Göttlicher Trash oder teuflischer Crash? Es liegt in Ihrer Hand!
Ab und zu darf sich Gene kurzzeitig mit Baseball-schlägern ausrüsten. Dann ist Schluss mit lustig.
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God Hand führt die Firmenphilosophie des kleinen Entwicklerstudios Clover (=Creativity lover) ad absurdum. Es scheint fast so, als ob sich die Japaner mit ihrem letzten Titel demonstrativ in den Massenmarkt vordringen wollten. Während sie mit Viewtiful Joe und Okami den konsequenten, aber ertraglosen Weg der Innovation gegangen und mit ihm letztlich untergegangen sind, scheint die Zeit der Kreativität vorbei. God Hand ist Massenmarkt. Schnell, kurzweilig und actionreich. Keine Spur von Innovation, viel mehr "back to the roots". Eigentlich eine traurige Nachricht. Wenn das Spiel nur nicht so verdammt rocken würde ...
Sind sie zu stark, bist Du zu schwach!
Die Story ist schnell erzählt: Eine fiese Dämonenbande will die Welt übernehmen, während unser Held - der schusselige Gene - genau das verhindern will. Dazu streift er mit seiner Herzensdame Olivia durch zahlreiche Locations und kämpft mit seiner titelgebenden God Hand gegen aberwitzige Gegnertypen. Und "aberwitzig" ist das richtige Stichwort: Während sich bereits Viewtiful Joe nicht sonderlich ernst nahm, setzt Gene noch einen drauf. Die Dialoge sind lächerlich absurd und die Gegner kaum zu fassen.
Sie kämpfen gegen Transvestiten, übergewichtige Dämonen und Männer in Gorillakostümen. Hier sollten Sie besser nichts hinterfragen. Das Kampfsystem ist dabei eingängig und gleichzeitig ungemein motivierend. Ihnen stehen insgesamt über 100 auffindbare Kampftechniken zur Verfügung, die Sie auf die Schlagbuttons legen. Damit können Sie Ihre Kombos haargenau planen, besonders das Timing spielt hier eine wichtige Rolle.
Vergeht zwischen den einzelnen Treffern zu viel Zeit, hat Sie der Gegner rasch überrumpelt. Und diese verhalten sich nicht gerade zimperlich. Die meiste Zeit kommen Ihnen die Schergen haufenweise entgegen, einen fairen 1-gegen-1-Kampf müssen Sie sich erst erarbeiten. Auf dem mittleren Schwierigkeitsgrad ist dies kein leichtes Unterfangen.
Um des Gegners Deckung zu durchbrechen, müssen Sie den entsprechenden Schlag zeitlich korrekt planen, sonst werden Ihre Attacken gekontert. Sie selbst können derweil nicht blocken, selbst Health-Items sind in den Levels rar gesät. Dafür können Sie per rechten Analogstick in alle Himmelsrichtungen ausweichen. Die Ausweichmanöver sind dabei mindestens genauso wichtig wie das Kämpfen selbst. Mit blindem Button-Mashing kommen Sie in God Hand nicht sehr weit.
Es sei denn, Ihre God-Hand-Leiste ist gefüllt. Dann schlagen Sie wild um sich und sind für kurze Zeit unverwundbar. Des Weiteren können Sie jederzeit besonders kräftige und absurde Special-Moves vom Stapel lassen - vorausgesetzt, Sie sind im Besitz von mindestens einer der Roulettekugeln, die in zerstörbaren Kisten zu finden sind. Dann geht's dem Gegner schon mal an die Weichteile. Zwischen den Levels kann außerdem in einem Kasino um virtuelle Moneten gespielt werden. Den Türsteher sollten Sie hierbei besser nicht verärgern ...
Capcom-typisch werden Ihre Kampfkünste bewertet. Kämpfen Sie besonders flink und effektiv, steigt Ihr Level in Echtzeit und am Ende jedes Abschnitts winken Geldboni (mit denen Sie sich z. B. neue Moves kaufen können). Gleichzeitig kämpfen aber die Gegner mit härteren Bandagen, weshalb Sie sich optional per Spezialmanöver (beispielsweise durch einen Kniefall) herunterstufen können.
Prügeln in Reinkultur
Das Niveau ist schon zu Beginn niedrig.
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Wenn God Hand etwas bewiesen hat, dann Folgendes: Es braucht nicht zwangsläufig kreative und außergewöhnliche Ideen, um Spielspaß zu erzielen. God Hand besitzt quasi kein Leveldesign, eine biedere Grafik (dafür aber geschmeidige Animatio-nen), kaum Abwechslung und nimmt die Devise "Back to the roots" penibel genau. Kurzum: Das Spiel macht wenig, dafür aber alles richtig.
Hinter dem nur scheinbar oberflächlichen Kampfsystem verbirgt sich ein gehaltvoller und frei definierbarer Prügler. Spektakuläres und erfolgreiches Kämpfen wird belohnt, Button-Mashing mit Pfiffen und dem Game-Over-Bildschirm quittiert. Nur wer seine Fähigkeiten auf das flinke Kampfsystem abstimmt, hat auf dem mittleren Schwierigkeitsgrad eine Chance. Alle anderen spielen Mau-Mau.
