Heavy Rain im Test: So spielt sich die Hatz nach dem Origami-Killer - PC-Update

Test Christian Dörre Matthias Dammes 17,91 €
Heavy Rain im Test: So spielt sich die Hatz nach dem Origami-Killer - PC-Update
Quelle: Computec Media GmbH

Nach Beyond: Two Souls bekommt nun auch Heavy Rain eine Neuauflage für die PS4 spendiert. Wir haben die aufgebohrte Version des PS3-Klassikers von Quantic Dream gespielt und sagen euch, ob sich die Jagd nach dem Origami-Killer für Neueinsteiger und Besitzer des Originals überhaupt lohnt.

Bereits Ende letzten Jahres erschien die Neuauflage des Quantic-Dream-Titels Beyond: Two Souls als Download für die PS4 und konnte trotz einiger etwas angestaubter Elemente in unserem Test durchaus überzeugen. Ab dem 2. März ist nun auch der PS3-Klassiker Heavy Rain (jetzt kaufen / 17,91 € ) in aufgebohrter Fassung für die PS4 erhältlich, sowohl einzeln als Download im PSN als auch in einer Retail-Variante zusammen mit dem erwähnten Beyond: Two Souls. Wir haben uns erneut auf die Jagd nach dem Origami-Killer in Heavy Rain begeben und sagen euch in diesem Test, ob der Titel auch in dieser Konsolengeneration noch empfehlenswert ist.

Die PS4-Version von Heavy Rain im Test: Großes Drama, minimales Gameplay

Immer wieder müsst ihr Entscheidungen treffen, den den weiteren Spielverlauf und eure Beziehungen zu anderen Charakteren bestimmen. Quelle: Computec Media GmbH Immer wieder müsst ihr Entscheidungen treffen, den den weiteren Spielverlauf und eure Beziehungen zu anderen Charakteren bestimmen. Zunächst einmal für alle, die den Titel auf der PS3 verpasst haben: Heavy Rain ist genau wie das drei Jahre später erschienene Beyond kein typisches Spiel. Der Titel versteht sich (typisch für Spiele von Quantic Dream) mehr als interaktiver Film, in dem ihr mit euren Entscheidungen die Geschichte beeinflusst und so auf eines von mehreren Enden hinsteuert. Dementsprechend ist das Gameplay simpel gehalten. Action-Sequenzen meistert ihr in Quicktime-Events, in denen ihr rechtzeitig auf eine angezeigte Taste drücken müsst. Seid ihr zu langsam oder drückt auf den falschen Knopf, ist das Spiel jedoch nicht vorbei. Befindet ihr euch beispielsweise in einem Kampf und verdrückt euch auf dem Gamepad, kassiert ihr im schlimmsten Fall eine ordentliche Schelle von eurem Gegner und die Rangelei geht weiter. Einen klassischen Game-Over-Bildschirm gibt es nicht, was aber auch nicht bedeutet, dass die vier spielbaren Figuren nicht draufgehen können.

Profiler Norman Jayden ermittelt in dem Mordfall mit der neuesten Technik. Quelle: Computec Media GmbH Profiler Norman Jayden ermittelt in dem Mordfall mit der neuesten Technik. Neben den Action-Passagen dürft ihr euch zudem an den zahlreichen Dialogen mit anderen Charakteren aktiv beteiligen. Hierfür habt ihr verschiedene Antwortmöglichkeiten. Wenn ein Polizist unserem FBI-Profiler immer wieder verbale Spitzen entgegenbringt, dürfen wir uns beispielsweise entscheiden, ob wir dem missmutigen Cop gelassen oder genervt begegnen. Während wir in der ersten Variante die Worte des Gegenübers einfach als nichtig abtun, wird unser Charakter bei der zweiten Möglichkeit richtig sauer und legt sich mit seinem Kollegen an. Durch diese Entscheidungen in den Gesprächen beeinflusst man deutlich die Beziehung der jeweiligen Charaktere zueinander. Lesetipp: Unsere Heavy Rain Komplettlösung bietet Tipps zum Überleben aller Charaktere sowie einen Trophäen-Guide zur PS4 Neuauflage.

