Good Job! im Test: Switch-exklusiver Knobler mit Humor und jeder Menge Chaos

Test Lukas Schmid
Good Job! im Test: Switch-exklusiver Knobler mit Humor und jeder Menge Chaos
Quelle: PC Games

Als Sohn des Chefs arbeiten wir uns durch die verschiedenen Abteilungen des väterlichen Unternehmens - und sorgen auf dem Weg nach oben für jede Menge Chaos. In unserem Test zu Good Job! klären wir, was der Titel neben einer interessanten Idee noch zu bieten hat und ob Spaß und Gameplay zusammen für ein befriedigendes Endergebnis sorgen.

Es gibt nur eine Position, die besser ist als jene des Chefs: Sohn des Chefs - all die Vorzüge, aber keine der Verpflichtungen! Auf dieser Prämisse baut der durchgeknallte Geschicklichkeits- und Knobeltitel Good Job! auf. Als Papas Liebling zieht es uns mit jeder Menge Selbstvertrauen, aber wenig bis keiner Ahnung von irgendetwas und einem ausgeprägten Hang zur unfreiwilligen Zerstörung ins väterliche Unternehmen. Dort müssen wir uns im wahrsten Sinne des Wortes nach oben arbeiten: Sind wir Anfangs das schwächste Glied in der Firma, so werden wir nach jeweils vier abgeschlossenen Levels befördert und begeben uns mit dem Aufzug ein Stockwerk nach oben.

Jede Etage ist dabei einem zentralen Thema gewidmet, also etwa Forschung, Freizeit, Pflanzenkunde und Marketing. Weil Vitamin B ein starkes Helferlein ist, ist es aber gänzlich egal, wie gut oder schlecht wir uns in den uns gestellten Aufgaben schlagen, die vom Anschließen eines Diaprojektors über das Einsammeln der verstreuten Kollegen bis hin zum Aktivieren der Heizung reichen.

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Dank der Tatsache, dass sämtliche Objekte in den insgesamt fast 40 Levels einer realistischen Physikberechnung gehorchen und ein Großteil der Wände und des Interieurs zerstörbar sind, kann es sein, dass wir auf unserem Weg zur Erfüllung der Aufgabe ganze Bürokomplexe in Schutt und Asche legen. Ganz egal, die nächste Beförderung kommt bestimmt - und auch, wenn es brennt, die Elektrik mit Wasser aus dem Wasserspender geflutet ist und die Wände durch ein ansehnliches Nichts ersetzt wurden, werden wir nach dem Absolvieren eines Levels trotzdem stets mit einem fröhlichen "Good Job!" in fetten Lettern belohnt. So funktioniert Mitarbeitermotivation!

Der Gott des Gemetzels

Einen ganzen Bürobereich in Kleinholz zu verwandeln, schaut vielleicht im Quartalsbericht nicht allzu gut aus, sorgt aber für ein befriedigendes Spielgefühl. Quelle: PC Games Einen ganzen Bürobereich in Kleinholz zu verwandeln, schaut vielleicht im Quartalsbericht nicht allzu gut aus, sorgt aber für ein befriedigendes Spielgefühl. Und wir haben ja schon die ganze Arbeit gemacht, aufräumen kann da ja nun wirklich jemand anderes. Die Steuerung auf unserem Weg hin zum großen Tier ist denkbar simpel: Wir laufen mit dem Analogstick herum, mit B führen wir einen - sehr, sehr kleinen - Sprung aus, mit A packen und/oder aktivieren wir Objekte. Das funktioniert - zum Teil bestimmt auch bewusst - sehr hakelig. Der Spaß in Good Job! erwäächst ja aus dem sich anbahnenen und immer gewaltiger werdenden Chaos, welches wir stiften. Wenn wir Kabel als Schleudern für Bürostühle nutzen, die Vorlegeware mit rosa Schleim übertünchen, teure Vasen auf den Boden schmettern oder mit dem Gabelstapler beweisen, dass der Domino-Effekt auch in der Lagerhalle wirkt, dann geschieht das meist, aber eben nicht immer absichtlich. Schnell hat man einen Gegenstand aus Versehen gegen einen anderen geknallt oder sonstwie dafür gesorgt, dass die Schadensanzeige nach oben schnellt.

Auch wenn man vorsichtig spielen möchte, machen einem die hakelige Steuerung und die fiese Physik auf dem Weg zum S-Rang oft einen Strich durch die Rechnung. Quelle: PC Games Auch wenn man vorsichtig spielen möchte, machen einem die hakelige Steuerung und die fiese Physik auf dem Weg zum S-Rang oft einen Strich durch die Rechnung. Das nervt erst dann, wenn man sich auf die Jagd nach S-Ranks macht, die wenig überraschend erfordern, dass alles heil bleibt und wir auch noch rasch und effizient arbeiten. Obwohl man manchmal (relativ) unverschuldet zum Chaos-Handkuss kommt, ist die Mischung aus Geschicklichkeitselementen und klassischen Rätseln sehr gelungen. Wir müssen etwa nicht nur aufpassen, dass wir beim Verlegen von Wasserleitungen nicht die ganze Etage fluten, sondern auch sicherstellen, dass die Rohre richtig eingestellt sind und Lösungen für etwaige Lücken im System finden. Bei einigen Aufgaben saßen wir eine ganze Weile da, bis es endlich "Klick" machte und uns die Lösung wie Schuppen von den Augen fiel. Manchmal verkommen die Missionen zwar zu sehr zur Mikromanagement-Orgie und nach ein paar Büroetagen beginnen sich die Grundaufgaben etwas zu häufig zu wiederholen: trotzdem steckt hier so viel Kreativität drin, dass man kaum jemals den Spaß am Chaos verliert.

