Far Cry: New Dawn im Test: Wird es langsam Zeit für einen Reboot? - Jetzt auch mit Test-Video!

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Far Cry: New Dawn im Test: Wird es langsam Zeit für einen Reboot? - Jetzt auch mit Test-Video!
Quelle: Ubisoft

Viel Bewährtes, wenig Neues - so präsentiert sich Far Cry: New Dawn im Test und bleibt dabei hinter den Erwartungen zurück. Die erste Fortsetzung in der Open-World-Shooter-Serie setzt ein weiteres Mal auf die vertraute Far Cry-Formel, diesmal eben in einer postapokalyptischen Welt mit rosa-violettem Anstrich. Das ist sein Geld wert und macht immer noch viel Spaß, begeistert aber nicht mehr. Neu im Artikel: Unser umfangreiches Test-Video zu Far Cry: New Dawn.

Vom "New" im Titel sollte man sich nicht täuschen lassen. Denn wirklich neu ist an Far Cry: New Dawn erstaunlich wenig. Ein bunterer Anstrich, kleine Änderungen an den Waffenklassen und ein frischer Missionstyp sind im Grunde schon alles, was der Shooter an Neuerungen mitbringt. Dabei wäre deutlich mehr drin gewesen, schließlich ist New Dawn eine direkte, wenn auch deutlich kompaktere Fortsetzung zu Far Cry 5. Zur Erinnerung: Im kontroversen Finale von Far Cry 5 ging unsere Zivilisation - mehr oder weniger - in einem globalen Nuklearangriff unter. New Dawn knüpft nun 17 Jahre später an diese traurigen Ereignisse an. Das klingt für Far Cry-Verhältnisse erst mal spannend, denn ein Postapokalypse-Setting hatten wir in der Reihe schließlich noch nie! Doch herausgekommen ist nur ein weiteres Far Cry nach bewährtem Strickmuster, das sich über weite Strecken wie eine Standalone-Erweiterung anfühlt. Beinharte Far Cry-Fans kommen aber natürlich trotzdem auf ihre Kosten, denn auch New Dawn (jetzt kaufen / 39,99 € ) macht viel Spaß, wenn man weiß, worauf man sich einlässt!

Far Cry: New Dawn im Test: Apokalypse lau

Trotz vieler Cutscenes und sehr guter Sprecher wachsen uns die neuen Charaktere nie so richtig ans Herz.  Quelle: PC Games Trotz vieler Cutscenes und sehr guter Sprecher wachsen uns die neuen Charaktere nie so richtig ans Herz.  New Dawn bringt uns zurück nach Hope County, Montana, also in die halb verwüstete Welt von Far Cry 5. Verstrahlung oder andere Folgen eines Atomkriegs merkt man hier allerdings so gut wie gar nicht; fast scheint es so, als würde Ubisoft das ganze Thema am liebsten ausblenden. Eine verpasste Chance! Die Menschen sind nach ein paar Jahren einfach aus ihren Bunkern zurückgekehrt und machen im Grunde da weiter, wo sie aufgehört haben. Wir reisen als wahlweise männlicher oder weiblicher Aufbauspezialist ins Land, um den Überlebenden bei der Errichtung einer neuen Heimat zu helfen. Dabei geraten wir allerdings prompt in die Fänge der Highwaymen, eine Armee von tyrannischen Schlägern, angeführt von den beiden brutalen Zwillingsschwestern Mickey und Lou. Die hassen gefühlt alles und jeden, doch warum das so ist, wird uns leider nicht so richtig erklärt. Wenn man ihnen überhaupt mal begegnet, lässt unser stummer Held einfach nur minutenlange Monologe voller Drohungen und Beschimpfungen über sich ergehen, die uns im Test aber durchweg kalt gelassen haben - vielleicht weil New Dawn gar nicht erst versucht, die Motivation der Zwillinge glaubhaft zu machen. Oder vielleicht weil wir die gleiche Erzählweise seit Far Cry 3 einfach schon zu oft gesehen haben.

Auch fühlen sich die Stimmungswechsel zwischen überdrehtem, oft einfältigem Humor und bierernsten Momenten, in denen uns das Schicksal der Charaktere plötzlich wieder nah gehen soll, mitunter holprig an; das macht es manchmal schwer, sich auf die eigentlich gute Atmosphäre und die hübsche Inszenierung einzulassen.



