Garden Story im Test: Extrem putzige Präsentation, spielerisch ein Reinfall
Test
Wir haben es uns das zuckersüße Indie-Abenteuer Garden Story im Test angeschaut und verraten, warum sich unter der tollen Fassade leider eine Enttäuschung verbirgt.
Sieht das herzallerliebst aus! Schon die Pressematerialien von Garden Story versprühen einen Charme, auf den sogar das eine oder andere First-Party-Nintendo-Spiel neidisch hinüberschielt. Und trotz der Kritik, die wir im folgenden Test anbringen werden: Die liebevolle Pixelgrafik und die gelungene Musikuntermalung sind ohne Zweifel riesige Pluspunkte bei diesem Indie-Abenteuer. Da werden unweigerlich Erinnerungen an die guten alten 2D-Zelda- und Earthbound-Zeiten oder an das deutlich jüngere Stardew Valley wach. Nur: Hier erwartet euch keine Lebenssimulation, auch wenn Garden Story auf den ersten Blick so wirken mag.
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Süße Trauben
Quelle: PC Games
Die Bibliothek (in jedem Dorf gibt es eine) erinnert sicher nicht zufällig an das Gemeinschaftszentrum in Stardew Valley. Auch hier komplettiert ihr Item-Pakete.
Euer Alter Ego ist der kleine Concord, eine lila Traube, die in einer idyllischen Siedlung lebt. So paradiesisch ist seine Heimat aber gar nicht, denn die sogenannte Fäulnis bringt ekelhafte Schleimmonster hervor, die das Dorf belästigen, und neue Kinder werden nicht mehr geboren - ihr seid im wahrsten Sinne des Wortes der letzte Nachwuchs in der Obststadt seit langer Zeit. Spielerisch steht das Kämpfen im Fokus. Mit diversen Waffen setzt sich Concord gegen die Schleimfeinde zur Wehr, immer und immer wieder. Garden Story bietet ein Wetter- und Zeitsystem, das bedeutet: Ein Tag besteht aus dem Morgen, Mittag, Abend und der Nacht. Legt ihr euch ins Bett, bricht der nächste Morgen an.
Quelle: PC Games
Trotz der relativ düsteren Prämisse bleiben die Charaktere sehr eindimensional. Ach ja: Das ganze Spiel bietet lediglich englische Texte, keine deutschen.
An jedem Tag erhaltet ihr bis zu drei Aufgaben. Ihr müsst diese nicht erledigen, aber sie steigern nach und nach das Level des jeweiligen Dorfes (im Verlauf besucht ihr mehrere Orte), wodurch sich zum Beispiel die Sortimente der Händler erweitern. An sich ist die Idee mit den Missionen, die man für das Wohl der Gemeinschaft erledigt, eine gute Sache. Allerdings gibt es immer nur eine Handvoll verschiedene Aufträge (erschlage sieben Schleime, repariere das Geländer und so weiter), die sich ständig wiederholen und dementsprechend nach wenigen Ingame-Tagen langweilen. Zumal Concord so langsam läuft, dass man bei manchen Missionen gleich gar keine Lust hat, sich auf den Weg zu machen. Später gibt es immerhin ein Schnellreisesystem und das Tempo des Helden kann erhöht werden.
Der müßige Vergleich
Quelle: PC Games
Die lila Schleimbatzen sind der Standardgegner schlechthin. Kämpfe gegen sie gestalten sich unspannend bis nervig.
Was man ebenfalls nicht unbedingt auf den ersten Blick von Garden Story erwartet, sind Souls-like-Anleihen. Diese sind aber definitiv vorhanden: Concord kann nur ausweichen und angreifen, wenn er genug Ausdauer hat. Mit der Zeit kommen weitere Balken zur HP- und Staminaleiste hinzu, dadurch wird das Kämpfen etwas komfortabler. Und Heilung bezieht das Träubchen durch Tauflaschen, die man an Brunnen wieder füllt. Wo aber bei herkömmlichen Action-Games normalerweise eine gewisse Gegnervielfalt wartet, tritt euer traubiger Held immer wieder gegen die gleichen, schleimigen Nervensägen an. Dazu noch fühlen sich die Auseinandersetzungen unbefriedigend an, die Attacken sind unpräzise, Gegner wabern meistens nur passiv in der Gegend herum. Da die Feinde so wenig Varianz bieten, Concord aber mit der Zeit stärker wird, sinkt der Schwierigkeitsgrad nach Beginn des Spiels beständig ab, anstatt sanft zu steigen.
Nur kleine Häppchen
Ein gewisses Maß an Monotonie kann bei einer Lebenssimulation wie Stardew Valley ja durchaus gewollt sein. Garden Story versteht sich aber zum großen Teil als Action-Game und enttäuscht dementsprechend mit dem Mangel an Abwechslung. Auch in allen anderen Bereichen hapert es an Anspruch und Inhalt. Beim Bauen, Pflanzen und Craften ausleben könnt ihr euch nicht, zu eingeschränkt sind diese Features implementiert.
Dazu kommen Kleinigkeiten wie die unübersichtlichen Menüs und die schlecht lesbare Schrift oder das Design einiger Areale, bei denen nicht klar ist, wo man laufen kann und wo nicht. Theoretisch lässt sich viel Zeit mit Concord verbringen, wenn man sich etwa dem Ausbau der Dörfer widmet und tagein, tagaus Aufgaben abarbeitet - wenn man also auf Gameplay mit viel Grind steht. Folgt man nur der Story, ist man nach etwa zehn Stunden an deren Ende angelangt. Garden Story ähnelt in dieser Hinsicht seinem Helden Concord: Sieht süß aus, aber macht nicht satt.
Garden Story ist für PC und Nintendo Switch erhältlich.