Bürokollege

In den Levels warten Hüte, Badges und weitere Accessoires darauf, von uns gefunden und angelegt zu werden. Auch ein Strichmännlein giert nach Individualität! Quelle: PC Games In den Levels warten Hüte, Badges und weitere Accessoires darauf, von uns gefunden und angelegt zu werden. Auch ein Strichmännlein giert nach Individualität! Das gilt vor allem im - leider nur lokalen - Koop-Modus. Vorneweg: Wer Good Job! effektiv spielen und Rekorde knacken will, der sollte vom gemeinsamen Büroalltag tunlichst die Finger lassen. Zu zweit wächst das Chaos noch viel, viel schneller an, es kracht und rumst, dass Papa im Chefbüro nervös an den Fingernägeln kaut und schneller ist man in seinem Tun trotzdem nicht. Es macht echt Laune, zusammen die Levels zu zerlegen, wenn man sich nicht perfekt abspricht, ist "Effektivität" hier allerdings ein Fremdwort. Ob alleine oder zu zweit, es ist auf jeden Fall schön, dass es oftmals mehr als nur einen Weg zum Ziel gibt. Viele Levels geben uns zahlreiche Tools und Möglichkeiten an die Hand und sagen einfach "mach mal". Und für eine Aufgabe, die man zuvor mühevoll gelöst hat, findet sich beim zweiten Antritt möglicherweise eine deutlich sinnvollere Lösung. Verschiedene Möglichkeiten gibt es auch, an die einzige Art Sammelgegenstand des Spiels zu gelangen, nämlich bunte Hüte und andere Accessoires. Hier sollte man gar nicht erst versuchen, ohne Zerstörung ans Ziel zu kommen, denn die hübschen Dinger sind oftmals an Orten versteckt, die ein gewisses Faible für zerborstene Inneneinrichtung voraussetzen.

Ein Stricher und seine Freunde

Auf jeder der neun Etagen warten vier Levels auf uns. Haben wir diese alle absolviert, werden wir befördert und fahren mit dem Lift hinauf ins nächste Stockwerk. Quelle: PC Games Auf jeder der neun Etagen warten vier Levels auf uns. Haben wir diese alle absolviert, werden wir befördert und fahren mit dem Lift hinauf ins nächste Stockwerk. Good Job! Ist nicht nur bezüglich der Spielidee ziemlich einzigartig, sondern auch mit Blick auf die Präsentation. Die Grafik wirkt, als wäre sie diversen Sicherheits- und Symbolschildern entsprungen, bevölkert mit schwarzen Strichmännlein, wie man sie etwa von Ausgangs-Leuchtschildern kennt. Die isometrische und fest vorgegebene Ansicht verstärkt diesen Effekt noch einmal. Die Situationskomik, die duch diese bewusste Simplizität und einen bekannten Anblick, der mit unerwarteten Ereignissen vermengt wird, entsteht, funktioniert klasse. Unsere Strichmännlein-Mitarbeiter, die all unsere Kalamitäten völlig emotions- und teilnahmslos hinnehmen, unterstreichen diesen Effekt noch zusätzlich. An die Slapstick-Qualitäten von Untitled Goose Game, welches in dieser Hinsicht eine neue Qualitätsmarke etabliert hat, reicht Good Job! zwar nicht heran, trotzdem haben die Entwickler hier wirklich gute Arbeit geleistet! Dazu trägt auch die Soundkulisse bei. Gesprochen wird gar nicht, alles, was wir wissen müssen, wird über die Aktionen und Reaktionen der Strichmännlein vermittelt. Hinzu kommt dafür aber eine sehr zurückgenommene, fast Lounge-mäßige Musikuntermalung, die im krassen Gegensatz zu der meist vorherrschenden Zerstörung auf dem Bildschirm steht und gerade deswegen ganz wunderbar die Atmosphäre bereichert.

Gute Arbeit!

Anders als das erwähnte Un­titled Goose Game ist der Büro-­Alltag nicht schon nach zwei, drei Stunden vorbei; bis man alle Levels absolviert hat, vergeht deutlich mehr Zeit. Nicht alle Aufgaben sind gleich gut und gegen Ende hin verliert das Spielprinzip geringfügig an Reiz. Trotzdem überwiegen die positiven Aspekte deutlich die negativen und die kreative Grundidee wird nicht als Ausrede genutzt, um ansonsten belangloses Game­play zu rechtfertigen. An Indie-Spielen ist die Switch wahrlich nicht arm, dieses hier sollte man sich aber nicht entgehen lassen!

Wertung & Meinung

Meinung

Wertung zu Good Job! (NSW)

Wertung:

8.0 /10
Pro & Contra
Charmante PräsentationLustige SpielideeViele Wege zum ZielHerrliches Chaos-GameplayAnständiger UmfangSchön gemachter Koop-Modus
Steuerung etwas hakeligSich wiederholende Aufgaben
Fazit

Die Entwickler von Good Job haben tatsächlich einen sehr guten Job gemacht!

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