Hemmungslose Gäste bei Meat Kings bizarrer SM-Party.
Schleicher oder Massenmörder?
Die besondere Stärke der Hitman-Reihe war schon immer, dass der Spieler beinahe vollkommene Freiheit hat, wie er seine Aufträge abschließt, was heißt, dass dem Spieler mehrere Möglichkeiten zur Verfügung stehen, den Abschnitt zu beenden. Während Metal Gear Solid relativ linear abläuft, kann der Spieler hier seine Ziele auf mehreren Wegen erreichen. Selbstverständlich kann 47 in Rambo-Manier seine Gegner aus dem Weg räumen, aber besonders aggressiven oder ungeduldigen Naturen sollte klar sein: Wer sich seinen Weg über Leichen bahnt, wird in späteren Levels nicht immer einfach ans Ziel kommen. Dort wird ein Durchkommen einfacher sein, wenn man beispielsweise die vielfältigen Möglichkeiten zur Tarnung ausschöpft (unbedingt das Anlegen der Kleidung von Opfern nicht vergessen!) und sich möglichst unauffällig bewegt, was allerdings deutlich mehr Hirnschmalz und Geduld erfordert. Dafür bietet jeder Level mehrere Lösungswege: Bringen Sie Ihr Opfer in einer dunklen Ecke um, vergiften Sie es mit einem Drink, überraschen Sie es während des Vollzugs seiner ehelichen Pflichten im Bett oder legen Sie es einfach kaltblütig um? Der Wermutstropfen dabei ist allerdings, dass die Entwickler anscheinend nicht alle Lösungswege zu Ende gedacht haben - denn was nützt Ihnen der Hinweis, dass in einem Brathuhn etwas versteckt werden kann, wenn Sie nichts reinstecken können? Ebenso wichtig für eine leise Vorgehensweise ist die Art, wie Gegner aus dem Weg geschafft werden. Die obligatorische Klaviersaite etwa ist bei dezibelsensiblen Wachen ebenso wie die Spritze oder schallgedämpfte Silverballers weniger auffällig als beispielsweise eine Uzi. Eine große Hilfe zum Einschätzen der aktuellen Lage bietet Ihnen immer die Karte des Abschnittes, die alle notwendigen Informationen schnell abrufbereit hält. Trotzdem ist Hitman: Contracts mitunter so schwer, dass man sich - gerade wegen des nahezu unmenschlich schweren letzten Levels - einen zusätzlichen "Easy"-Schwierigkeitsgrad gewünscht hätte.
Viel Schatten, wenig Licht
Die meiste Zeit bewegen Sie sich in eher dunklen Umgebungen. Das liegt einerseits an dem von den Entwicklern beabsichtigten düsteren Stil und zum anderen an der dadurch besseren Arbeitsumgebung für den Profikiller. Daraus ergab sich eine echte Herausforderung für die Entwickler, die das grafische Zusammenspiel zwischen Licht und Schatten, verschiedenen Witterungsbedingungen und Umgebungen ordentlich auf der PS2 realisieren mussten, was ihnen hervorragend gelungen ist. Nicht so gut in den Griff bekamen die Entwickler die Clippingfehler. So sieht man das eine oder andere Element oder gar einen ganzen Wärter durch eine geschlossene Tür, was besonders ärgerlich ist, wenn der Wärter dann auf einmal im Raum steht. Ebenso unangenehm fällt die KI der Figuren auf, die 47 schon mal durch den Raum schieben, statt um ihn herumzulaufen. Auch bei der Animation von 47 hätte man durchaus nachbessern können - noch immer vermittelt der Killer gelegentlich den Eindruck eines Eisläufers statt eines Fußgängers.
Hitman: Contracts punktet vor allem bei Spannung und Atmosphäre, unterstützt durch den genialen Soundtrack von Jesper Kyd. Trotz aller Kleinigkeiten, die eine noch höhere Wertung verhindern, ist es ein gut präsentiertes Action-Adventure, das vor allem für geduldige Profizocker der ideale Frühlingsbegleiter ist.
