F.E.A.R. (dt.)

Test Bernd Holtmann

Hier sehen Sie Paxton Fettel nach einem seiner blutigen Morde - ein blutiger Start für ein krasses Spiel. Hier sehen Sie Paxton Fettel nach einem seiner blutigen Morde - ein blutiger Start für ein krasses Spiel. Wenn Sie in solchen Situationen den Helden spielen, starten Sie schneller als Sie denken an dem letzten Checkpoint. Stattdessen suchen Sie besser Deckung, wann immer Sie können: Pressen Sie sich an Wände, Kisten und Stahlträger, als würde Ihr virtuelles Leben davon abhängen - denn das tut es tatsächlich. Ihre Gegner sind verdammt flink, sehr gut organisiert und verhalten sich selbst im einfachsten der drei (übrigens in jedem Level einstellbaren) Schwierigkeitsgrade verdammt intelligent.

Ein paar Beispiele gefällig? In den ruhigen Spielphasen hören Sie oft die rauschenden Funksprüchen der Klonsoldaten, die sich auch unterhalten: "Ich muss nachladen!" brüllen sie, wenn die Munition zur Neige geht - und geben Ihnen damit einen Hinweis, möglichst schnell eine Gegenattacke zu starten. Schleichen Sie sich von hinten an einen der Elitekämpfer heran, sollten Sie den Lichtkegel ihrer Taschenlampe im Blick behalten, denn den sehen auch Ihre Feinde.

Schneller als Sie denken sagt einer: "Da ist Licht. Könnt ihr ihn sehen?" und hetzt Ihnen damit alle Gegner aus der Gegend auf den Hals. In der Gruppe geben sie sich Sperrfeuer, um Sie über die Flanke aufs Korn zu nehmen, wenn nötig springen die Replikanten sogar über Geländer oder durch Fensterrahmen, um Ihnen ans Leder zu gehen. So eine fehlerlose K.I.-Wegfindung haben wir in noch keinem Xbox-360-Spiel gesehen - allein dafür gebührt den Machern der höchste Respekt.

Auch die teilweise sehr bizarre Handlung hat uns richtig gut gefallen, denn die geht über die Grenzen der reinen Schießerei weit hinaus. Fettels Verwirrspiel mit dem Geist des Spielers drückt sich durch geschickt platzierte Horrorvisionen aus, die oft so überraschend auf dem Fernseher erscheinen, dass selbst hart gesottene Shooter-Fans lieber vorsichtshalber bei eingeschaltetem Licht weiter spielen. Auf weite Strecken bleibt die Spannung also auf Gänsehautniveau, denn solche Schocker kennt man in der Regel nur von Filmen.

Doch F.E.A.R. hat auch ein paar dunkle Seiten, so fällt zum Beispiel die Spielumgebung nicht besonders abwechslungsreich aus. In den ersten Spielstunden jagen Sie die Replikanten durch Lagerhäuser, auf Containerumschlagsplätzen oder in der Kanalisation einer großen Industrieanlage - das macht wirklich Laune, denn der optische Detailgrad ist angenehm hoch. Nach ungefähr fünf Spielstunden rückt die Umgebung aber so weit in den Hintergrund, dass uns nur die immer härter werdenden Gegner und die mittlerweile echt krasse Handlung zum Weiterspielen antreiben.

Eine starke Stimmungsbremse ist übrigens die Missionsaufteilung, denn oft endet ein Level ohne ersichtlichen Grund, nur weil Sie zum Beispiel eine Tür geöffnet oder einen Raum betreten habe. Dann folgt in der Regel ein langweiliges Text-Briefing, bevor wir von einer Zwischensequenz langsam wieder ins Spiel getragen werden. Durch solche abrupten Schnitte verspielt man einfach viel Gruselpotential.

Abgesehen davon ist das Spiel durch die vielen Horrorvisionen stark skriptbasiert und unterliegt deshalb einer strengen Linearität. Doch oft gibt das Spiel keinen Hinweis, wo man den Weg fortsetzen kann. Dann läuft man auf der Suche nach einem kleinen Schalter 20 Minuten durch große Levelbereiche verflucht die Leveldesigner. Das hätte man sicherlich besser hinbekommen können.

Auf der technischen Seite erwartet sie ein robustes, ruckelfreies Schießspektakel, das selbst ein Jahr nach der ursprünglichen Veröffentlichung auf dem PC auch den 360-Spielern Gänsehaut bereitet. Die Soundeffekte runden die gruselige Atmosphäre ab, die Levels sind (mit Ausnahme der angesprochenen Schnitzer) durchdacht - und die Stimmung so dicht, wie in wenigen anderen Ego-Shootern.

Doch ein großer Wurf ist es trotz seiner künstlerisch anspruchsvollen Horrorszenen nicht. Labyrinthartige Levels stellen schon bald die Geduld des Spielers auf die Probe. Besonders ärgern werden sich wohl geübte Spieler, denn die sehen nach ungefähr zehn Stunden den Abspann. Schade, dass das PC-Addon nicht implementiert wurde, über weitere Spielstunden hätten wir uns gefreut.

Wertung zu Fear (dt.) (X360)

Wertung:

85 /10
Pro & Contra
Unglaublich dichte AtmosphäreExzellente Grafik, gute SpezialeffekteErstklassige Gegnerintelligenz
Keine Nach-dem-Match-LobbyEtwas zu eintönige Spielumgebung
Fazit

Packende PC-Umsetzung mit cooler Zeitlupenfunktion, extrem intelligenten KI-Gegnern und gelungenem Instant-Modus.

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