Homefront: The Revolution Vorschau - Koop-Modus erstmals gespielt: Mehr B-Ware als AAA-Spiel - Update: jetzt mit Video

Special Peter Bathge
Nur bei den Licht- und Feuereffekten lässt die Cryengine 3 in Homefront: The Revolution die Muskeln spielen.
Quelle: Deep Silver

(K)ein gewöhnlicher Multiplayer-Modus: Wir absolvieren Koop-Missionen im von Nordkoreanern terrorisierten Philadelphia. Hat Homefront: The Revolution zumindest Außenseiter-Chancen im Rennen um den Titel "Bester Ego-Shooter 2016"? Unsere Vorschau samt langem Gameplay-Video klärt auf!

Der Begriff AAA (ausgesprochen Triple A) hat sich als Bezeichnung für aufwendig produzierte und aggressiv beworbene Millionenprojekte in der Spiele­branche durchgesetzt. Homefront: The Revolution will solch ein AAA-Titel sein. Tatsächlich spielt es sich derzeit aber eher wie B-Ware.

Kein guter Ersteindruck

Bereits die Gameplay-Premiere auf der Gamescom 2015 rief bei mir Skepsis hervor: Die Grafik war mau, das Spielgefühl schwammig, die Aufgabenstellungen in dem frei begehbaren Missionsgebiet schwankten zwischen undurchsichtig und langweilig. Ja nicht einmal der Kern eines jeden Ego-Shooters, das Ballern an sich, konnte vollends überzeugen. Homefront: The Revolution machte den Eindruck eines durch und durch überflüssigen Spiels. An den Einzelspielermodus, in dem ich als US-amerikanischer Rebell gegen nordkoreanische Invasoren kämpfe, tackert Entwickler Dambuster Studios noch einen Koop-Modus an. Vielleicht, so dachte ich mir, macht das Ganze ja im Verbund mit anderen Spielern mehr Spaß? Zwei Stunden mit einer frühen PC-Version sollten mich eines Besseren belehren.

Kostenloser Nachschub

Vier Spieler treten in zwölf Missionen gegen KI-Soldaten an; nach der Veröffentlichung sollen kostenlose Patches über das Jahr verteilt noch einmal so viele Aufträge liefern. Die Levels sind in Anlehnung an den Einzelspielermodus recht weitläufig und erlauben teils mehrere Routen zu den wechselnden Missionszielen. Einmal gilt es einen Außenposten gegen Angreifer zu verteidigen, dann müssen wir eine bestimmte Anzahl an Widersachern ausschalten, einen Konvoi beschützen oder nachts eine feindliche Basis infiltrieren.

Das ist grundsätzlich abwechslungsreich und erfordert ab und zu sogar ein gewisses Maß an Taktik. Denn Schleichen ist in Homefront: The Revolution eine Option, ab dem normalen Schwierigkeitsgrad sogar empfohlen. Der Anspruch ist hoch und der Koop-Modus darauf ausgelegt, die Einsätze immer und immer wieder zu spielen und auch aus Niederlagen Erfahrungspunkte und Geld mitzunehmen. Mit schallgedämpften Schießeisen und lautlosen Takedowns bleibt ihr unter dem Radar der Nordkoreaner. Das läuft ähnlich ab wie in Far Cry 4. Quelle: Deep Silver Mit schallgedämpften Schießeisen und lautlosen Takedowns bleibt ihr unter dem Radar der Nordkoreaner. Das läuft ähnlich ab wie in Far Cry 4.

Mikrotransaktionen, yay!

Eurer Koop-Figur verpasst ihr einen Lebenslauf à la 'Krankenschwester', das hat Einfluss auf den Talentbaum. Quelle: Deep Silver Eurer Koop-Figur verpasst ihr einen Lebenslauf à la "Krankenschwester", das hat Einfluss auf den Talentbaum. Mit den beiden Währungen kauft ihr für euren selbst erstellten, permanenten Koop-Charakter neue Skills, Waffen und Ausrüstungsgegenstände, einige davon rein kosmetischer Natur. Und dann gibt es da noch sogenannte Booster, die jeweils eine Partie lang Widerstandsfähigkeit, Schaden oder XP-Verdienstrate steigern. Wem das Freischalten neuer Inhalte trotzdem zu lange dauert, der wird zudem echtes Geld in die Hand nehmen können.

