In Sound Mind im Test: Gruselig, aber auch die Bugs sind der Horror

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In Sound Mind im Test: Gruselig, aber auch die Bugs sind der Horror
Quelle: Modus Games

In Sound Mind ist ein Psychohorrorspiel, das die Abgründe der menschlichen Natur zeigen und auch spielerisch überzeugen will. Ob das gelingt, klären wir in unserem Test und sagen, warum nicht nur die Story der Horror ist.

"To be in sound mind" bedeutet so viel wie "bei Verstand sein". Um den Verstand und die menschliche Psyche dreht sich alles im gleichnamigen Psychohorrorspiel. Man spielt Desmond, einen Psychiater, der von einem geheimnisvollen Spion in seiner eigenen Klinik gefangengenommen wird. Desmond wacht im dunklen Keller auf und weiß nicht, wie er in diesen gelangt ist. Die Tür ist verschlossen, durch einen geheimen Ausgang gelingt ihm jedoch die Flucht. Jedoch nicht aus der Klinik selbst, denn die Türen und Fenster sind undurchdringlich verschlossen.

Nach diesem Einstieg wird Desmonds Geschichte über weite Strecken beiseite geschoben. Stattdessen findet er verschiedene Kassetten, mithilfe derer er die Schicksale unterschiedlicher Personen nacherleben muss, im wahrsten Sinne des Wortes. Ihn verschlägt es in mysteriöse Anderswelten, in denen er verschiedene Rätsel lösen und Endgegner bezwingen muss. Nach und nach schaltet Desmond dadurch in der Klinik immer neue Gebiete frei, bis schließlich er das gesamte Gebäude erkunden kann.

Während der ganzen Geschichte wird Desmond von seiner Katze Tonia seelisch unterstützt, die in seinem Büro auf ihn wartet und ihm aufmunternde Worte zuspricht. Ja, die Katze plaudert - falls noch jemand in Zweifel gezogen haben sollte, dass es in der Klinik mit zutiefst seltsamen Dingen zugeht.

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Viele Aspekte der Story bleiben im Dunkeln, auch nach dem Abspann bleiben viele Fragen unbeantwortet, das ist aber nicht per se negativ, sondern trägt zur dichten Atmosphäre bei und erlaubt viel Interpretationsspielraum. Nicht alles ist, wie es scheint, und einige unerwartete Wendungen halten einen bei der Stange. Zudem muss man auch ein Auge offenhalten, denn viele Hintergründe werden im Rahmen von optional aufklaubbaren Notizen und anderen Schriftstücken offenbart.

Besondere Items oder immer dasselbe?

Agent Rainbow ist Desmonds größter Feind und der Auslöser für das Horror-Abenteuer. Quelle: PC Games  Agent Rainbow ist Desmonds größter Feind und der Auslöser für das Horror-Abenteuer. Anfangs startet man ohne Items, bevor man nach einigem Herumgerirre in der Dunkelheit über eine Taschenlampe stolpert. In jedem Kapitel findet Desmond weitere Gegenstände, die er benutzen muss, um die Welten zu bereisen. So erhält er von einem zerbrochenen Spiegel eine große Scherbe, die ihm fortan als Waffe dient, zudem kann er damit diverse Blockaden zerstören.

Generell ist dieses Stück Glas ganz schön versatil. Mit der Scheibe kann Desmond unsichtbare Gegenstände und Schriften aufdecken, die fürs Weiterkommen unabdingbar sind. Auch dann, wenn man irgendwann eine Pistole gefunden und dank derer deutlich effektiver gegen Widersacher vorgehen kann, verliert das gute Stück also nicht seinen Wert.

Desmond steht vor einer Türe, die ihn in eine neue Welt voller Abenteuer bringen wird.  Quelle: PC Games Desmond steht vor einer Türe, die ihn in eine neue Welt voller Abenteuer bringen wird.  Um die Items zu verwenden, werden oft Ressourcen benötigt. Die Taschenlampe etwa braucht Batterien und die Waffe Munition. Diese Helferlein finden sich überall über die Levels verteilt.- Ebenso heilende Lebensmittel, die einzige Methode sich zu heilen, sollte Desmond Schaden nehmen.

Wichtig ist es auch, Desmonds Basiswerte im Auge zu behalten, die Auswirkungen auf unser maximales Tempo, unsere Lebensenergie und Co. haben. Gesundheit, Ausdauer, Tempo und List können durch Tabletten erhöht werden, die in jedem Kapitel versteckt sind.

