Halo Infinite: Dank Open World das beste Halo? Test mit Video

Test Felix Schütz
Halo Infinite: Dank Open World das beste Halo? Test mit Video
Quelle: PC Games

Wir hören die Kritiker schon mit den Hufen scharren: Das neue Halo macht vieles anders, will sich gleichzeitig aber auf alte Stärken berufen. Es ist ein Kunststück, das 343 nur teilweise gelingt: Halo Infinite glänzt im Test mit satter Action und tollem Schauplatz, schwächelt aber an anderen Punkten, die auf die Wertung drücken. Update: Jetzt auch mit großem Video-Review!

Aber auch im Kampf würde Batman glatt neidisch werden: Mit dem Greifhaken klaubt ihr Waffen aus der Ferne auf, schnappt euch explosive Kanister oder zieht euch an entfernte Gegner ran. Dabei werden die Feinde kurzzeitig mit einem Stromschlag betäubt, später könnt ihr außerdem noch einen mächtigen Nahkampfangriff dranhängen, der alle Feinde in der Nähe umhaut. Wenn ihr von einem feindlichen Banshee angegriffen werdet, könnt ihr euch per Greifhaken an den Flieger dranhängen und den Piloten aus dem Cockpit kicken - das klappt sogar in der Luft. Lässiger geht's kaum.

Zusätzlich gibt es noch drei weitere Ausrüstungsteile, die ihr mit der Zeit freischaltet: Einen nützlichen Scanner, der Gegner durch Wände sichtbar macht. Einen Energieschild, der euch im Kampf etwas Luft verschafft. Und die bekannten Schubdüsen aus Halo 5. Die wirken im Vergleich zum Greifhaken zwar anfangs überflüssig, aber dafür könnt ihr sie mit einem Unsichtbarkeitseffekt aufwerten, was sie im Kampf wesentlich wertvoller macht. Denn auch das ist neu: Zum ersten Mal in Halo könnt ihr eure Ausrüstung mit Spartan-Kernen aufwerten, die kreuz und quer in der Spielwelt verteilt sind. Neben den vier Grundfertigkeiten dürft ihr so auch eure Panzerung in fünf Schritten verbessern, was spätestens im Schlusskampf unverzichtbar ist. Also schnappt euch die Kerne, wo ihr nur könnt!

Mit dem elektrisch geladenen Greifhaken ziehen wir uns an einen Brute heran. Quelle: PC Games Mit dem elektrisch geladenen Greifhaken ziehen wir uns an einen Brute heran.

Tolle Welt, dürftiger Inhalt

Spartan-Kerne sind nur ein Teil der neuen Nebenaufgaben, die ihr auf Zeta Halo erledigen könnt. Für einen besseren Überblick steuert ihr zuerst einen feindlichen Vorposten in der Nähe an und erobert ihn zurück. Dadurch könnt ihr ihn künftig als Schnellreisepunkt nutzen, außerdem werden in der Nähe alle Nebenaktivitäten auf eurer Map eingezeichnet, die aber leider ziemlich dürftig ausfallen: Neben den Spartan-Kernen gibt es beispielsweise auch Rüstungskisten, die Skins für den Mehrspielermodus enthalten - das ist so spannend, wie es klingt. Außerdem lassen sich gut versteckte Schädel finden, die ihr dann im Hauptmenü aktivieren dürft, um dadurch Bonuseffekte und Sonderregeln freizuschalten (mehr dürfen wir dazu nicht verraten). Zu den spaßigeren Aktivitäten zählen eher die großen Stützpunkte der Banished, in denen ihr euch zu mehreren Missionszielen durchkämpfen müsst. Kompliziert wird das Ganze aber nie, die Action steht im Vordergrund: Knöpfe drücken, Silos in die Luft jagen, Tore öffnen, unterwegs vielleicht mal ein paar gefesselte Soldaten befreien - das war's im Wesentlichen.
Wenn ihr solche Generatoren zerstört, schließen sich die Gefangenen eurem Kampf an. Quelle: PC Games Wenn ihr solche Generatoren zerstört, schließen sich die Gefangenen eurem Kampf an. Ein weiterer Zeitvertreib sind die hochrangigen Gegner, die wie Mini-Bosse über die Spielwelt verteilt sind. Sie alle sind nicht nur stark gepanzert, sondern auch mit Sonderwaffen ausgestattet und teilen damit kräftig aus. Nach eurem Sieg dürft ihr die Wumme eurem Arsenal hinzufügen, dabei handelt es sich immer um bekannte Alien-Waffen in stärkeren Ausführungen. So erhaltet ihr beispielsweise einen Needler, der präzise ins Ziel trifft und damit auch auf mittlere Entfernung zu gebrauchen ist. Das ist zwar cool, fällt auf lange Sicht jedoch nicht ins Gewicht: Da ihr die Sonderwaffen zwar nachladen, aber nicht bei besiegten Feinden finden könnt, verlieren sie spätestens in den Hauptmissionen schnell an Bedeutung.

