Katana Zero im Test: Samurai-Action im Cyberpunk-Setting - ein blutiges Indie-Kleinod für erwachsene Spieler
Test
Wem kann man denn noch vertrauen? Den verplanten Kiffer-Nachbarn? Dem Therapeuten? Den Erinnerungen an die Kindheit? Im Indie-Game Katana Zero geht ihr mit scharfer Klinge als Auftragskiller auf die Jagd und versucht währenddessen, mehr über eure Vergangenheit herauszufinden. Und das macht wirklich eine Menge Spaß!
Pixeloptik, Tod nach einem Treffer, Neonfarben - bricht man Katana Zero herunter, klingt das Indie-Game zunächst mal recht austauschbar, Hotline Miami lässt grüßen. Zum Glück hat die von Askiisoft entwickelte und von den Indie-Experten Devolver Digital veröffentlichte Gewaltorgie viel mehr zu bieten, als es die üblichen Genre-Schlagworte vermuten lassen. Hier überzeugt nicht nur das Gameplay - eine Mischung aus Puzzle, Reaktionsvermögen und Präzision -, sondern auch Welt und Geschichte, in die das Spektakel eingebettet ist.
Dystopisch, blutig, gut
Der Schauplatz von Katana Zero ist eine Cyberpunk -Metropole, wie sie im Buche steht: Zwischen Hochhausschluchten und Neonreklamen treiben Gangster, Dealer, Junkies und andere zwielichtige Gestalten ihr Unwesen. Wir verkörpern einen namenlosen Samurai, gekleidet in einer Robe und bewaffnet mit einem Katana. Unseren Job als Auftragskiller erledigen wir deshalb so gut, weil wir durch die Droge Chronos durch die Zeit reisen können, also immer perfekt vorbereitet sind. Aber wer ist dieser seltsame Therapeut, der uns die tägliche Dosis verabreicht? Und wieso schalten wir überhaupt all diese CEOs, DJs und Kleinkriminelle aus? Innerhalb von nur etwa vier Stunden erhalten wir Antwort auf die Fragen, obschon wir gerne noch doppelt und dreifach so lange in der Welt von Katana Zero verweilt hätten - es macht einfach so viel Spaß!
Quelle: Askiisoft
Mit einem präzisen Hieb reflektieren wir sogar Kugeln. Allerdings sind wir nach einem Treffer schon tot!
Aus der Seitenansicht gehen wir unsere Herausforderungen an: Dank Chronos haben wir unendlich viele Versuche, um Level von Feinden zu befreien. Schon ein Treffer macht uns den Garaus, dann werden wir durch die Rückspulfunktion wieder am Anfang des Levels abgesetzt. Manchmal müssen wir mehr wiederholen, manchmal weniger, aber durch das beinahe nahtlose Wiederauferstehen und das hohe Spieltempo kommt dabei selten Frust auf. Nur selten gilt es, einen bestimmten Bewegungszyklus von Feinden abzuwarten.
Sekiro lässt grüßen
Quelle: Askiisoft
Cyberpunk-Atmosphäre funktioniert bei Nacht? Von wegen! In Katana Zero erblicken wir das Tageslicht und erleben die Stadt auch unter freiem Himmel, anstatt lediglich in dunklen Räumen.
Die Fähigkeiten des Cyberpunk-Samurai sind simpel und effektiv. Wir schlagen zu (pro Feind genügt meist ein Hieb), verlangsamen die Zeit, nutzen eine Ausweichrolle, parieren Kugeln (!) und werfen mit allerlei Sekundärwaffen wie Molotowcocktails oder Schlachtermessern um uns. Wenn wir den idealen Weg durchs Level finden und die geplanten Manöver perfekt ausführen, fühlt sich das verdammt gut an!
Das Vorgehen in Katana Zero erinnert dabei gelegentlich an Sekiro: Das Scheitern gehört zum Erfolg dazu, ebenso ein gewisses Maß an Trial-and-Error. Das muss man freilich mögen, aber der Anstieg des Schwierigkeitsgrades verläuft angenehm und keine Herausforderung erscheint unmöglich. Gelegentlich stehen Stealth-Optionen offen, aber des Pudels Kern ist der Kampf mit dem Schwert - ab und an auch gegen Bosse!
Nicht reden, machen
Von der Geschichte wollen wir nicht allzu viel verraten, außer, dass sie dem Setting entsprechend düster ausfällt und mit ein paar Wendungen aufwartet. Um sie komplett zu verstehen, ist aber Eigeninitiative erforderlich, sprich das Zusammenreimen diverser Zusammenhänge. Die Story ist dabei keinesfalls schnödes Beiwerk und nimmt schnell Fahrt auf. Das Ende ist jedoch nicht unbedingt befriedigend, manche Antworten bleibt das Spiel schuldig.
Quelle: Askiisoft
Gespräche nehmen unterschiedliche Verläufe, je nach unseren Antworten - und ob wir unsere Dialogpartner ausreden lassen.
Besonders an Katana Zero ist das Echtzeit-Dialogsystem, bei dem wir Gespräche unterbrechen können - von unseren Antworten hängt zum Teil ab, wie die Geschichte verläuft, die in mehrere Enden mündet. Diese Optionen und ein paar Geheimnisse machen die kurze Spielzeit zumindest ein bisschen wett. Abgerundet wird Katana Zero von der passenden Musikuntermalung: Synthie-Electro, unter anderem aus der Hand des Künstlers LudoWic.
Ein wilder Ritt
Die Elemente von Katana Zero greifen wundervoll ineinander, an einigen Stellen schleicht sich aber das Gefühl ein, dass mehr drin gewesen wäre - vor allem, was den Umfang betrifft. Aber auch das Dialogsystem lässt uns nicht ganz so viel Freiheit, wie es zunächst den Anschein erweckt. Lobenswert ist die Abwechslung: lange, bevor sich das Standard-Spielprinzip abnutzt, mischt Katana Zero das Geschehen mit Plattform-Elementen, einem alternativen Charakter und einer Verfolgungsjagd inklusive Bossfight auf. Zugegeben, nicht alle diese Experimente sind gleichermaßen spaßig, aber langweilig wird uns zu keinem Zeitpunkt.
Hat Katana Zero das Zeug, um Hotline Miami als blutigen Indie-Liebling zu beerben? Definitiv, die Ähnlichkeiten sind nicht zu leugnen, ohne jedoch, dass die Samurai-Action wie ein Abklatsch des ebenfalls von Devolver veröffentlichten Shoot'em Up wirkt. Und wenn man sich erinnert: Selbst die Spielzeit von Hotline Miami ist mit etwa fünf Stunden nicht eklatant länger als die von Katana Zero!
