I Am Setsuna im Test: Liebevolle Hommage ohne eigene Ideen

Test Lukas Schmid
I Am Setsuna im Test. (3)
Quelle: Play4

Die 90er: Jahrzehnt des Melitta-Mannes, der Doc-Martens-Schuhe und der charmanten 16-Bit-RPGs. Eines dieser Dinge lässt I am Setsuna wieder aufleben. Tipp: Es ist nicht der Melitta-Mann. Unser Test zur liebevollen Rollenspiel-Hommage.

Alle Jahre wieder kommt das Christuskind. Nicht ganz so oft, aber doch relativ häufig müssen die Bewohner der namenlosen und über und über mit Schnee bedeckten Welt von I am Setsuna ihrerseits eine der ihren auf die Reise schicken - allerdings ohne Wiederkehr: Um fiese Dämonen davon abzuhalten, über die Lande hereinzufallen, wird stets ein junges Mädchen ausgesucht, welches zum Wohle aller ihr Leben opfert. Zu Beginn des Spiels kommt diese zweifelhafte Ehre der namensgebenden Setsuna zu, der wir in Gestalt des jungen Söldners und Auftragsmörders Endir eigentlich schon vor ihrem freiwilligen Dahinscheiden den Garaus machen sollen. Heimlicher Held, der wir nun einmal sind, entschließen wir uns jedoch stattdessen, uns ihr und einer stetig wachsenden Gruppe von Helden anzuschließen und sie auf ihrer langen Reise zum Ort der Opferung zu begleiten.

Früher war alles melancholischer!

In 80 Jahren um die Welt: Die Weltkarte, auf der wir uns fortbewegen, sieht nett aus, bietet aber kaum Geheimnisse und das Lauftempo der Figuren ist extrem niedrig. Quelle: Play4 In 80 Jahren um die Welt: Die Weltkarte, auf der wir uns fortbewegen, sieht nett aus, bietet aber kaum Geheimnisse und das Lauftempo der Figuren ist extrem niedrig. Was sich auf dem Papier wie eine ziemlich brutale Handlung anhört, lebt in der Praxis primär von der sehr melancholischen Grundstimmung, die geschickt die bekannten Japano-RPG-Klischees nutzt, sie aber nie über die Maßen strapaziert. In Verbindung mit der ein oder anderen unerwarteten Wendung sowie vor allem den sympathischen Figuren glänzt I am Setsuna in dieser Hinsicht. Tiefgründig sind die Geschehnisse nicht - was man in der jeweiligen Situation fühlen soll, wird einem nicht allzu subtil aufs Auge gedrückt -, aber das war zu seligen 16-Bit-Zeiten ja auch nicht anders. An dieser RPG-Hochära orientiert sich das liebenswert gemachte Abenteuer sehr offensichtlich.

Spielerische Durchschnittsware

Das gilt auch in grafischer Hinsicht. Der aus isometrischer Ansicht präsentierte Fantasy-Roadtrip geht aber dankenswerterweise nicht den überstrapazierten Retro-Weg, sondern wirkt so, als hätten die Entwickler ein Spiel von anno dazumal mit der Technik von heute entwickelt. Das sieht toll aus und gibt dem Spiel einen ganz eigenen Anstrich! Schade bloß, dass Grafik, Atmosphäre und Handlung eben nicht alles sind und I Großklotz: Die Kämpfe gegen die teils riesigen Bossgegner fordern etwas mehr vom Spieler, kommen aber wie die Standard-Auseinandersetzungen zu einfach daher. Quelle: Play4 Großklotz: Die Kämpfe gegen die teils riesigen Bossgegner fordern etwas mehr vom Spieler, kommen aber wie die Standard-Auseinandersetzungen zu einfach daher. am Setsuna in spielerischer Hinsicht leider am mehreren Stellen krankt. So ist das Abenteuer zutiefst linear. Trotz der eigentlich frei begehbaren Oberwelt begeben wir uns lediglich von einem Ort zum nächsten und dort durch Pfade ohne allzu viele Abzweigungen. Gegen Ende wird es ein kleines bisschen offener, das ist aber zu spät und zu wenig. Außerdem ist die Spielzeit mit knapp 20 Stunden - je nach Herangehensweise etwas kürzer oder länger - für das Genre recht knapp bemessen.

Zu guter Letzt bietet der Titel spielerisch einfach zu wenig, um über die volle Spieldauer hinweg zu begeistern. Das zu Beginn eingeführte ATB-Kampfsystem, bei dem wir unsere Aktionen immer dann setzen dürfen, sobald sich eine bestimmte Leiste gefüllt hat, entwickelt sich im späteren Verlauf des Abenteuers kaum weiter. Zudem kennt man es fast genauso aus viel zu vielen anderen Spielen - hier wäre statt Nostalgie ein wenig mehr Innovation wünschenswert gewesen. Die Individualisierungsmöglichkeiten via Ausrüstung, Spezialfähigkeiten und Co. kommen ebenfalls ausgesprochen rudimentär daher. Das heißt nicht, dass die Kämpfe in I am Setunsa per se keinen Spaß machen, sie wirken aber einfach reichlich belanglos. Das ist sehr schade, denn präsentationstechnisch und aufgrund der sympathischen Figuren wird uns der charmante Ausflug noch für eine lange Zeit im Gedächtnis bleiben.

Meinung

Wertung zu I Am Setsuna (PS4)

Wertung:

8.0 /10

Wertung zu I Am Setsuna (PC)

Wertung:

8.0 /10
Pro & Contra
Wunderschöne AtmosphäreEmotionale GeschichteGut umgesetztes ATB-KampfsystemHübsche Neo-Retro-Grafik
Ruht sich zu sehr auf Vorbildern ausEinige gestreckt wirkende PassagenZiemlich linearSpielerisch sehr simpel
Fazit

Weiß, was es sein will – eine Hommage –, bietet ansonsten aber zu wenig.

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