Nach Far Cry 5 befremdlich: Die Jünger von Joseph Seed werden in New Dawn als relativ friedliche Siedler dargestellt. Quelle: PC Games Nach Far Cry 5 befremdlich: Die Jünger von Joseph Seed werden in New Dawn als relativ friedliche Siedler dargestellt. Neben den Schwestern dreht sich ein Teil der Hauptquest auch wieder um die tiefgläubigen Anhänger von Joseph Seed; die waren in Far Cry 5 noch eine mordlustige Sektenbande, werden diesmal aber als die (halbwegs) Guten dargestellt. Das wirkt so aufgesetzt, dass es gegen Ende kaum noch stört, als Ubisoft sogar noch ein paar Fantasy-Elemente draufpackt - spätestens mit dem letzten Boss entfernt sich New Dawn meilenweit von seinem Vorgänger. Ein echter Lichtblick dagegen sind die deutschen Sprecher, die durch die Bank gute Arbeit leisten und selbst dann noch für Atmosphäre sorgen, wenn die Story mal wieder nicht so recht in die Gänge kommt. Ebenfalls ein stimmungsvolles Highlight: Die gelungene Auswahl an Songs, die häufig aus den Radios dudelt. Schönes Detail: Streamer dürfen die lizenzpflichtige Musik auch abschalten.

Far Cry: New Dawn im Test: Hauptsache bunt

Hope County hat sich seit Far Cry 5 verändert, wobei die Neuerungen in erster Linie kosmetischer Natur sind. So ist ein Großteil der einst malerischen Wald- und Wiesenlandschaft nun mit rosafarbenen Blumen bedeckt - das schaut auch auf den zweiten Blick noch wunderhübsch aus, wird nach einer Weile aber auch ein bisschen eintönig. Aus dem Postapokalypse-Thema hätte man sicher mehr machen können. Optisch passend dazu: Die vielen Wände, Container und andere Oberflächen, die über und über mit rosanen und pinken Grafittis bedeckt sind. Mit solchen Kniffen soll sich die Welt grafisch vom Vorgänger abheben, doch so richtig will das nicht gelingen - im Grunde wurde ja nur über die alte Kulisse drübergemalt. Wesentlich schöner und stimmungsvoller sind da schon die zahlreichen Ruinen und überwucherten Schauplätze aus Far Cry 5, über die man in New Dawn immer wieder stolpert - wer den Vorgänger gespielt hat, entdeckt da so manch liebevolles Detail.
Blumen in violett und rosa zieren die neue, zum Teil überwucherte Landschaft.  Quelle: PC Games Blumen in violett und rosa zieren die neue, zum Teil überwucherte Landschaft. 

Far Cry: New Dawn im Test: Home sweet home

Prosperity ist unser wichtigster Anlaufpunkt im Spiel. Hier gibt es NPCs, Werkbänke und Upgrademöglichkeiten. Quelle: PC Games Prosperity ist unser wichtigster Anlaufpunkt im Spiel. Hier gibt es NPCs, Werkbänke und Upgrademöglichkeiten. Die wichtigste Anlaufstelle in Far Cry: New Dawn ist unsere Heimatbasis Prosperity. Hier erhalten wir nicht nur unsere Hauptquests, sondern müssen uns auch um den Ausbau der Siedlung kümmern. Das System ist elegant, aber auch so simpel, dass man es bequem von einem einzigen Menü aus bedienen kann: Wir bauen den Stützpunkt einfach in neun Bereichen mit jeweils drei Stufen aus. An einer Werkbank basteln wir bessere Waffen, ein aufgewerterer Garten garantiert uns effektivere Heilpakete und in der Werkstatt schrauben wir je nach Ausbaustufe stärkere Fahrzeuge zusammen. Um die Basis aufzuwerten, müssen wir allerdings tonnenweise Ethanol herbeischaffen, die wichtigste Ressource in Far Cry: New Dawn. Also nichts wie raus in die offene Welt! Wie gewohnt können wir zu Fuß oder mit verschiedenen Fahrzeugen unterwegs sein: Autos, Buggys, Motorräder und einiges mehr sind im Angebot, außerdem gibt's Boote, den bewährten Wingsuit und Hubschrauber. Der Fuhrpark geht völlig in Ordnung, wir haben lediglich den coolen Buzzer-Gyrokopter aus Far Cry 4 vermisst.

