Bloß ein lauer Aufguss - oder rockt es alles weg? Life is Strange Double Exposure im Test
Test
Nach einem Prequel und zwei weiteren Teilen erscheint endlich der direkte Nachfolger zu Life is Strange. Ob Double Exposure das Zeug zum Hit hat, klärt unser Test.
Über 75 Auszeichnungen zum Spiel des Jahres, mehr als 20 Millionen Spieler und über 160.000 positive Bewertungen auf Steam - das ist die beeindruckende Bilanz des 2015 veröffentlichten Adventure-Hits Life is Strange von Dontnod Entertainment.
Ein Prequel sowie zwei umfangreiche Sequels später wird die bewegte Geschichte der ursprünbglichen Protagonistin Maxine "Max" Caulfield nun endlich weitererzählt. Allerdings nicht von Dontnod Entertainment, sondern vom US-Studio Deck Nine, das bereits für Life is Strange: Before the Storm von 2017, Life is Strange: True Colors von 2021 sowie die 2022 erschienene Life is Strange Remastered Collection verantwortlich zeichnete.
Die Erwartungen der Fans sind dementsprechend hoch. Es gibt aber auch Befürchtungen, dass die Rückkehr von Max nicht ganz logisch umgesetzt wird, denn viele fragen sich, ob die Entwickler die beiden Enden des Hauptspiels berücksichtigen werden. Die gute Nachricht: Dieser wichtige Aspekt wird keineswegs unter den Teppich gekehrt, sondern von Anfang an geschickt in das Gesamtkonstrukt integriert und an verschiedenen Stellen der Geschichte sinnvoll aufgegriffen.
Die Ruhe vor dem Sturm
Die Story selbst setzt rund zehn Jahre nach der Handlung des ersten Teils an und konfrontiert uns mit der erwachsenen Max. Die 28-Jährige hat die dramatischen Ereignisse von Arcadia Bay weitgehend hinter sich gelassen und arbeitet nun als freiberufliche Fotografin an der renommierten Caledon University in Lakeport, Vermont.
Nimmt man die anfänglichen Szenen als Gradmesser, dann geht es Max auch emotional mittlerweile wieder ziemlich gut. Die Uni stellt ihr eine moderne und gemütliche Wohnung zur Verfügung, die Studenten mögen und respektieren sie, die meisten Kollegen sind nett und auch privat hat sie an diesem ruhigen Ort neue Freundschaften schließen können.
Vor allem zu Safi, der Tochter der Universitätsdirektorin Yasmin, und ihrem besten Freund, dem Astrophysikstudenten Moses, hat Max einen sehr guten Draht. Die drei unternehmen viel zusammen, sind in vielerlei Hinsicht auf einer Wellenlänge und helfen sich gegenseitig.
Doch schon nach der stimmungsvoll inszenierten Eröffnungssequenz in einer verlassenen Bowlingbahn, die Max als neuen Foto-Hotspot für sich entdeckt hat, und dem anschließenden Besuch in der lokalen Bar Snapping Turtle, nimmt die Handlung eine dramatische Wendung.
Nur so viel: Max, Moses und Safi beobachten gemeinsam auf dem Dach eines Universitätsgebäudes die Sterne, als Safi plötzlich einen Anruf erhält. Sichtlich aufgewühlt verlässt sie kurz darauf den Ort des Geschehens und kehrt nicht mehr zurück. Als Max kurz darauf nach ihr sehen will, liegt ihre beste Freundin tot und blutüberströmt neben einer Bank im Schnee.
Was folgt, ist eine emotionale Achterbahnfahrt über fünf Kapitel, die Max' Leben noch einmal komplett auf den Kopf stellt und von Anfang an viele Fragen aufwirft. Warum hat es ausgerechnet ihre beste Freundin Safi erwischt? Was wollte der Anrufer oder die Anruferin? War es Mord? Oder vielleicht doch ein Suizid, wie auf dem Campus gemunkelt wird?
Um Antworten auf diese und andere quälende Fragen zu finden, schiebt Max ihre tiefe Trauer beiseite und macht sich auf die Suche nach Hinweisen. Dabei entdeckt sie bald, dass sie über eine mächtige neue Kraft verfügt, die ihr einerseits große Angst macht, andererseits aber auch viel Hoffnung in ihr weckt.
Genauer gesagt: Sobald Max die Hand ausstreckt und sich stark konzentriert, ist sie in der Lage, eine Art Puls auszusenden, der es ihr ermöglicht, schemenhaft zu sehen, was in einer parallelen Zeitlinie geschieht. Eine Zeitlinie, in der Safi lebt, aber allem Anschein nach immer noch in höchster Gefahr schwebt und möglicherweise ebenfalls ermordet werden könnte.
Doch damit nicht genug ihrer neuen Fähigkeiten: An speziell gekennzeichneten Stellen innerhalb der Spielwelt - sogenannten Rissen - kann Max zwischen der "Safi ist tot"- und der "Safi ist lebendig"-Zeitlinie wechseln.
Reality-Hopping
Mit Beginn des zweiten Kapitels müsst ihr genau diese Kräfte immer wieder einsetzen, um die Umstände von Safis mysteriösem Tod lückenlos aufzuklären und den Täter zu finden.
Bildergalerie
Klingt zunächst kompliziert, ist es spielmechanisch aber nicht, denn um den gelungenen Flow der Geschichte nicht auszubremsen, blenden die Entwickler in der rechten oberen Ecke immer ein, was als Nächstes zu tun ist. Die Anweisungen sind dabei bewusst etwas vage formuliert, damit eure grauen Zellen nicht völlig einrosten. Solltet ihr dennoch nicht weiterkommen, reicht es meist, eine gewisse Zeit abzuwarten, bis Max laut nachdenkt und euch weitere Lösungshinweise präsentiert.
