Test zu Grid: Toller Racer mit wenig Umfang, doch packendem Rennsport - jetzt mit Testvideo

Test Maci Naeem Cheema
Test zu Grid: Toller Racer mit wenig Umfang, doch packendem Rennsport - jetzt mit Testvideo
Quelle: PC Games

Mit dem Soft-Reboot Grid hat Codemasters eine Mission: Die Marke zu alter Stärke zurückführen. Gelingen soll das der Arcade-Simulation durch einen Fokus auf den Spaß auf der Strecke, neue Systeme, die den Rennsport noch realistischer machen und KI-Fahrern mit eigener Persönlichkeit. Ob das gelingt? Jetzt auch mit Testvideo!

Der neue Titel des britischen Rennspielgaranten Codemasters hört auf den Namen Grid. Bei dem Arcade-Racing-Simulator handelt es sich nicht um eine neue Marke - manch einer mag dies vielleicht aufgrund des fehlenden Wort- und Zahlenanhangs denken. Nein, die Grid-Reihe gehört seit nunmehr 10 Jahren zu den bedeutenden Namen der Rennspielwelt. Den bisher größten Erfolg konnte die Reihe mit dem 2008 veröffentlichten Erstling Race Driver: Grid verbuchen. Der über zehn Jahre alte Titel konnte damals eine große Anhängerschaft um sich scharen.

Ein Hauptgrund für den Erfolg war die sich so natürlich anfühlende Verschmelzung eines Arcade-Racers mit einer Rennsimulation. Das Spiel bot einen selbst für Genre-Neulinge angenehmen Einstieg und ein anspruchsvolles und intensives Fahrgefühl, welches ein wenig an Simulationsgrößen wie Gran Turismo oder Forza Motorsport erinnerte. Zusätzlich für positives Feedback sorgten das realistische Schadensmodell, die vielen unterschiedlich zu steuernden Boliden und die zur damaligen Zeit beeindruckende Grafik. Grid, das Soft-Reboot der Reihe, möchte das Gefühl des Originals ins Jahr 2019 transportieren. Ob das gelingt und heute neben modernen Racing-Titeln wie Forza Horizon überhaupt funktioniert?

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Augen auf die Straße!

Durch das Nemesis-System gewinnen Duelle auf der Strecke viel zusätzliche Spannung.  Quelle: PC Games Durch das Nemesis-System gewinnen Duelle auf der Strecke viel zusätzliche Spannung.  Grid möchte alte Stärken wieder neu entfachen und Racing-Anhängern Fahrspaß der Extraklasse bieten. Um das bestmöglich umzusetzen, konzentriert sich Codemasters auf die Grundpfeiler der Faszination Rennsport. Ein wichtiger Kernpunkt sind spannende Zweikämpfe, die das gesamte Talent eines Fahrers beanspruchen. Duelle im Rennsport sind knallhart. Ein neues Feature, mit dem Grid auftrumpfen möchte, ist das Nemesis-System, welches genau bei diesem Punkt für mehr Realismus und Action auf der Strecke sorgen möchte. Insgesamt bietet das Racing Game 400 verschiedene KI-Fahrer, jeder mit eigener Persönlichkeit und speziellen Skills. Der größte Name unter den Fahrern ist sicherlich Fernando Alonso, zweifacher F1-Weltmeister, der mit seinem E-Sports-Team "FA Racing Logitech G" im Spiel vertreten ist. Verscherzen wir es uns mit einem dieser 400 Fahrer auf der Strecke, rammen ihn einmal zu oft oder drängen ihn gar von der Piste, dann werden wir das mit Sicherheit kurz darauf zu spüren bekommen.

Meldet unser Renningenieur nämlich einen Fahrer als Nemesis, dann wird es deutlich schwieriger, intensiver und aggressiver im Zweikampf zur Sache gehen. Mehrfach während unserer Testzeit hatten wir ordentlich zu kämpfen, einem oder mehreren Nemesis-Fahren Paroli zu bieten. Ebenfalls gibt es Teamkollegen, die aber auffällig blass bleiben. Wir können zwar teilweise die Strategie der Teamfahrer mitbestimmen, große Auswirkungen zeigen sich dabei aber nicht. Beziehungen zu den unterschiedlichen Fahrern bauen wir leider keine auf, dafür passiert zu wenig abseits der Strecke. Eine verpasste Chance ist ebenfalls, dass sich das Nemesis-System nach jedem gefahrenen Event wieder auf null setzt. Eine Rivalität, die sich über mehrere Rennstrecken und Events weiterentwickelt und aufbaut, hätte für noch mehr Intensität in der Kampagne gesorgt.