Far Cry: New Dawn im Test: Gepflegtes Chaos

Schon die ersten Schritte in Hope County machen klar: Das hier ist Far Cry 5 durch und durch. Lediglich der Sammelfaktor ist diesmal höher, denn anstelle von wertlosem Geld müssen wir nun Materialien beschaffen, um unsere Ausrüstung zu verbessern. Dazu plündern wir einfach jeden Ort, den wir auf unseren Streifzügen entdecken, sammeln so Unmengen Klebeband, Draht und anderen Kram ein. Schön: Die Orte werden uns nicht automatisch angezeigt - erst wenn wir (teure) Karten beim Händler kaufen, wird die Ingame-Map mit Symbolen bestückt. Gut so!

Wie im Vorgänger ist Far Cry: New Dawn stets bemüht, uns mit Zufallsbeschäftigungen bei Laune zu halten. Egal wo wir unterwegs sind, begegnen wir Angreifern oder Geiseln, Versorgungstrucks und Gefangenentransportere brettern an uns vorbei, gefräßige Wölfe schleichen sich aus dem Unterholz an und befreundete Widerstandskämpfer kommen gelegentlich herbeigefahren, um uns im Kampf zu unterstützen. Das macht die Welt einerseits dynamisch und unterhaltsam, andererseits ist der schiere Chaosfaktor dadurch manchmal etwas zu hoch: Wer sich beispielsweise gerade an ein feindliches Lager anschleichen will, dann aber unerwartet von einem Bären angeknabbert wird, der wiederum ein zorniges Stinktier in der Nähe anlockt, wodurch eine gegnerische Patrouille getriggert wird, die prompt das Feuer auf uns eröffnet und so schlussendlich das ganze Lager auf unseren Hals hetzt, dann muss man erst mal tief Luft holen.

Natürlich macht die belebte Welt mit ihren chaotischen Momenten aber auch den Charme von Far Cry aus. Das gilt auch für die glaubhaften, toll animierten Tiere, die wir wieder jagen können, um ihre Häute gegen Ressourcen einzutauschen. Auch das Angel-Minispiel aus Far Cry 5 ist wieder mit dabei. Das Tiere meucheln nimmt diesmal allerdings einen viel kleineren Teil als früher ein, es gibt beispielsweise keine eigenen Jagdmissionen mehr und wir müssen auch - bitte um Applaus! - keinem Stier mehr die Hoden abschneiden. Wer der aggressiven Fauna also lieber aus dem Weg geht, kann das Tierreich von New Dawn diesmal weitestgehend ignorieren. Einzige Ausnahme: Es gibt ein paar besondere, mutierte Tiere, etwa einen grün bewachsenen Eber, der massenhaft Kugeln schluckt - ihn muss man beispielsweise besiegen und häuten, um eine bestimmte Shotgun freizuschalten. Doch selbst darauf kann man auch gut verzichten, da es genügend andere Waffen gibt. Gepflegtes Chaos: Gegner und aggressive Wildtiere können uns überall in der Welt begegnen und greifen sich auch gegenseitig an. Quelle: PC Games Gepflegtes Chaos: Gegner und aggressive Wildtiere können uns überall in der Welt begegnen und greifen sich auch gegenseitig an.

Far Cry: New Dawn im Test: Alte Stärken

Weil das kostbare Ethanol unentbehrlich ist, erhalten wir es auf anderen, deutlich spaßigeren Wegen. So können wir unterwegs feindliche Tanklaster überfallen und sie in unsere Basis zurückfahren. Oder wir plündern Versorgungskisten, die zufällig über der Spielwelt abgeworfen werden und die stets auch ein paar Gegner auf den Plan rufen - hier müssen wir die Beine in die Hand nehmen! Die wichtigste Ethanolquelle sind allerdings die zehn Stützpunkte, die über die ganze Map verteilt sind und die wir - genau wie in den Vorgängern - zunächst einnehmen müssen, bevor wir den guten Stoff abzapfen können.

