Mars Horizon: Nette Wirtschaftssimulation für Weltraum-Fans
Test
In Mars Horizon können wir die größten Errungenschaften der menschlichen Raumfahrt nachspielen. Das Entwicklerstudio Auroch Digital hat dabei in Zusammenarbeit mit der Europäischen Weltraumorganisation eine detailreiche und historisch akkurate Wirtschaftssimulation erschaffen. Leider fehlt es dem Spiel an Abwechslung.
Der Weltraum - unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2020. Noch nie konnte ein Mensch den Mars betreten. Jedenfalls nicht in der Realität! In Videospielen wurde der rote Planet schon des Öfteren bereist. Solche Abenteuer sind jedoch im Science-Fiction-Genre angesiedelt, Realismus ist da eine Seltenheit. Diese Lücke versucht das Entwicklerstudio Auroch Digital nun zu füllen. In Zusammenarbeit mit der europäischen und britischen Raumfahrtorganisation erschufen sie die Wirtschaftssimulation Mars Horizon, in der wir die wichtigsten Errungenschaften der menschlichen Raumfahrt nachspielen können. Aber auch Zukunftsereignisse sind spielbar! Ein Ziel sticht dabei vor allem hervor: Die erste bemannte Marslandung.
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Bevor wir uns aber in die endlosen Gefilde des Alls aufmachen, wählen wir eine der fünf möglichen Raumfahrtorganisationen aus. Das ändert nicht nur unser Logo, sondern hat langfristige Auswirkungen auf unser Spielgeschehen. So ist die ESA, die Europäische Weltraumorganisation, um ein paar diplomatische Attribute reicher, während die NASA mehr Unterstützung vom Staat erhält, wenn sie Meilensteine wie die bemannte Mondmission als erste Nation abschließen. Außerdem können wir zwischen drei verschiedenen Schwierigkeitsgraden wählen, wodurch wir hauptsächlich den Konkurrenzgedanken der anderen Organisationen verstärken können.
Nach diesen Voreinstellungen stürzen wir uns auch schon ins Jahr 1954. Dort beginnt unser Abenteuer aber noch sehr gemäßigt, da uns ein umfangreiches und sehr textlastiges Tutorial begrüßt. Der Umfang ist aber auch bitter nötig! Mars Horizon kann nämlich schnell mit all den Fachbegriffen überfordern. Zu Beginn vergessen wir zudem gerne, welches Symbol welche Bedeutung hat. Nach ein paar Stunden Einspielzeit sind die wichtigsten Zeichen aber verinnerlicht, da wir eigentlich im Großen und Ganzen immer dasselbe machen: Missionen abschließen.
Space Oddity
Quelle: PC Games
Der Aufbau der eigenen Basis sieht zwar ganz schick aus, kann aber auch frustrierend sein.
Der erste Satellit in der Erdumlaufbahn, die bemannte Mondlandung, oder auch das erste Tier im Weltall. All das sind potenzielle Aufgaben, die wir im Laufe unserer Raumfahrt-Laufbahn abschließen und als Missionen aufgetragen bekommen können. Bevor wir aber die Raketen zünden können, sind einige Vorkehrungen abzuschließen. Um eine Mission überhaupt annehmen zu können, muss diese erst erforscht werden. Die dazu nötigen Forschungspunkte erhalten wir monatlich. Bei manchen abgeschlossenen Aufgaben erhalten wir zudem für bestimmte Zeit einen zusätzlichen Forschungspunkte-Boost. Viel steckt hinter dem Forschen aber nicht. Wir können lediglich die Forschung wählen, der Rest läuft automatisch ab. Sobald dieser Prozess beendet ist, können wir uns mit dem Bau der Rakete beschäftigen - sofern wir schon die nötigen Gebäude besitzen. Wenn wir die gewünschten Institutionen schon erforscht haben, können wir sie in unserer Basis aufbauen lassen. Dabei müssen wir jedoch beachten, wo welches Haus steht. Unsere Raketen-Testrampe fühlt sich nämlich neben dem Mission-Control-Gebäude gar nicht wohl. Wenn wir die beiden architektonischen Meisterwerke nebeneinanderstellen, bekommen wir weniger Forschungspunkte pro Monat. Dafür ist die Testrampe neben dem Fahrzeughangar sehr nützlich, da die Dauer der Raketenherstellung dann um ein paar Prozent sinkt. Wer sich am Anfang des Spiels verbaut hat, kann für Geld die Häuser nachträglich umstellen. Ein kompletter Neubau der Basis ist jedoch nicht möglich, da sich einige Institutionen nicht verschieben lassen. Perfektionisten können also nie die "bestmögliche" Basis erbauen, wenn sie keine hellseherischen Fähigkeiten besitzen. Zumindest nicht im ersten Spieldurchlauf, und solange man nicht alle Gebäude in- und auswendig kennt.
Sobald das Gebäude steht, ist es auch direkt voll funktionsfähig. Es können keine Wissenschaftler oder andere Mitarbeiter angeheuert werden, lediglich die Astronauten sind frei wählbar. Neben kleinen Perks wie "fünf Prozent mehr Forschungsgewinn nach einer abgeschlossenen Mission" haben diese aber nicht viel Auswirkung auf das Spielgeschehen. Unsere Raketenpassagiere kosten auch ein klein wenig Geld, aber um die Scheine müssen wir uns kaum sorgen. Der Staat fördert uns nämlich monatlich. Je erfolgreicher wir sind, desto mehr Geld erhalten wir. Ins Minus können wir aber nicht kommen, genauso wenig sind Schulden in Mars Horizon existent. Wenn unser Konto leer ist, warten wir zwei oder drei Monate und schon sind wir wieder flüssig. Bei manchen Missionen erhalten wir außerdem den einen oder anderen Euro extra. Herausfordernd ist Mars Horizon deshalb definitiv nicht.
