Spieler wie Entwickler haben vom Zweiten Weltkrieg anscheinend die Nase voll. Deswegen wird der Markt momentan geradezu mit Vietnam-Shootern überflutet. Men of Valor soll sich von dieser Masse besonders durch ein großes Angebot an Mehrspieler-Modi abheben. Zehn Multiplayer-Maps werden in fünf unterschiedlichen Spiel-Modi zur Verfügung stehen, die zwölf Missionen umfassende Kampagne darf überdies sogar in einem Koop-Modus bestritten werden. Leider war all dies in der uns vorliegenden Version lediglich im Splitscreen und via System-Link möglich, weswegen wir in einer der nächsten Ausgaben den Online-Modus noch etwas genauer unter die Lupe nehmen werden. Mit der Einzelspielerkampagne haben wir uns dagegen bereits ausgiebig befasst. Und die hat es in sich.
Grausamer Krieg
Als in Vietnam stationierter G.I. erleben Sie in der abwechslungsreich gestalteten Kampagne, die Sie durch dichte Dschungelgebiete, aber auch durch zerbombte Städte führt, die Hölle dieses Kriegs. Das Geschehen auf dem Schirm wird dabei nicht gewaltverherrlichend oder heroisierend dargestellt, sondern kommt sehr atmosphärisch und authentisch rüber. Zwar haben die Gegner einzelne Trefferzonen, Körperteile können Sie ihnen deswegen aber nicht abschießen. Vielmehr spornt das zum sauberen Zielen an, das erst einmal geübt werden will. Das Zielsystem erlaubt nämlich nur dann direkte Treffer, wenn sich Gegner genau im kleinen Fadenkreuz befinden. Wer wild vor sich hinballert, verwundet einen Feind nicht mal dann, wenn sich dieser nur einen Steinwurf von ihm entfernt befindet.
Charlie ist überall
Nur überlegtes Vorgehen führt daher zum erfolgreichen Abschluss einer Mission. Die Vietcong lauern überall auf Sie und nutzen die Vegetation ebenso als Schutz, wie Sie das tun sollten. Robben Sie durchs hohe Gras oder lugen Sie hinter Steinen hervor und überraschen Sie die Gegner, bevor Sie ihnen selbst in die Falle tappen! Das sorgt für spannende Einsätze, die sich übrigens teilweise über mehrere Stunden hinwegziehen. Für hohe Langzeitmotivation ist also gesorgt. Wer dabei dennoch einmal ein paar Wunden davonträgt, kann sich mit einem stets verfügbaren Erste-Hilfe-Paket zwar provisorisch heilen, nicht aber die gesamte Lebensenergie vollständig auffüllen. Nur wer skrupellos genug ist, kann die Leichen getöteter Feinde untersuchen und seine Energie mit deren Essensrationen wiederherstellen oder sich lebensnotwendige Munition unter den Nagel reißen. Ihre Teamkameraden haben das übrigens nicht nötig. Sie werden von einer KI gesteuert - Sie können ihnen also keine Befehle erteilen - und besitzen einen unendlichen Vorrat an Munition und Lebensenergie. Das scheinen Ihre Kollegen zu wissen und gehen ziemlich unbedacht zur Sache. Sie lassen sich von Gegnern überrumpeln, verarzten ihre Wunden direkt in der Schusslinie oder laufen Ihnen in der Hitze des Gefechts ständig vor die Flinte. Da ist es eine große Hilfe, dass Friendly Fire, also das Verwunden befreundeter Einheiten, nicht möglich ist. Dies ist aber keineswegs eine Entschuldigung für die dumm agierende KI.
Technische Mängel
Grafisch macht der Titel auf den Standbildern, die Sie hier sehen, zwar einen guten Eindruck, in Bewegung sorgt eine teils rucklige Darstellung aber für einen nicht ganz sauberen Spielfluss. Ähnlich ist es bei den Soundeffekten. Diese sind eigentlich sehr ansprechend, aber leider sehr frontlastig abgemischt und beanspruchen kaum die Surround-Boxen. Zudem beginnen sich die Sprachsamples der Teamkameraden sehr schnell zu wiederholen. Leider schafft Men of Valor es deswegen auch nicht, die Atmosphäre in technischer Hinsicht zu perfektionieren und sich als Spitzentitel des Genres zu etablieren.
