hinzugekommene Betäubungspistole oder ein Stinger-Raketenwerfer.
Gut, aber nicht überragend
Die Technik der Neuauflage ist gut gelungen, wenngleich man auch sagen muss, dass es auf dem GameCube schon hübschere Spiele zu bewundern gab. Durchweg genial sind die Charaktermodelle, die mit tollen Animationen und vielen Details das grafische Highlight darstellen. Wenn Solid zum Beispiel einen Gang entlangrennt, bewegen sich am Gürtel befestig-te Utensilien ordentlich mit. Betrachtet man hingegen die Umgebungen genauer, offenbaren sich teilweise matschige Texturen. Beispiel: Nachdem in einer Zwischensequenz einige Soldaten gegen eine Wand geschleudert wurden, hinterlassen sie dort eine Mulde, die allerdings als zweidimensiona-le Textur dargestellt wird. An anderer Stelle sieht man aus der Vogelperspektive ein Loch in einer Mauer mit davor verbreiteten Trümmern. Bei näherer Betrachtung stellen sich die Bruchstücke ebenfalls als Textur heraus. Angesichts der genialen Atmosphäre fallen solche Patzer aber nicht stark ins Gewicht. Unterstützt wird die tolle Stimmung des Spiels vom sehr guten Soundtrack, der den Vergleich mit Hollywood-Filmen nicht zu scheuen braucht. Erfreulicherweise haben die Entwickler die englische Sprachausgabe belassen und sie mit deutschen Untertiteln ergänzt. Positiv aus dem Grund, da sich die deutsche Synchronisation des Originals unbeholfen und peinlich anhörte im Vergleich zur englischen Fassung.
Bests Popcorn-Zocken
Eine reine Augenweide sind die völlig neu inszenierten Zwischensequenzen. Verantwortlich dafür war Ryuhei Kitamura, der damit die besten In-Game-Sequenzen abgeliefert hat, die man bis jetzt auf dem GameCube gesehen hat. Somit ist The Twin Snakes das gelungene Ergebnis der Verknüpfung aus den beiden besten Metal Gear Solid-Teilen. Die unvergleichliche und überaus spannende Geschichte des Originals, gepaart mit den spielerischen Neuerungen aus Sons of Liberty, ergeben ein Spielerlebnis, das sich Metal Gear-Neulinge auf keinen Fall entgehen lassen sollten. Kenner beider Teile können sich ebenfalls erneut auf Shadow Moses Island austoben, da die neuen Gameplay-Features und die aufgebohrte Präsentation durchaus eine positive Bereicherung sind. Die gebündelte Info-Ladung bekommt ihr in der Sonderbeilage, die zusammen mit dieser Ausgabe zu haben ist.