Ihr drückt allerdings nicht nur auf Knöpfchen und führt Gespräche, sondern dürft euch in den kleinen Arealen auch immer wieder mal frei bewegen, um die Umgebung nach nötigen Hinweisen abzusuchen. Nun, zumindest wenn euch die hakelige Steuerung keinen Strich durch die Rechnung macht. Diese war schon auf der PS3 nervig und wurde für die Neuauflage leider nicht angepasst. Mit dem linken Analogstick bewegt ihr ausschließlich den Kopf und damit den Blick eurer Figur, mit dem rechten Stick hingegen interagiert ihr mit Objekten in der Umgebung. Wer laufen möchte, muss dafür R2 gedrückt halten. Als wäre das nicht umständlich genug, dreht sich oftmals plötzlich die Kamera. Nach etwas Eingewöhnung kommt man mit der Steuerung zwar klar, ungenau bleibt sie jedoch die gesamte Zeit. Action-Passagen werden in gewohnter Quantic-Dream-Manier in Quicktime-Events gemeistert. Quelle: Computec Media GmbH Action-Passagen werden in gewohnter Quantic-Dream-Manier in Quicktime-Events gemeistert.

Die PS4-Version von Heavy Rain im Test: Auf der Spur des Killers

So minimalistisch das Gameplay auch sein mag, den Entwicklern von Quantic Dream ist es in Heavy Rain viel wichtiger, eine spannende Geschichte zu erzählen und eine dichte Atmosphäre zu kreieren und das gelingt ihnen über die meiste Zeit ausgezeichnet. Heavy Rain zieht den Spieler in einen Sog aus Gewalt, Dunkelheit und menschlichen Abgründen. Der scheinbar unaufhörliche Regen erschafft zudem eine ungemein bedrückende Stimmung, die hervorragend zur Handlung passt.

Heavy Rain konfrontiert euch immer wieder mit sehr emotionalen Szenen. Wenn Ethan seinem Sohn schweigend beim Essen zusieht, sagt seine deprimierte Mimik mehr als tausend Worte. Quelle: Computec Media GmbH Heavy Rain konfrontiert euch immer wieder mit sehr emotionalen Szenen. Wenn Ethan seinem Sohn schweigend beim Essen zusieht, sagt seine deprimierte Mimik mehr als tausend Worte. In der Stadt sorgt nämlich der sogenannte Origami-Killer für Angst und Schrecken. Dieser entführt kleine Kinder, die erst Tage später wieder aufgefunden werden. Tot und mit einer kleinen Origami-Figur in einer Hand. In Heavy Rain steuert ihr vier verschiedene Charaktere, welche unterschiedliche Motivationen haben, den Mörder zu fassen. Scott Shelby ist ein in die Jahre gekommener Privat-Detektiv, der von Eltern ermordeter Kinder engagiert wurde und selbstständig ermittelt, Norman Jayden hingegen ist FBI-Profiler und soll den Killer mit den modernsten Mitteln der Technik aufspüren, während Reporterin Madison Paige auf der Suche nach der großen Story ist.

Der eigentliche Hauptcharakter ist jedoch Ethan Mars, dessen eigener Sohn entführt wurde. Der Origami-Killer stellt dem Vater immer wieder unfassbar grausame Aufgaben, in denen er beweisen soll, wie weit er geht, um einen geliebten Menschen zu retten. Doch obendrein wird der psychisch gebrochene Ethan immer wieder von mysteriösen Blackouts heimgesucht, die ihn noch weiter in die Arme des Wahnsinns treiben. Selbstverständlich kreuzen sich die Pfade der Figuren im Verlaufe des Spiels und sorgen so immer wieder für Spannungshöhepunkte.