Unspektakuläres Kampfgeschehen

Desmond wird mit Monster konfrontiert, die ihn verfolgen und ihn töten wollen, weil er die Geschichte weiter aufdecken möchte.  Quelle: PC Games Desmond wird mit Monster konfrontiert, die ihn verfolgen und ihn töten wollen, weil er die Geschichte weiter aufdecken möchte.  Jedes Horrorspiel lebt natürlich auch von der Qualität seiner Monster. In Sound Mind (jetzt kaufen / 26,99 € ) konfrontiert uns mit unterschiedlichen humanoiden Gestalten mit bestialischen Zügen, die durchaus für Angst und Schrecken sorgen können. Entweder man schleicht an ihnen vorbei, was oft nur semigut funktioniert, oder man bekämpft sie mit Spiegelscherbe oder Knarre. Das Zielen ist jedoch etwas knifflig, da die Wesen sehr schnell sind und in der Regel nicht durch einen Schuss sterben. Außerdem fehlt überzeugendes Trefferfeedback und manchmal werden Schüsse nicht gezählt, obwohl man definitiv getroffen hat.

Normale Feinde lassen sich durch wenige Schüsse besiegen, während die großen und starken Gegner oft mehr als ein komplettes Magazin aushalten, bevor sie letztendlich in Rauch aufgehen. Schlussendlich ist die beste Methode aber auf jeden Fall Angriff. Anders sieht die Sache bei den Bosskämpfen aus, die einem am Ende jedes Kapitels erwarten und die im direkten Bezug zur Geschichte der jeweiligen Kasette stehen. Hier ist Nachdenken statt ballern angesagt, in jeder dieser Auseinandersetzungen gibt es einen bestimmten Kniff, um siegreich aus ihr hervorzugehen. Eine schöne Idee!

Erschreckend gute Atmosphäre

Desmond wird mit den Schatten derer konfrontiert, die ihm folgen und schaden wollen.  Quelle: PC Games Desmond wird mit den Schatten derer konfrontiert, die ihm folgen und schaden wollen.  Ebenfalls schön: Auf billige Jump Scares verzichtet das Abenteuer größtenteils. Vielmehr spricht die unheimliche Atmosphäre, untermalt durch stimmige Musik, für sich, ebenso ein permanentes Gefühl von Paranoia. Überall in den Levels finden sich Kameras, man fühlt sich ständig beobachtet. Sobald die Kameras in Desmonds Blickfeld gelangen, geht das penetrante rote Lämpchen aus, das zeigt, das man aufgenommen wurde. Dadurch wird gut der Eindruck erweckt, dass einem wirklich zu jeder Sekunde jemand über die Schulter schaut. Zwischen den Stressmomenten gibt es aber auch Ruhephasen, das Pacing ist generell sehr gut gelungen.

Nicht nur die Standardrätsel

Die Notizen spielen eine wichtige Rolle bei der Aufdeckung der Geschichte und zeigen Gedankengänge und Geheimnisse verschiedener Personen. Quelle: PC Games Die Notizen spielen eine wichtige Rolle bei der Aufdeckung der Geschichte und zeigen Gedankengänge und Geheimnisse verschiedener Personen. Es wird aber nicht nur gekämpft, auch Rätsel stehen auf dem Horrorprogramm. Unter anderem warten klassische Rätsel auf Desmond, da gilt es dann Hebel umzulegen oder Stromgeneratoren zu aktivieren. Allerdings gibt es auch aufwendigere Knobeleien. So müssen wir etwa diverse Figuren richtig in einem Puppenhaus anordnen, was kniffliger ist, als es klingen mag. Ab und an sorgen Zeitlimits für zusätzlichen Stress. Sind wir zu langsam, heißt es "Game Over" und wir müssen noch einmal von vorne ran.

Game-Ending-Bug durch Bug verhindert

Nicht gut zu erkennen, aber dieses blöde Vieh drängte uns in eine Ecke, was in Verbindung mit einem extrem ungünstigen Autosave-Punkt fast dafür sorgte, dass wir das Spiel neu anfangen mussten. Quelle: PC Games Nicht gut zu erkennen, aber dieses blöde Vieh drängte uns in eine Ecke, was in Verbindung mit einem extrem ungünstigen Autosave-Punkt fast dafür sorgte, dass wir das Spiel neu anfangen mussten. Noch einmal von vorne ran, das hätte bei unserem Testdurchgang fast im Großen gegolten: Ansonsten hatten wir nicht mit allzu drastischen Bugs zu kämpfen, im dritten Kapitel sorgte ein angreifender Feind in Verbindung mit einem zutiefst unglücklich platzierten Autosave-Punkt aber dafür, dass wir kurzzeitig dachten, nun würden wir nicht mehr weiterspielen können. Manuelle Speicherpunkte gibt es keine - doof! Schlussendlich lösten wir die Situation, indem wir uns während des Ladens des Spielstands so gegen eine Wand manövrierten, dass wir durch den Boden fielen und zurück an den Anfang des Abschnitts gesetzt wurden. Ein Fast-Game-ending-Bug, der durch einen anderen Bug gelöst wurde - auch mal was Neues!