Das Infiltieren der Stützpunkte funktioniert nach dem gleichen Schema, das wir bereits seit Far Cry 3 kennen, macht aber auch diesmal wieder eine Menge Spaß - beim fließenden Wechsel zwischen Schleichen und Ballern läuft Far Cry zu Hochformen auf! Zunächst spähen wir das feindliche Lager per Fernglas aus, markieren so die Gegner und heben sie hervor. Unliebsame Wachen schalten wir lautlos per Bogen oder schallgedämpftem Scharfschützengewehr aus. Danach schleichen wir uns ins Lager, Gegner aus der Nähe werden per Wurfmesser oder Takedown-Manöver blitzschnell überwältigt. Schön: Wie in den Vorgängern können wir auch die Vertikale effektiv nutzen, indem wir uns an Kisten und Dächern raufziehen und uns so einen eigenen Weg zum Ziel bahnen. Das sollte stets der Alarmmelder sein, den wir zerstören, damit die Feinde keine Verstärkung mehr rufen können. Nun noch die restlichen Wachen erledigen und das Lager gehört uns.

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Far Cry: New Dawn im Test: Routinierter, schneller Ballerspaß

Werden wir dagegen vorher erwischt, entbrennt in aller Regel ein herrliches Chaos: Alle Feinde beginnen mit der Suche nach uns, feuern Leuchtraketen ab und funken Verstärkungstruppen herbei. So entstehen teils rasend schnelle Schusswechsel, in denen das gute Waffenfeedback, geschickt platzierte Granaten und explodierende Fässer für den gleichen Ballerspaß sorgen, den man von Far Cry mittlerweile gewohnt ist. Da verzeiht man auch gerne die schwachbrüstige KI, die immer wieder merkwürdige Aussetzer zeigt - etwa wenn ein Feind lieber mal an uns vorbeirennt, anstatt einfach das Feuer zu eröffnen.

Die Waffenauswahl umfasst den bewährten Mix aus Pistolen, Bögen, Maschinengewehren, Shotguns, Raketen-, Granat- und Flammenwerfern. Trotz neuem Look fühlen sich die Knarren damit sehr vertraut an. Schade, dass Ubisoft hier nicht etwas kreativere Waffen im Angebot hat! Einzige Ausnahme ist der brandneue Sägeblattwerfer, der Panzerungen durchschlägt und an Wänden abprallt - der macht zwar auch mehrere Feinde mit einem Treffer platt und sieht cool aus, braucht aber auch lange zum Nachladen und lohnt sich dadurch nur bei bestimmten Gegnertypen. In der Regel ist man deshalb mit den anderen Knarren besser beraten, schließlich gibt es nur vier Ausrüstungsslots für Schusswaffen.
Far Cry: New Dawn spielt sich trotz neuem Setting fast genau wie seine Vorgänger. Quelle: PC Games Far Cry: New Dawn spielt sich trotz neuem Setting fast genau wie seine Vorgänger.

Far Cry: New Dawn im Test: Dank Rangsystem - ist das schon ein Rollenspiel?

Mit Ethanol bauen wir Prosperity in neun Kategorien aus und schalten so neue Verbesserungen frei. Quelle: PC Games Mit Ethanol bauen wir Prosperity in neun Kategorien aus und schalten so neue Verbesserungen frei. Mit dem gesammelten Ethanol sollten wir so früh wie möglich die Waffenwerkbank in Prosperity aufstufen, alles andere ist zweitrangig. Denn New Dawn führt eine wichtige Änderung ein: Alle Gegner (inklusive der Tiere) sind in vier Ränge unterteilt. Und genau das gleiche gilt auch für alle Waffen, die wir an der Werkbank mit unserem gesammelten Material zusammenbauen. Graue Gegner auf Stufe 1 sind mit den Anfängerwaffen noch problemlos bezwingbar. Auch die blauen Level-2-Feinde bekommt man damit noch klein. Härtere Gegner, die mit einem violetten Symbol markiert sind, verlangen dagegen schon nach deutlich stärkeren Mitteln. Und die gelben Stufe-4-Eliten sind nur noch mit Top-Ausrüstung zu schaffen, andernfalls schlucken diese sogenannten Vollstrecker ganze Magazine, ohne dass ihre Lebensbalken merklich schrumpfen würden. Was bei gepanzerten Elitekriegern noch halbwegs funktioniert, hat bei den Tieren dagegen einen merkwürdigen Effekt: Ein Eliteschwein zeigt sich auch nach einem Dutzend Treffer aus einer Level-2-Shotgun gänzlich unbeeindruckt. Für einen Shooter, der ansonsten wenig mit Rollenspielen gemein hat, fühlt sich das unpassend an.

  1. Seite 1 Far Cry: New Dawn im Test: Story, Spielwelt, Chaos und Waffen
  2. Seite 2 Far Cry: New Dawn im Test: Skills, Expeditionen, Begleiter und Wertung
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