Starman
Quelle: PC Games
In Mars Horizon werden die Raketen sehr simpel aus Oberstufe und Booster zusammengebaut. Eine Herausforderung sucht man hier vergeblich.
Nachdem die Mission erforscht wurde und die nötigen Gebäude einsatzbereit sind, können wir uns bald dem Flugkörper widmen! Lediglich die Forschung für die Maschine selbst muss noch abgeschlossen werden. Danach können wir uns endlich um den Bau der Rakete kümmern! Dieser erfolgt aber nicht wie in Kerbal Space Program, bei dem wir das monströse Stück Technik komplett frei gestalten können, sondern beschränkt sich auf das Zusammensetzen der Oberstufe und des Boosters. Dadurch können wir zwar historisch akkurate Raketen bauen, herausfordernd oder motivierend ist das allerdings kaum. Auch hier werden wir mit allerlei Fachbegriffen beworfen, diese können wir aber getrost ignorieren. Wer sich aber für Weltraumtechnik und historische Ereignisse interessiert, kann sich im sogenannten Spacepedia zu jeglichen Themen schlau machen. Hier wird so ziemlich jeder Fachbegriff ausführlich erklärt und mit teils echten Bildern dargestellt. Vor allem hier merkt man die Zusammenarbeit des Entwicklerstudios mit der ESA an.
Ist der Bau abgeschlossen, werden noch letzte Vorkehrungen beschlossen: Welche Astronauten werden den Flug antreten, in welches Training soll die letzten paar Monate noch intensiviert werden und wann ist der Flugtermin?
Life on Mars
Jetzt ist es soweit: Die Rakete ist bereit für den Start. Mars Horizon inszeniert den Abflug sehr stilsicher mit einer Comic-ähnlichen Grafik. Bei unserem ersten Flugkörper sind wir noch ganz aufgeregt, voller Stolz sehen wir zu, wie unsere Rakete in einer kleinen Zwischensequenz gen Himmel steigt. Bei der zweiten machen wir das auch noch, vielleicht auch bei der dritten. Bald wird es aber zu repetitiv, da die Raketenstarts immer dieselbe Animation haben.
Quelle: PC Games
Die Logikrätsel im Weltraum sind immer nach dem selben Muster aufgebaut.
Ist unser Flugkörper im All angekommen, werden verschiedene Phasen eingeleitet. Ein Flug zum Mars dauert beispielsweise ein paar Monate, während die Satellitenausrichtung in der Erdumlaufbahn direkt geschieht. Damit die Mission erfolgreich verläuft, müssen wir lediglich das eine oder andere logikbasierte Rätsel lösen. Hier liegt noch die größte Herausforderung in Mars Horizon, wobei selbst diese immer gleichen Knobeleien selten wirklich schwierig sind. Sobald die letzte Aufgabe abgeschlossen ist, können wir unsere Belohnung einsacken. Je nach Mission erhalten wir Geld, Forschungspunkte, oder Unterstützungspunkte, damit uns der Staat finanziell mehr unter die Arme greift. Unsere Belohnung fällt besonders hoch aus, wenn wir die ersten waren, die einen bestimmten Meilenstein der Raumfahrt-Geschichte vollendet haben. Der erste Satellit, das erste Tier im All, der erste Vorbeiflug am Mars, etc. Besonders das Space Race zum Mond ist spannend!
Quelle: PC Games
Die Mondlandung ist auch in Mars Horizon ein ganz besonderer Moment. In unserem Durchlauf haben jedoch nicht die US-Amerikaner, sondern die Europäer das Space Race gewonnen.
Dabei war das erst der Anfang. Das große Ziel in Mars Horizon ist, wer hätte es gedacht, die bemannte Marslandung. Da die Missionen aber immer nach Schema F ablaufen und kaum Abwechslung geboten wird, ist die Motivation, den roten Planeten zu erreichen, kaum vorhanden. Nur wenige Details ändern sich. Manchmal gibt es beispielsweise Missionen, bei denen wir mit anderen Weltraumorganisationen zusammenarbeiten. Das verändert aber eigentlich nichts, es werden nur die Geldkosten geteilt.
Insgesamt lässt sich sagen, dass Mars Horizon für jeden Hardcore-Weltraum-Fan ein wunderbarer Einblick in die Welt der Raumfahrt ist. Die Macher haben sich viel Mühe gegeben, ein detailreiches und historisch akkurates Videospiel zu gestalten. Die schiere Zahl an Fachbegriffen kann aber anfangs überfordern und die immer gleichen Missionen werden bald langweilig. Wer nach einem neuen Spiel im Stile von Kerbal Space Program gesucht hat, wird hier aber leider nicht fündig. Alldiejenigen müssen sich noch ein bisschen bis zum zweiten Teil der drolligen Figuren gedulden. Wer aber ein entspanntes Spiel für den Feierabend sucht, kann als weltraumaffine Person mit Mars Horizon jedoch fündig werden.
Mars Horizon ist auf dem PC, der Nintendo Switch und den Next-Gen-, als auch den Current-Gen-Konsolen von Sony und Microsoft erhältlich.