Wer auf ein vielseitiges Tuning-System hofft, wird enttäuscht. Die optischen Anpassungen sind gering und beziehen sich nur auf die Lackierungen der Autos. Quelle: PC Games Wer auf ein vielseitiges Tuning-System hofft, wird enttäuscht. Die optischen Anpassungen sind gering und beziehen sich nur auf die Lackierungen der Autos. Für mehr Faszination auf der Strecke sorgen dafür aber dynamische Rennabläufe. Werden die Fertigkeiten eines Fahrers in einer rennspezifischen Situation ausgereizt, dann endet das gerne Mal in der Mauer, der Streckenbegrenzung oder im Heck eines anderen Fahrers. Viel zu oft fährt die KI in Rennspielen wie eine ellenlange Schlange von Rennanfang bis -ende hintereinander her. Da fällt die Arbeit auf, die Codemasters in die Rennabläufe gesteckt hat! Während eines Rennens können wir durch mutige Überholmanöver, sauber gefahrene Rennabschnitte oder das Nutzen vom Windschatten zusätzlich Erfahrungspunkte sammeln. Damit lassen sich unter anderem Autolackierungen und neue KI-Fahrer freischalten. Viele Anpassungsmöglichkeiten bietet Grid aber nicht. Die Lackierungen lassen sich zwar durch Farbauswahl individuell anpassen, auf ein umfangreiches Tuning-System wie bei der Konkurrenz müssen Spieler aber verzichten.

Zwar handelt es sich wie bereits erwähnt bei Grid mehr um einen Arcade-Racer. Der Anspruch bleibt aber dank vieler Einstellungsmöglichkeiten wie der anpassbaren Traktions- und Stabilitätskontrolle sowie dem Schwierigkeitsgrad der KI-Fahrer und weiteren Einstellungen stets hoch - sofern erwünscht. Auch die beliebte Rückspulfunktion darf nicht fehlen und hilft, grobe Fehler während eines Rennens schnell auszubessern. Auf der Strecke glänzt der Arcade-Racer mit enorm gelungenem Fahrzeug-Feedback. Simulationsfans wissen: Unterschiedliche Fahrzeuge verlangen unterschiedliche Fahrstile vom Spieler. Die F1000-Boliden, auch als Formula Jedi Cars bekannt, wollen zum Beispiel mit viel Feingefühl und Genauigkeit über die Strecke gepeitscht werden.
Andere Fahrzeuge brauchen eine starke Hand und viel Gegenlenken, um sich nicht frühzeitig vom Kurs zu verabschieden. Das Setup lässt sich zwar in fünf Kategorien anpassen, wirklich tief gehen die Einstellungsmöglichkeiten aber nicht. Der Fuhrpark von Grid (jetzt kaufen 44,95 € ) umfasst insgesamt 65 lizenzierte Fahrzeuge - das ist überschaubar. Die fahren sich jedoch abwechslungsreich für einen Arcade-Racer. Viele Modi, um die Karren auch wirklich auszukosten, bietet Grid aber leider nicht.

