Hitman 2: Der Meuchelmörder kehrt zurück - sein siebter Auftritt im Test

Test Sara Petzold
Hitman 2: Der Meuchelmörder kehrt zurück - sein siebter Auftritt im Test
Quelle: iO Interactive

Der Singleplayer-Modus von Hitman 2 im Test: Hitman 2 setzt nahtlos die Geschichte des Vorgängers von 2016 fort. Entwickler iO Interactive beschränkt sich dabei primär auf diverse Detailverbesserungen. Ob das ausreicht, klären wir im Test.

Ein einsames Haus am Strand, das Rauschen der Wellen, eine sanfte Brise: Klingt wie der perfekte Ort für einen entspannten Urlaub - wenn wir uns nicht gerade als Agent 47 im Schutz der Nacht mit einem Schlauchboot den sandigen Dünen genähert hätten.

Unsere Mission ist klar: Wir sollen den sogenannten Schattenklienten finden und das Haus, das wir in einigen hundert Metern Entfernung ausmachen, ist unser erstes Ziel.
Wir befinden uns in der Tutorial-Mission von Hitman 2, der neusten Inkarnation der Stealth-Serie, in der wir in die Rolle des mysteriösen Killers Agent 47 schlüpfen. Bereits bei unserem ersten Auftrag wird deutlich: In Sachen Atmosphäre haben sich die Entwickler von iO Interactive ordentlich ins Zeug gelegt. Das Geräusch der tosenden Wellen, die sich im Wind wiegenden Grashalme und der düstere Nachthimmel erschaffen eine Kulisse, die uns sofort in das Geschehen eintauchen lässt. Wenn dann noch unsere nassen Fußspuren im Sand zurückbleiben und wir uns vorsichtig den Weg zu dem Haus in den Dünen bahnen, macht sich schnell ein Gefühl der Anspannung und Begeisterung breit.

Bei genauerem Hinsehen offenbart die Kulisse von Hitman 2 (jetzt kaufen 39,90 € ) allerdings auch einige Risse: Die Grashalme bewegen sich erratisch im Wind und reagieren nicht auf die Bewegungen von Agent 47, ebenso bemerken wir bald vereinzelte unsaubere Texturen. Diese kleinen Makel sollen sich als frühe Vorboten der kleinen und größeren Mängel erweisen, die Hitman 2 eine Topwertung verhageln.

Hitman 2 ist wie nach Hause kommen

Wer schon einmal einen Hitman-Titel gespielt hat, weiß, was ihn erwartet. Insbesondere Kenner des Vorgängers von 2016 finden sich schnell zurecht. Für alle anderen bietet die Tutorial-Mission einen sanften Einstieg, der Serien-Fans gleichzeitig aber auch nicht unterfordert: Mit dem Haus am Strand steht uns bei unserem ersten Auftrag ein begrenztes Areal zur Verfügung, das wir infiltrieren müssen.

Anschließend sammeln wir Informationen und töten unser erstes Ziel, bevor wir möglichst unbemerkt entkommen. Dabei verzichten die Entwickler auf patronisierende Zwangsmaßnahmen und lassen uns von Anfang an alles tun und lassen, was wir wollen - lediglich garniert mit unaufdringlichen Anzeigen zur Steuerung und grundlegenden Spielmechaniken.

Unsere Vorgesetzte Diana befindet sich mit uns in ständigem Kontakt und erklärt uns während des Tutorials genau, was wir tun müssen. Auf diese Weise wirkt die Einführungsphase des Spiels nicht aufgesetzt und fügt sich stattdessen nahtlos in die Hauptstory des Spiels ein.

Gameplay ist wichtiger als Story

Apropos Hauptstory: Die Geschichte von Hitman 2 hält keine großen Überraschungen bereit. Sie setzt die Erzählung des Vorgängerspiels fort, entbehrt allerdings größerer Highlights. Wir bekommen größtenteils Standardkost serviert: Als Agent 47 begeben wir uns auf die Spur des Schattenklienten, um unser Gedächtnis wiederzuerlangen und - wie immer - jede Menge bösen Menschen den Garaus zu machen.
Die Zwischensequenzen nach jeder Mission bestehen in Hitman 2 aus gerenderten Standbildern.<br>
  Quelle: PCGames Die Zwischensequenzen nach jeder Mission bestehen in Hitman 2 aus gerenderten Standbildern.
 
Dass die Entwickler mehr Wert auf das Gameplay als auf die Geschichte von Hitman 2 gelegt haben, merkt man auch der grafischen Umsetzung an: Teilweise gibt es Zwischensequenzen in Spielegrafik, die allerdings vor allem durch steife Animationen und mäßige Lippensynchronisation auffallen. Nach jeder Mission gibt es dann noch ein separates Story-Video, dass allerdings nur aus Standbildern im Renderformat besteht. Die sind zwar durchaus atmosphärisch und schön anzusehen, können aber mit bewegten Szenen doch nicht ganz mithalten.

Grafik und Sound: Mit Agent 47 in der Trabantenstadt

Ein ähnlicher Eindruck stellt sich ein, wenn wir die Grafik von Hitman 2 insgesamt einer näheren Betrachtung unterziehen. Denn der positiven Eindruck, den wir im Rahmen der Tutorial-Mission zunächst erhalten haben, bleibt nicht das ganze Spiel über bestehen. Die bereits angesprochenenen starren Gesichtsanimationen der Charaktere können wir noch verschmerzen. Allerdings wird an anderen Stellen schnell deutlich, wie sehr die Entwickler versuchen, mit viel Blendwerk eklatante Schwächen der Spielegrafik zu übertünchen.

In einer Unterführung im Miami-Level fallen uns spät nachladende Texturen auf.<br>
  Quelle: PCGames In einer Unterführung im Miami-Level fallen uns spät nachladende Texturen auf.
 
Ein paar Beispiele gefällig? Als wir im Level Miami durch eine Unterführung laufen, fallen uns mehrere Graffiti an den Wänden auf. Das Problem dabei: Die Texturen erscheinen zunächst extrem unscharf und sind erst nach mehreren Sekunden vollständig geladen. In Kolumbien hinterlässt Agent 47 dann - im Gegensatz zur Tutorial-Mission - keine Fußspuren mehr auf den schlammigen Wegen. Die sind stattdessen mit statischen Texturen versehen. Schließlich haben es die Entwickler ebenfalls verabsäumt, einen Kritikpunkt des Vorgängers auszubügeln: Insbesondere in denjenigen Levels, wo uns besonders große Menschenmassen begegnen, fallen uns zahlreiche Klone auf. Zivilisten und Passanten existieren nur in wenigen unterschiedlichen Varianten, unsere Gegner sehen des Öfteren aus wie eineiige Zwillinge. Lediglich diejenigen NPCs, die im Rahmen der diversen Mission-Stories auftreten, besitzen individuell gestaltete Figurenmodelle.

Wie schon im Vorgänger ist dafür die Synchronisation der Hauptfiguren sehr gut gelunden - insbesondere David Bateson macht wie gewohnt einen herausragenden Job. Aus diesem Grund hat Warner Bros. vermutlich auch auf eine deutsche Sprachausgabe verzichtet, wir bekommen lediglich englische Sprache mit deutschen oder Untertiteln auf die Ohren. Auch die Nebencharaktere, denen wir in den Mission Stories begegnen, wirken glaubhaft gesprochen.

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