Überhaupt ist die Geschichte von Heavy Rain unheimlich fesselnd erzählt. Perfekt ist die Story dennoch nicht. Gerade gegen Ende des Spiels werden zahlreiche Logiklöcher deutlich und einige Zur Spannung beitragenden Elemente werden nicht aufgelöst. Schön hingegen: die kurzen DLCs der PS3-Fassung sind in der PS4-Version integriert. Die Story-Schnipsel retten die Erzählung allerdings auch nicht vor den narrativen Sackgassen, in die sich Autor David Cage so gerne reinschreibt.

Die PS4-Version von Heavy Rain im Test: Technisch leicht verbessert

Am Gesicht von Madison Paige lässt sich das Alter von Heavy Rain mittlerweile ablesen. Ihre Gesichtszüge wirken ziemlich steif. Quelle: Computec Media GmbH Am Gesicht von Madison Paige lässt sich das Alter von Heavy Rain mittlerweile ablesen. Ihre Gesichtszüge wirken ziemlich steif. Wer die PS3-Fassung noch zu Hause hat, muss jedoch nicht unbedingt zur Neuauflage greifen. Technisch hat sich nämlich nicht besonders viel getan. Heavy Rain profitiert zwar von der höheren Auflösung und wirkt dadurch etwas feiner, dennoch merkt man die mittlerweile fast sechs Jahre seit dem ersten Release deutlich. Die Gesichter der männlichen Figuren sind zumeist toll modelliert, während weibliche Charaktere oftmals seltsam emotionslose, ja fast tot wirkende Visagen haben. Zudem sind einige Objekte im Hintergrund recht verwaschen texturiert und etwas zu eckig. Das teils auffällige Kantenflimmern des Originals hat man jedoch in den Griff bekommen. Ohnehin sieht Heavy Rain für sein Alter immer noch recht fesch aus. Alleine für die kleinen technischen Aufbohrungen lohnt sich eine erneute Anschaffung unserer Meinung nach jedoch nicht.

Update: PC-Version

Es hat nur fast 10 Jahre gedauert, aber jetzt ist Heavy Rain auch für PC erschienen. Technisch unterscheidet sich das Spiel dabei kaum von der PS4-Neuauflage, mit dem Unterschied, dass nun natürlich auch einen Bedienung per Maus und Tastatur unterstützt wird. Dabei gehen allerdings die seinerzeit recht innovativen Bewegungskomponenten verloren, bei denen die Entwickler das volle Potential der Sixaxis-Funktionen des Playstation-Controllers ausgenutzt haben. Dafür müsst ihr jetzt die Maus je nach Situation teils heftig über das Mauspad hin und her bewegen. Auch die Gestensteuerung der Analogsticks wurde auf Mausbewegungen übertragen. Stellt also sicher, dass ihr auf eurer Nagerunterlage genügend Spielraum habt. Seine Hakeligkeit kann die Steuerung von Heavy Rain auch mit Maus/Tastatur nicht wirklich ablegen. Das liegt unter anderem auch an der teils nervigen Kameraführung, die immer wieder plötzlich die Bewegungsrichtung des Charakters ändert. Optisch sieht das Spiel zwar besser aus, als man es von einem fast zehn Jahre alten PS3-Titel erwarten würde. Die teilweise zu steifen Gesichter, wenige Umgebungsobjekte und verwaschene Texturen lassen aber auch keine Zweifel am Alter des Originals aufkommen. Durch Full-HD-Auflösung, 60 FPS und ordentliche Kantenglättung lässt sich das Spiel aber nach wie vor gut anschauen.

Meinungen

Wertung zu Heavy Rain (PS4)

Wertung:

9.0 /10

Wertung zu Heavy Rain (PC)

Wertung:

8.0 /10
Pro & Contra
Spannende StoryGut geschriebene CharaktereHervorragende SoundkulisseExzellente deutsche und englische SprecherDichte AtmosphäreTolle Inszenierung
Zahlreiche Logiklöcher gegen Ende der StoryHakelige Steuerung (auch mit Maus/Tastatur)Teils nervige KameraTechnisch nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit
Fazit

Trotz einiger Logikfehlern ein toller spielbarer Thriller.

Bildergalerie

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