Geringer Umfang, wenig Schnickschnack

Grid präsentiert sich minimalistisch. Zur Verfügung stehen uns drei verschiedene Spielmodi: das freie Spiel, das an die eigenen Wünsche angepasst werden kann; der Multiplayer und die Karriere. Letztere verzichtet vollkommen auf eine Rahmenhandlung. Zwischensequenzen oder eine Zentrale in Form einer Garage, um Abseits der Strecke etwas zu erleben, sucht man also vergeblich. Dafür packen die Entwickler insgesamt über 100 Rennevents in verschiedene Rennklassen. Die beinhalten meist zwei bis drei kurze Rennen. Alternativ könnt ihr euch für ein Hotlap-Qualifying entscheiden, das wir euch wärmstens ans Herz legen. Die große Anzahl der Fahrer im Kontrast zu den kurzen Rennen macht es enorm schwierig, vom letzten Startplatz auf das Siegertreppchen zu fahren. Das klingt im ersten Moment vielleicht abschreckend, die verschiedenen Klassen entwickeln aber mit der Zeit einen angenehmen Reiz und legen, wie auch die komplette Spielerfahrung, den Fokus auf die Rennstrecke. Die insgesamt sechs zur Verfügung stehenden Rennklassen beinhalten zum Beispiel Touring, Stock, Tuner, GT oder die "Alonso-Karriere".
Einer der 400 KI-Gegner ist Fernando Alonso. Den zweifachen F1-Weltmeister müsst ihr im Spielverlauf in einem spannenden Showdown schlagen! Quelle: PC Games Einer der 400 KI-Gegner ist Fernando Alonso. Den zweifachen F1-Weltmeister müsst ihr im Spielverlauf in einem spannenden Showdown schlagen! Am Ende jeder Rennklasse muss sich der Spieler in einem heißen Finale beweisen. Bei der Alonso-Karriere, in der wir gegen KI-Fahrer des Alonso-E-Sports-Teams fahren, erwartet uns zum Abschluss ein spannender Showdown mit (Überraschung!) Fernando Alonso. Beim Multiplayer liegt die Wahl zwischen simplen Quick-Matches und Privaten Sessions, die insgesamt Platz für 15 Fahrer bieten .

Bei den Strecken hält sich Grid ebenfalls zurück. Insgesamt packt Codemasters acht Strecken in das Spielepaket. Darunter finden sich legendäre Racing Tracks wie Silverstone, Indianapolis, Sepang oder der Zheijang Shanghai Circuit. Die acht Strecken gibt es aufgeteilt in über 80 verschiedenen Routen. Das ist zwar nicht sonderlich viel, hat uns aber zu keinem Zeitpunkt wirklich gestört, da sich die Streckenauswahl dafür abwechslungsreich anfühlt. Von engen Straßenkursen bis hin zu professionellen Rennstrecken ist alles dabei. Die Tatsache, dass wir in den unterschiedlichen Rennklassen komplett anders an bereits gefahrene Strecken herangehen müssen, verstärkt ebenfalls den Spielspaß. Natürlich hat Grid auch Content-Pläne für die nächsten Monate in petto: neue Events, eine Handvoll neue Fahrzeuge und einiges mehr. In den Genuss des zusätzlichen Contents kommen aber nur Spieler, die entweder die Ultimate-Version des Spiels geordert haben oder bereit sind, ein weiteres Mal die Brieftasche zu zücken. Davon ausgenommen sind die zusätzlich geplanten Strecken, die laut Codemasters für alle Spieler kostenlos zur Verfügung stehen werden.

Neben der Strecke herrscht Stillstand

Ein Aspekt, der sicherlich von einigen als Störfaktor angesehen werden könnte, ist die auf Schrittgeschwindigkeit gedrosselte Atmosphäre und Präsentation von Grid. Wer sich auf einen schön zusammengestellten Mix aus tollen Songs freut, der aus den Boxen des Autos dröhnt, wird enttäuscht. Das missfällt vielleicht dem ein oder anderen Arcade-Gamer, Simulationsfans sind das jedoch gewohnt. Das gehört zum realistischen Anspruch dazu. Die Musik wird in Grid aber besonders trocken serviert. Selbst der Soundtrack in den Menüs und zwischen den Renn-Events könnte kaum belangloser sein. Die Kommentatoren, die vor jedem Rennen das Event einleiten, sind anstrengend. In der deutschen Version hören sie sich fast so an, als hätten sie auf dem Weg zur Arbeit ihre Motivation in der U-Bahn liegen lassen.

