Im Test von Gran Turismo 5 lest ihr, ob sich die lange Wartezeit auf das PS3-Rennspiel der Superlative gelohnt hat. Kann Sonys Prestige-Rennspiel den hohen Erwartungen gerecht werden oder gibt's schon vor dem Start einen Spielspaß-Kolbenfresser?
Das gefiel uns an Gran Turismo 5 nicht:
Premium vs. Standard
Viel wurde in den letzten Monaten spekuliert, jetzt haben wir Gewissheit: Es gibt zwar über 1.000 Fahrzeuge im Spiel, aber gerademal 200 davon sind Premium-Autos, der Rest sind Standard-Wagen. Soweit, so gut. Doch was heißt das eigentlich? Ganz einfach: Premium-Fahrzeuge sind enorm detailliert und bieten eine Cockpit-Ansicht, Standard-Fahrzeuge sehen immer noch sehr gut aus, aber es gibt eben keine Möglichkeit sich hinter ein virtuelles Lenkrad zu klemmen. Alle anderen Kameraperspektiven sind verfügbar, aber kein Cockpit. Eigentlich kein Beinbruch, aber diese Unterscheidung macht es schwierig sich an eine Perspektive zu gewöhnen.
Wenn euer Fuhrpark nicht ausschließlich aus Premium-Fahrzeugen besteht, müsst ihr entweder immer wieder die Ansicht wechseln oder gleich aufs Cockpit verzichten. Ebenfalls enttäuschend: Standard-Fahrzeuge dürfen nicht auf Foto-Reise gehen. Verständlich (schließlich würden hier die Unterschiede deutlich sichtbar), aber dennoch schade, wenn euer Lieblingswagen nicht als Premium-Fahrzeug verfügbar ist. Richtiggehend ärgerlich ist die Auswahl der Fahrzeuge: Warum ist ein VW Schwimmwagen ein Premium-Modell, euer Lamborghini Countach dagegen lediglich ein Standard-Modell?
Das Schadensmodell - Wir haben wirklich alles versucht, aber nur wenige Schäden überhaupt zu Gesicht bekommen.
Das Schadensmodell
Auch über dieses Feature wurde viel spekuliert und ein absolut finales Urteil können wir immer noch nicht fällen. Wir haben wirklich alles versucht, aber nur wenige Schäden überhaupt zu Gesicht bekommen. Selbst ein Frontalcrash mit einem Nascar-Wagen in entgegengesetzter Fahrtrichtung sorgte lediglich für eine aufklappende Motorhaube und ein paar Dellen. Natürlich erwarten wir von einem Gran Turismo nicht unbedingt so detaillierte Schäden wie von einem Burnout Paradise, aber wenn der eigene Wagen selbst nach mehreren Überschlägen bei hohem Tempo kaum sichtbare Schäden aufweist, dann ist das doch eher enttäuschend. Zudem konnten wir die verursachten Schäden selten nachvollziehen. Unsere Theorie: Kurz vor dem Release haben die Entwickler die Notbremse gezogen und das Schadensmodell noch einmal entschärft. Offenbar war man mit dem damaligen Ergebnis nicht zufrieden und wollte sich keine Blöße geben. Nachvollziehbar, aber keine echte Entschuldigung für ein eher schwaches Schadensmodell. Titel wie Colin McRae DIRT zeigen deutlich, dass hier erheblich mehr geht.
Das Balancing
Es gibt Probleme, die begleiten die Reihe schon seit dem ersten Teil. Das Balancing ist eines davon. Einige Rennen könnt ihr mit verbundenen Augen gewinnen, andere verlangen euch fast unmenschliche Leistungen ab. Die Nascar-Schule ist überraschend knifflig, obwohl sie gerade mal die zweite Stufe der Missions-Rennen darstellt. Auch die Aufgaben auf dem Top Gear-Testtrack sind knüppelhart und verzeihen nicht einmal kleinste Fehler.
Das Wetter
Versteht uns nicht falsch, wir sind froh, dass es endlich Regen und Dunkelheit gibt. Noch dazu sieht der Tageszeitenwechsel bei entsprechenden Rennen atemberaubend gut aus. Aber wieso gibt es dieses Schmankerl nur auf ausgewählten Strecken? Wer durchzählt, kommt auf erschreckend wenige Kurse mit Wetteroption und nicht immer ist die Verteilung nachzuvollziehen. Ein Beispiel: Die Eiger Nordwand (bekannt aus GT 5 Prologue) dürft ihr vorwärts auch bei Regen fahren, rückwärts scheint dagegen immer die Sonne. Wir wissen nicht, was das soll und sind insgesamt enttäuscht von der Auswahl. Regenrennen sehen prinzipiell sehr gut aus, einzig die Regentropfen auf der Scheibe der Fahrertür sehen seltsam billig aus.
Seltsam: Fransige Schatten und Tearing fallen immer wieder negativ auf.
Die Optik
Was? Die Optik ist ein Schwachpunkt? Ja, wirklich, so absurd das auch klingt und so sehr wir diesen Punkt weiter oben noch gelobt haben. Denn während Kurse wie Rom oder Madrid einfach grandios aussehen, sind besonders ältere Strecken optisch schlichtweg enttäuschend. Trial Mountain oder Grand Valley wirken stellenweise fast, als würden wir ein HD-Remake spielen und keinen komplett neuen Teil der Reihe. Und beim Anblick der Special Stage-Nachtkurse fühlen wir uns dann fast veräppelt. So detailarm und plump darf ein Gran Turismo 5 auf einer PlayStation 3 einfach nicht aussehen. Punkt. Der Rallye-Kurs von Chamonix ist ebenfalls kein Glanzpunkt und enttäuscht mit magerer Umgebungsgrafik. Kleinere Ruckler und Tearing konnten wir ebenfalls beobachten, allerdings waren diese Macken niemals so schlimm, dass sie uns übertrieben gestört hätten. Anders sieht's da schon bei den Schatten aus, die stellenweise extrem fransig ausfallen und so gar nicht ins ansonsten polierte Bild von GT 5 passen wollen.
Wieso müssen wir im GT-Modus erst Strecken frei spielen, ehe wir sie im Arcade-Modus fahren dürfen?
Der Arcade-Modus
Es gehört zu den Dingen, die wir niemals verstehen werden. Wieso müssen wir im GT-Modus erst Strecken frei spielen, ehe wir sie im Arcade-Modus fahren dürfen? Wer GT 5 einlegt und einfach mal direkt eine Runde auf der Nordschleife drehen möchte, kann sich das schon mal abschminken. Gleiches gilt natürlich für den Splitscreen-Modus, der ebenfalls nur eingeschränkten Umfang bietet, bis ihr im GT-Modus losgelegt habt.
Der Fahrzeug-Editor
Seit Jahren wünschen sich GT-Fans, dass sie ihre Autos anpassen dürfen. Es muss ja nicht gleich die Dimensionen eines Need for Speed mit tausend Boby-Kits und Spoilern erreichen, aber zumindest lackieren würde man das eigene Schätzchen gerne. Microsofts Forza 3 konnte in diesem Bereich in ungeahnte Sphären vordringen und bot einen nahezu perfekten Editor mit umfangreichen Möglichkeiten. Und Gran Turismo 5? Nun, ihr dürft euren Wagen nach dem Kauf umlackieren, das ist dann aber auch schon fast alles. Optisches Tuning gibt es nur für sehr, sehr wenige Fahrzeuge und meist läuft es auf den (bereits aus Gran Turismo 4 bekannten) Monster-Spoiler hinaus. Das ist nicht nur nicht zeitgemäß, es ist schwach.