Schaurig schöner Horror

Technisch hat das Spiel also definitiv mit Problemen zu kämpfen, wie drastisch sie ausfallen, hängt wohl vom individuellen Glück ab. Auch von teils derben Rucklern bleibt man nicht verschont, was in manchen Kämpfen für einen unverschuldeten Bildschirmtod sorgen kann. Seltsam: Die ersten beiden Kapitel liefen bei uns noch komplett ruckelfrei, erst ab dem dritten Kapitel und von da an bis zum Ende des Spiels war das nicht mehr der Fall.

Immerhin, grafisch haben wir nichts zu beanstanden. Während viele andere Horrorspiele auf Dunkelheit und gedämpfte Töne setzen, ist Farbe in In Sound Mind ein wichtiger Bestandteil der Erfahrung. Von Anfang an wird der Spieler mit bunt-leuchtenden Chemikalien konfrontiert, die aus Fässern auslaufen und die Welt auf eine bizarre Art schön und besonders machen. Auch sonst wird viel mit Farben gespielt. Keine Frage: So bunt geht es in Gruselspielen selten zu! Die gute Musik trägt ihr Übriges bei und passt stets gut zur jeweiligen Situation. In Desmonds Büro ist sie ruhig und entspannend. Während Kämpfen und bei Verfolgungsjagden ist sie entsprechend laut und treibend.

Übersetzungen oder zumindest der Versuch

Tonia ist unsere engste Vertraute und erzählt unsere Geschichte.  Quelle: PC Games Tonia ist unsere engste Vertraute und erzählt unsere Geschichte.  Neben Bugs sorgt auch die mangelhafte Übersetzung der Texte für Ärger. Rechtschreibfehler, doppelte Buchstaben wie zum Beispiel "IIch", unvollständige Sätze oder schlichtweg falsche Übersetzungen finden sich allenthalben. Ein Beispiel: Wenn Desmond seine Katze streichelt, sagt sie "Wenn ich für jedes Haustier Geld bekommen würde, wäre ich Millionär". "Pet" kann sowohl "streicheln" als auch "Haustier" bedeuten und die Entwickler haben sich hier sehr gekonnt für die falsche Variante entschieden.

Diese dummen Fehler haben auch spielerische Auswirkungen. Manche Rätsel sind aufgrund der deutschen Übersetzung schwer zu lösen, da wichtige Informationen ihretwegen kaum zu verstehen sind. "Wenn der Vater eines Kindes "Brand legt" aber gemeint ist, dass er den Kamin angemacht hat; zeugt das erstens von einem eindeutigen Fall fürs Jugendamt und zweitens bleibt man als Spieler ratlos zurück, was genau im Haus man nun untersuchen muss, um voranzukommen.

Fazit

Nichtsdestoweniger ist In Sound Mind ein abwechslungsreiches Horrorspiel mit teilweise schön gestalteten Rätseln. Die Tatsache, dass man nicht mit Informationen zu jedem Storyfitzelchen überschüttet wird, sondern sich die Zusammenhänge selbst erarbeiten muss, trägt viel zur Atmosphäre bei. Alles also soweit super, das konstante Ruckeln, die Angst, dass ein weiterer Game-ending-Bug hinter der nächsten Ecke lauern könnte und die wirklich katastrophal schlechte deutsche Übersetzung sorgen aber dafür, dass mit jedem Genuss auch immer Frust einhergeht. Schade, denn hätten die Macher hier sauberere Arbeit abgeliefert, wäre das Gruselabenteuer bedenkenlos zu empfehlen.

In Sound Mind ist seit dem 29. September für PC, PS5, Xbox Series X und Nintendo Switch erhältlich.

Meinung

Wertung zu In Sound Mind (PC)

Wertung:

6.0 /10

Wertung zu In Sound Mind (PS5)

Wertung:

6.0 /10

Wertung zu In Sound Mind (NSW)

Wertung:

6.0 /10

Wertung zu In Sound Mind (XSX)

Wertung:

6.0 /10
Pro & Contra
Gelungene AtmosphäreÜberraschende WendungenAußergewöhnliche IdeenHorror plus Farben sind eine tolle MischungSehr spannende Story
Ungenaue Steuerung beim ZielenHäufige RucklerMassive Bug-GefahrKatastrophale deutsche Übersetzung
Fazit

Guter Horrorspaß, der unter massiven technischen Problemen leidet

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