Einfach durchmarschieren? Auch ok.

Indem ihr Nebenaufgaben abhakt und Soldaten in Not helft, erhaltet ihr Tapferkeitspunkte. Je mehr ihr davon sammelt, desto mehr Waffen und Fahrzeuge werden an den Vorposten freigeschaltet. Dort könnt ihr euch also nach Belieben eindecken, wer mag, schnappt sich ein Energieschwert und einen Raketenwerfer, ruft sich einen Panzer herbei und gabelt unterwegs noch einen NPC-Soldaten zur Unterstützung auf. Damit macht ihr so ziemlich alles platt. Und spätestens wenn ihr das Wespe-Fluggerät freigeschaltet habt, könnt ihr die prachtvolle Open World so schnell erkunden, dass man die Symbole auf der Karte ruck zuck abgehakt hat. Wirklich viel bringt einem das aber ohnehin nicht, es gibt schließlich keine Erfahrungspunkte oder Level. Bis auf eine Handvoll Spartan-Kerne und ein paar Vorposten braucht man die ganzen Nebenaufgaben schlichtweg nicht zu machen, wenn man keine Lust darauf hat. Das geht dann aber stark zu Lasten der Spielzeit: Wer nur die Hauptquest verfolgt und nebenher ein paar Zusatzaufgaben erledigt, ist problemlos in 15 Stunden durch. Wer alles mitnehmen will, kann nochmal zehn Stunden drauflegen. Das ist zwar für ein Halo-Spiel umfangreich, aber für ein Open-World-Game doch eher kurz geraten.
Mit genügend Tapferkeit schalten wir an Vorposten spezielle Versionen der üblichen UNSC-Waffen frei. Quelle: PC Games Mit genügend Tapferkeit schalten wir an Vorposten spezielle Versionen der üblichen UNSC-Waffen frei.

