Toldo führt einen Abstoß im ausverkauften Bernabeu-Stadion in Madrid aus.
Obwohl die FIFA-Serie mit über 50 Millionen verkauften Exemplaren das mit Abstand erfolgreichste Fußballspiel weltweit ist, war man bei Electronic Arts mit der Entwicklung der Spielbarkeit des Titels in den letzten Jahren nicht zufrieden. Gerade Konamis Pro Evolution Soccer, welches bisher ausschließlich für PlayStation2 und GameCube verfügbar ist, hat gezeigt, wie viel mehr hier möglich ist. Deswegen reagierte man beim kanadischen Spielentwickler und wechselte bereits im Jahr 2002 das Entwicklerteam aus. Deren Devise lautet: FIFA muss wieder mehr Fußball und weniger Show werden.
Alles drin, alles dran
Natürlich heißt das noch lange nicht, dass FIFA Football 2004 keine gute Präsentation hätte oder weniger umfangreich wäre als die Vorgänger. Electronic Arts kaufte Lizenzen für 18 internationale Ligen, 500 Mannschaften und sage und schreibe knapp 15.000 Fußballspieler ein. Dabei sehen die bekanntesten Kicker ihren realen Vorbildern überraschend ähnlich. Ermöglicht wird das durch eine komplett neu entwickelte Grafik-Engine, die eine unglaubliche Darstellung zulässt. Gerade in den Nahaufnahmen sehen die Spieler dank vieler Polygone und hoch aufgelöster Texturen exzellent aus. Auch das neue Beleuchtungsmodell, die stark überarbeiteten Animationen und die vielen kleinen Spezialeffekte (z. B. Verschmutzen der Trikots) sind spitze. Zudem, und das ist für ein 3D-FIFA-Fußballspiel ein Novum, läuft das Spiel zu jeder Zeit mit einer absolut konstanten Framerate. Der Sound steht der tollen Grafik in nichts nach: Spätestens wenn Sie mit der deutschen Nationalmannschaft vor 80.000 Menschen im ausverkauften Dortmunder Westfalenstadion spielen und die Fans lautstark "Es gibt nur ein Rudi Völler" singen, wissen Sie, wie sich eine Sounduntermalung bei einem Fußballspiel anhören muss.
Komplexer denn je
Beim eigentlichen Spiel auf dem Rasen ist unterdessen deutlich zu erkennen, dass sich FIFA immer mehr zu einer komplexen Simulation entwickelt. Gerade die Veränderungen bei der Steuerung zeigen dies deutlich. Zwar lässt sich auch die 2004er-Version noch mit den drei wichtigsten Hauptknöpfen (Pass, Flanke, Schuss) locker steuern, doch entfaltet der Titel seine ganze Stärke erst dann, wenn man sich mit den neuen Möglichkeiten befasst. Als Beispiel das neue "Off the Ball"-Feature: Hier visieren Sie einen von drei Mitspielern per weißen Button an, bewegen ihn anschließend mit dem rechten Analogstick und spielen ihm letztendlich direkt den Ball zu. Nur wer sich länger mit dem Spiel beschäftigt, wird diese Optionen auch sinnvoll ausführen können. Dank der verbesserten künstlichen Intelligenz der Mitspieler und der überarbeiteten Ballphysik lassen sich zudem auch hübsche Direktpässe, schnelle Konter und zielgenaue Bälle in den freien Raum verwirklichen.
Noch nicht ganz rund
Etwas störend sind dagegen die weiterhin zu starken und viel zu schnell dargestellten Schüsse, die überhaupt nicht ins realistische Bild von FIFA Football 2004 passen wollen: Bei jedem Schuss meint man, der Ball würde mit Überschallgeschwindigkeit auf den Torwart geschossen! Auch die noch zu trägen Bewegungen des ballführenden Spielers wurden nicht optimal gelöst und lassen kaum Dribblings zu. Nichtsdestotrotz sind die Entwickler von FIFA Football auf dem richtigen Weg und die kontinuierlichen Verbesserungen sind mehr als offensichtlich.