Zusätzlich verfügen sie über ein nur sehr dünnes Repertoire an Sprüchen und Infos. Gleiches gilt für unseren Renningenieur, dem wir via Steuerkreuz unnütze Renninformationen entlocken. Wollen wir die Soundkulisse von Grid in all ihren Facetten beleuchten, dann müssen wir natürlich auch über die Karosserien und ihren Klang sprechen. Die gefallen durch die Bank sehr gut, ganz besonders dann, wenn man die Rennen aus der Cockpit-Perspektive genießt. Beinahe jeder Motor dröhnt mit ordentlich Wucht und das Quietschen der Reifen, die über den Asphalt brettern, gibt ein befriedigendes Feedback der Straße. Zusammenstöße und Unfälle haben eine wuchtige Soundpräsentation und so fällt es leicht, sich im guten Sounddesign des Titels zu verlieren. Am Ende des Tages präsentiert sich Grid beim Thema Sound wie auch bei allen anderen Aspekten: auf der Strecke hervorragend, daneben sehr minimalistisch.

Ein Sieg muss gebührend gefeiert werden. Zwar präsentiert sich Grid minimalistisch, doch der Racer macht trotz alledem eine gute Figur. Quelle: PC Games Ein Sieg muss gebührend gefeiert werden. Zwar präsentiert sich Grid minimalistisch, doch der Racer macht trotz alledem eine gute Figur. Grafisch fällt die Beurteilung weniger eindeutig aus. Die Lichteffekte sind beeindruckend und oft möchte man als Spieler am liebsten mit dem Auto am Straßenrand halten, um die Kulissen zu genießen. Gleiches gilt für die lebendigen Umgebungen. Die Wettereffekte sehen gut aus und geben vor allem aus spielerischer Sicht viel Grund zur Freude. Mit ausgestellten Fahrhilfen auf einer nassen Strecke fühlt man sich als Spieler gut gefordert. Ein dynamisches Wettersystem existiert nicht, ein Rennen beginnt und endet unter gleichen Bedingungen. Die Modelle der Fahrzeuge sehen zwar detailliert aus, erschrecken aber oftmals mit matschigen Texturen. Die Schatteneffekte sehen manchmal zu unrealistisch aus und die bereits erwähnten matschigen Texturen finden sich auch auf den Strecken wieder. Aktuelle Konkurrenten im Rennspiel-Genre sehen da einfach besser aus. Dank konstanter 60 Bildern pro Sekunde wird aber zumindest für ein ordentliches Geschwindigkeitsgefühl gesorgt.

Insgesamt lassen sich bei Grid zwar einige Negativaspekte finden, die sind aber allesamt verschmerzbar. Die Lichteffekte, das flüssige Bild und ganz besonders das Schadensmodell lassen die ab und an schwammigen Texturen schnell verzeihen und der Umfang präsentiert sich zwar minimalistisch, schafft es aber gekonnt sich auf das Wesentliche zu konzentrieren: Racing. Das Ziel des britischen Entwicklers, Grid zurück auf die Überholspur zu hieven, ist überraschend gut gelungen. Grid fällt es kinderleicht, Rennspiel-affine Spieler in seinen Bann zu ziehen. Wer Bock hat auf wuchtigen Rennsport mit leichtem Einstieg hat, der eine angenehmere Alternative zur fordernden Welt der Simulations-Racer bietet, der fährt mit Grid gut.

Meinung und Wertung

Meinung

Wertung zu GRID (PC)

Wertung:

8.0 /10

Wertung zu GRID (PS4)

Wertung:

8.0 /10

Wertung zu GRID (XBO)

Wertung:

8.0 /10
Pro & Contra
Tolle Balance zwischen Arcade-Racer und SimBefriedigendes StraßenfeedbackDetaillierte und abwechslungsreiche BolidenSehr schöne, atmosphärische LichteffekteSelbst für Genre-Neulinge angenehmer EinstiegGelungene Wettereffekte, die sich auf das Fahrgefühl auswirkenSpannende RennabläufeRealistische Gegner-KIPackende Zweikämpfe durch Nemesis-System
Wenig UmfangFür reine Arcade-Spieler zu wenig AbwechslungWenig Stimmung und dadurch oft fehlende AtmosphäreKeine Rahmenhandlung für die KampagneGrafisch teilweise hinter der Konkurrenz
Fazit

Zwar präsentiert sich Grid minimalistisch, im Kern kann das Spiel aber durch kompetent gemachtes Racing überzeugen.

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