Allerdings lassen sich auch damit lediglich Kartenpakete kaufen, deren Inhalte vom Zufall bestimmt werden. Ob in einem Waffenpaket jetzt eine Schrotflinte oder ein Scharfschützengewehr steckt, darauf habt ihr also keinen Einfluss. Die Items gibt's auch noch in drei verschiedenen Qualitätsstufen. Insgesamt macht das Upgrade-System einen eher unausgegorenen Eindruck. Wir stellen es uns ziemlich deprimierend vor, jede Menge Credits für Waffenpakete auszugeben, nur um immerzu solche Schießeisen zu erhalten, an denen wir kein Interesse haben.

Die Spielwel ist - zumindest in der bislang gezeigten roten Zone - äußerst eintönig und matschig braun. Quelle: Deep Silver Die Spielwel ist - zumindest in der bislang gezeigten roten Zone - äußerst eintönig und matschig braun.

Tristesse dominiert

Die Aussicht darauf, die Koop-Einsätze für die Chance auf bessere Ausrüstung wieder und wieder zu spielen, hat bei mir und den anderen anwesenden Journalisten nicht eben für Jubelstürme gesorgt. Zu beliebig wirkt vieles an Homefront: The Revolution. Ja, in einem Viererteam Gegner abzuknallen, sich abzusprechen und Verbündete wiederzubeleben macht einigermaßen Spaß. Mit Freunden besitzt eben so gut wie jedes Koop-Spiel einen gewissen Unterhaltungswert. Aber die Schießereien fühlen sich seltsam schwammig an, das Waffen-Feedback ist schwach, das Ausknipsen von Feinden wird nach kurzer Zeit zum drögen Standard. Nichts reißt einen aus der Benommenheit hervor, es gibt keine Überraschungen, keine einzigartigen Elemente, die Homefront: The Revolution im Koop-Modus auszeichnen.

Wenn ihr entsprechende Aufsätze gekauft habt, könnt ihr eure Waffen wie in Crysis unterwegs ummodeln. Quelle: Deep Silver Wenn ihr entsprechende Aufsätze gekauft habt, könnt ihr eure Waffen wie in Crysis unterwegs ummodeln. Ja, ihr könnt ab und zu mit dem Motorrad durch die Straßenschluchten heizen, könnt Wurfgegenstände wie Molotowcoktails und Sprengladungen aus gesammelten Rohstoffen herstellen und eure schallgedämpfte Pistole mitten auf dem Schlachtfeld zu einer Uzi umbauen. Aber letztlich bleibt doch die Frage: Warum nicht gleich Call of Duty: Black Ops 3 spielen? Das sieht teils - obwohl 2015 erschienen - besser aus als Dambusters neuer Ego-Shooter.

Bei Homefront: The Revolution kommt die Cryengine 3 zum Einsatz, doch sichtbar ist diese theoretische Grafikpower nur ganz selten. Etwa bei den Lichteffekten. Wer mit Molotowcocktails den Asphalt in Brand setzt, der wird von den Flammen geblendet. Einen ähnlichen Effekt haben die Taschenlampen der Nordkoreaner, wenn wir in einer Nachtmission durch die zerbombte US-Stadt Philadelphia kriechen. Doch solche Mini-Highlights werden in den bislang gezeigten Umgebungen von der generellen Detailarmut der Optik und den vorherrschenden Grau- und Brauntönen erstickt. Dazu kamen in der gespielten Beta-Version jede Menge Glitches.

Der Schwierigkeitsgrad von Homefront: The Revolution ist gesalzen und das ist laut Entwickler auch so beabsichtigt. Quelle: Deep Silver Der Schwierigkeitsgrad von Homefront: The Revolution ist gesalzen und das ist laut Entwickler auch so beabsichtigt. Oftmals sackte mein Charakter tot zu Boden, ohne dass der Grund dafür ersichtlich gewesen wäre. Panzer schossen durch Wände und Gegner teleportierten sich wie wild durch die Gegend oder standen kurzzeitig in der Luft. Angeblich handelte es sich zu Präsentationszwecken um eine ältere Fassung des Spiels, aus der Dambusters viele Fehler bereits entfernt hat. Nachprüfen lässt sich das erst bei Release. Dem sehe ich weiterhin mit tiefen Sorgenfalten auf der Stirn entgegen: Wenn Dambusters nicht noch ein Ass für den Einzelspielermodus im Ärmel hat, könnte das neue Homefront einer der Flops des Jahres 2016 werden.

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