Schicke Grafik mit Matschgefahr

Halo Infinite ist neben Halo Wars 2 das erste Spiel in der Reihe, das von Anfang an für den PC mitentwickelt wurde. Unterstützung für Ultrawide-Monitore, zig Optionen und eine frei konfigurierbare Steuerung - so muss es sein! Bei der Technik gibt es allerdings Höhen und Tiefen: Die Spielwelt glänzt zwar mit fantastischer Weitsicht, schöner Architektur und sauberen Texturen, doch dafür gerät das Bild gerade auf die Ferne oft überraschend matschig und unscharf. In Bewegung fällt's oft nicht auf, an den Screenshots merkt man es dann aber deutlich. Das liegt daran, dass Halo Infinite die Auflösung automatisch verringert, um eine gute Performance zu erreichen. Und das sollte man auch, denn bei 30 FPS fühlt sich das Spiel ruckelig und unsauber an, selbst die Cutscenes stottern sichtbar über den Monitor. Es empfiehlt sich daher sehr, die minimale und maximale Framerate auf 60 FPS festzulegen und dafür an anderen Grafikreglern zu schrauben, bis man ein möglichst scharfes Bild und eine flüssige Performance hat. DLSS und FidelityFX werden übrigens nicht unterstützt, hier hoffen wir auf einen künftigen Patch.
Hübsche Beleuchtung, schönes Design: Die Grafik von Halo Infinite geht völlig in Ordnung. Quelle: PC Games Hübsche Beleuchtung, schönes Design: Die Grafik von Halo Infinite geht völlig in Ordnung. In manchen Punkten hätten wir uns von der Technik auch ein wenig mehr erwartet. Es gibt zum Beispiel kaum Zerstörungseffekte, Bäume und Vegetation stecken Treffer locker weg, Kisten gehen nicht zu Bruch und Wände lassen sich auch nicht einreißen. Vielleicht wäre das alles aber auch zuviel für die alte Xbox One gewesen, auf der Spiel noch irgendwie lauffähig sein musste. Auf Xbox Series S könnt ihr zwischen einem Performance- und Qualitätsmodus wählen, wobei hier die 60 FPS ganz klar die Nase vorn haben. Auf Xbox Series X bietet sich natürlich das beste Konsolenbild, hier werden auch bis zu 120 Bilder pro Sekunde erreicht. Egal, auf welcher Plattform ihr spielt, solltet ihr euch auf den einen oder anderen Bug gefasst machen: In unserem Test fror einmal eine Soldatin mitten in der Bewegung ein, an anderer Stelle meinte es die Physik-Engine ein bisschen zu gut und feuerte uns einen Warthog kilometerweit durch die Gegend. Richtig edel wurde aber immer dann, wenn wir an unseren Vorposten ein Fahrzeug herbeiriefen: Wie oft unsere Soldaten hier von einem abgeworfenen Panzer plattgemacht wurden, können wir schon gar nicht mehr zählen. Was haben wir gelacht!

Bildergalerie

Grafik hin, Technik her: Der heimliche Star der Atmosphäre ist für uns mal wieder der Soundtrack, der sich stark an den ersten Serienteil anlehnt und viele klassische Melodien zurückbringt. Auch wenn uns der orchestrale Bombast von Halo 5: Guardians sehr gefallen hat, bringt Halo Infinite doch wesentlich mehr vom alten Flair zurück - und das passt dann auch ausgezeichnet zum Setting. Überhaupt wurde beim Sound ganze Arbeit geleistet: Die deutschen und englischen Sprecher sind gut, selbst die Grunts und Schakale wurden mit viel Hingabe vertont und lockern die Action mit ihren albernen Sprüchen auf. Dass die deutsche Übersetzung hier und da ein paar Schönheitsfehler hat, lässt sich locker verschmerzen.

Die Einzelspielerkampagne von Halo Infinite steht am 8. Dezember zum Kauf bereit, der Preis liegt bei 60 Euro. Im nächsten Jahr soll auch ein Koop-Modus für die Kampagne erscheinen, vor Mai 2022 ist damit allerdings nicht zu rechnen. Der gelungene Mehrspielermodus, der ebenfalls in die Gesamtwertung einfließt, ist dafür schon erhältlich und kostenlos als Free2Play-Titel spielbar. Wir haben den Multiplayer bereits ausführlich getestet.

Halo Infinite ist zum Launch auch im Game Pass enthalten.

Meinung

Wertung zu Halo: Infinite (PC)

Wertung:

8.0 /10

Wertung zu Halo: Infinite (XBO)

Wertung:

8.0 /10

Wertung zu Halo: Infinite (XSX)

Wertung:

8.0 /10
Pro & Contra
Schicker, frei erkundbarer SchauplatzSchnelle, flüssige ActionEnorm praktischer Greifhaken (zu praktisch...?)Dichte Atmosphäre und meist sehr gute GrafikGute deutsche SprecherToller SoundtrackOrdentliches WaffenarsenalGuter Free2Play-MehrspielermodusFür ein Halo ziemlich umfangreichViele PC-Optionen
Eintöniges Indoor-LeveldesignLückenhafte Story, die viele Fragen offen lässtKeine Nebenaufgaben mit interessanten NPCsEinfallslose NebenaktivitätenWenig zu entdeckenGrafik mitunter matschigDurchwachsene BosskämpfeBei 30 FPS deutliches RuckelnTeils überflüssiges Upgrade-System und Waffen-FreischaltenFür Quereinsteiger viele Fragezeichen
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