Medal of Honor im Serienrückblick: Zwischen Spielberg und Weltkriegsschlappe

Special Olaf Bleich Benedikt Plass-Fleßenkämper Lukas Schmid
Medal of Honor im Serienrückblick: Zwischen Spielberg und Weltkriegsschlappe
Quelle: Moby Games

Medal of Honor: Frontline feiert in diesem Jahr sein 20-jähriges Jubiläum. Grund genug, auf die gesamte Shooter-Serie zurückzublicken: Was zeichnete die Medal-of-Honor-Spiele aus und wie gut stehen die Chancen für ein Comeback?

Die "Medal of Honor" (auf Deutsch: Ehrenmedaille) ist die höchste militärische Auszeichnung der amerikanischen Regierung. Sie wird Soldaten in den Bereichen der Navy, der Homeland Security, der Air Force und der Coast Guard für besonderen Heldenmut vom US-Präsidenten persönlich verliehen - oft leider auch erst postum. Der Titel "Medal of Honor" verpflichtet also zu Großem und gibt zugleich den Tenor für die gleichnamige Shooter-Reihe vor. Im Jahr 2022 feierte Medal of Honor: Frontline sein 20-jähriges Jubiläum. Doch die Serie hat so viel mehr zu bieten: Vom raschen Aufstieg zur großen Shooter-Marke neben Battlefield und Call of Duty, bis zum krachenden Absturz dank einer katastrophalen Neuausrichtung. Reist mit uns durch die Jahrzehnte: Wir blicken zurück auf die Geschichte von Medal of Honor!

Startschuss unter der Führung von Steven Spielberg

Die Marke "Medal of Honor" hat ihre Ursprünge im Hollywood in der Mitte der 1990er-Jahre. Dreamworks Pictures (damals Dreamworks SKG) erweiterte das eigene Geschäftsfeld um den Bereich der Computer- und Videospiele. Die Dreamworks Interactive getaufte Sparte begann als gemeinsames Projekt mit Microsoft und brachte zunächst kleinere Titel wie das Knet-Abenteuer The Neverhood (1996) und die Jurassic-Park-Umsetzung Chaos Island: The Lost World (1997).

Dreamworks-Mitbegründer und Star-Regisseur Steven Spielberg (bekannt durch Filme wie Der Soldat James Ryan, E.T. - Der Außerirdische und Indiana Jones) entwickelte die Idee für ein im Zweiten Weltkrieg angesiedeltes First-Person-Actionspiel für die erste Generation der Sony Playstation. Dieses Konzept den Verantwortlichen zu verkaufen, erwies sich jedoch alles andere als leicht.
Auch wenn Medal of Honor gerne auf Schleich-Elemente setzt, so bleibt es doch ein Shooter. Und entsprechend müsst ihr auch häufiger mal zu schweren Schrotflinte greifen. Quelle: Moby Games Auch wenn Medal of Honor gerne auf Schleich-Elemente setzt, so bleibt es doch ein Shooter. Und entsprechend müsst ihr auch häufiger mal zu schweren Schrotflinte greifen. Der Zweite Weltkrieg als Szenario war zu dieser Zeit "ein alter Hut". Unter der Führung von Producer und Writer Paul Hirschmann entstand binnen einer Woche eine frühe Demo-Version, die zeigte, in welche Richtung Medal of Honor gehen sollte.
Spielberg sah in dem Medium Videospiel eine neue Chance, um Geschichten zu erzählen. Das war der Startschuss für die Shooter-Reihe!
In Medal of Honor: Frontline nehmt ihr es nicht nur mit Soldaten, sondern auch mit schweren Panzern auf. Diese Kämpfe sind besonders hart und intensiv. Quelle: Moby Games In Medal of Honor: Frontline nehmt ihr es nicht nur mit Soldaten, sondern auch mit schweren Panzern auf. Diese Kämpfe sind besonders hart und intensiv. Doch die Produktion verlief nicht reibungslos. Hardware-Limitierungen störten die Entwicklung. Beispielsweise mussten alle Missionen nachts stattfinden, da für Lichteffekte keine Ressourcen übrig waren. "Gegner bestanden aus 250 Polygonen, das ist aus heutiger Sicht lächerlich", sagte Hirschmann im Interview mit der Webseite Gamesradar.

Doch gerade die Interaktion mit den NPCs sollte Medal of Honor von anderen First-Person-Spielen abheben.

Das Spiel bot neben dem klassischen Shooter-Gameplay auch Stealth- und Adventure-Elemente. Steven Spielberg überwachte die Entwicklung und legte ähnliche Detailverliebtheit wie bei seinen Filmprojekten an den Tag. Waffensounds wurden beispielsweise mit realen Kanonen dieser Zeit aufgenommen. Der ehemalige Marine Dale Dye fungierte als Berater.

Er und Spielberg kannten sich bereits von den Dreharbeiten von Der Soldat James Ryan. Doch bei aller Authentizität gab es auch Probleme: 1998 meldete sich Paul Bucha, der Präsident der Congressional Medal of Honor Society, in einem wütenden Brief zu Wort. Der Vietnam-Veteran und Träger der Ehrenmedaille hielt das Projekt und dessen Ansatz für eine Schande.

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