FIFA 21 im Test: Es wird Zeit für die Next-Gen-Revolution
Test
Nachdem dem Electronic Arts dieses Jahr überraschenderweise auf eine Demo für das neue FIFA 21 verzichtet hat, ist die Anspannung vor dem offiziellen Release am 9. Oktober noch größer als sonst. Wie spielt sich die Fußballsimulation? Was hat sich inhaltlich getan? Wir haben den EA-Kicker auf Herz und Nieren geprüft und geben euch im Test die fälligen Antworten.
Gaming-affine Fußballfans haben es in diesem Jahr echt nicht leicht. Nur selten war die Auswahl an Sportsimulationen rund um die schönste Nebensache der Welt so begrenzt wie 2020: Konami hat der Pro-Evolution-Soccer-Reihe eine gefühlte Zwangspause verordnet und bringt mit dem Season Update nicht mehr heraus als eine 40 Euro teure Aktualisierung für Trikots und Kader. Und auch Bandai Namcos Captain Tsubasa: Rise of Champions entpuppte sich leider nicht zum erhofften Heilsbringer des Genres. So bleibt als einzige Option wieder einmal nur FIFA 21 übrig. Das haben wir ausgiebig angespielt und können so klären, was der Titel auf PC, PS4 sowie Xbox One zu bieten hat und welche Gründe es gibt, dieses Mal vielleicht doch zuzuschlagen.
Hinweis: FIFA 21 (jetzt kaufen 59,95 € ) erscheint in der Legacy Edition auch für die Switch, die Nintendo-Fassung war zum Zeitpunkt unseres Test aber noch nicht verfügbar. Eindrücke und Wertung reichen wir selbstverständlich nach.
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Das schöne Spiel
Abgesehen von ein paar zusätzlichen Übertragungspaketen und Spielergesichtern hat FIFA 21 optisch nicht viel Neues zu bieten. Und würde Esther Sedlaczek nicht neue Kommentare beisteuern, dann klänge der Titel wohl auch genau so wie sein Vorgänger. Wir halten uns daher nicht lange mit der Präsentation auf und kommen direkt zum Gameplay. Das konnten wir uns zwar bereits während diverser Anspielmöglichkeiten zu Gemüte führen, die finale Fassung wartete aber dennoch mit einer positiven Überraschung auf: Auf dem Rasen hat sich durchaus nochmal was getan! Die Entwickler scheinen an vielen Kleinigkeiten geschraubt zu haben, die das Spielgefühl nochmal deutlich nach vorne bringen. FIFA 21 wirkt rundum realistischer und kommt so nah an echten Fußball ran wie schon lange nicht mehr - vor allem, weil es sich wesentlich gnadenloser zeigt als bisher. Das Spieltempo wurde insgesamt nochmal etwas herunter gedreht, der Anspruch bei Zuspielen dafür nochmal nach oben. Selbst mit aktivierter Unterstützung sind Präzision und Feingefühl gefragt, sonst findet euer Pass nicht das gewünschte Ziel, verhungert auf halber Strecke oder wird gnadenlos abgefangen. Eure Spieler agieren nicht mehr wie perfekt justierte Roboter, der Ball flitzt nicht mehr wie von einer Schnur gezogen über den Rasen. Stattdessen wirken eure Akteure "menschlicher" - eben auch, weil ihnen Fehler unterlaufen.
Quelle: PC Games
Mit den Kreativen Läufen könnt ihr bis zu fünf Spieler gleichzeitig übers Feld scheuchen.
Für mehr Varianz im Spiel sorgen zudem die Kreativen Läufe. Die erlauben es euch, per Tastendruck Mitspieler in eine bestimmte Richtung zu schicken, was gerade im Duell mit menschlichen Gegenspielern der Schlüssel zum Erfolg sein kann. Sofern man das Feature denn erst einmal beherrscht, denn zumindest zu Beginn ist die Bedienung echt fummelig. Wenn ihr beim Bewegen des rechten Sticks das Timing versemmelt, kommt es vor, dass sich euer Spieler den Ball vorlegt, zu einem Trick ansetzt oder auch mal gar nichts macht. Da ist es besonders ärgerlich, dass unter den dutzenden Skill-Spielen im Hauptmenü nicht ein einziges Tutorial für die Kreativen Läufe zu finden ist. Ebenfalls nervig: Wenn ihr euch nicht selbst um Laufwege kümmert, scheint auf dem Feld etwas weniger Bewegung als noch im letzten Teil zu herrschen. Spieler starten nur selten Läufe in die Spitze oder laufen sich frei. Streckenweise wirkt FIFA 21 fast ein bisschen statisch. Da hilft auch das neue Positioning-Personality-Feature nicht viel, das euren Angreifern ein besseres Gespür für den Raum geben soll.
Forderndes Verteidigen
Auch auf Abwehrseite seid ihr mehr gefragt denn je. In FIFA 21 wird manuelles Verteidigen nämlich noch mehr in den Fokus gerückt. Computergesteuerte Defensivakteure, die ihr beispielsweise per rechten Bumper dazu ruft, nehmen euch nicht mehr einen Großteil der Arbeit ab. Dieses Jahr müsst ihr selbst zu Tacklings und Grätschen ansetzen und das im besten Fall auch noch im richtigen Zeitpunkt. Sonst droht ihr entweder, dem Gegner die Tür zu öffnen, oder senst ihn ungeschickt um, was gefährliche Standardsituation nach sich ziehen kann. Auch geschicktes Stellungsspiel wichtiger denn je - vorzugsweise mit Hilfe des linken Triggers. Per Jockey-Funktion stellt ihr Passwege zu, drängt Gegner oder schirmt den Ball ab. Das funktioniert in FIFA 21 besser als zuvor, weil Physis offenbar eine noch größere Rolle spielt und kräftige, großgewachsene Spieler im Zweikampf so deutliche Vorteile haben.
Quelle: PC Games
Blocken und Verteidigen sind in FIFA 21 nun nochmal um einiges schwieriger. Wenn ihr hier das Timing versemmelt, kommen eure Gegner unbedrängt zum Torabschluss.
Die richtig auszuspielen, will aber auch erst mal gelernt sein. Insgesamt zeigt sich FIFA 21 nämlich deutlich anspruchsvoller als sein Vorgänger und dadurch auch wesentlich torreicher. Eine weiße Weste ist schon fast eine echte Seltenheit - und das, obwohl euch einige Offensivwaffen noch immer nicht so richtig zur Verfügung stehen: Distanzschüsse werden oft geblockt, Flanken und Kopfbälle finden nur selten den Weg ins Netz. Das soll aber keineswegs als Kritik aufgefasst werden. Tatsächlich hatten wir seit langem nicht mehr so viel Spaß an einem EA-Kicker und hoffen daher innig, dass es die Macher in den kommenden Wochen nicht zu sehr mit Gameplay-Patches übertreiben. Höchstens die Chip- und Jonglier-Funktion mit dem rechten Stick könnte vielleicht nochmal ein wenig entschärft werden.
Die umfangreichste Karriere seit langem
Auch im Spiel gegen die KI verlangt euch FIFA 21 nochmal mehr ab, dank des neuen Wettkampfmodus, den ihr ab Schwierigkeitsgrad Legendär wahlweise dazuschalten könnt. Dann orientieren sich computergesteuerte Teams bei ihrer Spielweise an echten FIFA-Profis, was Offlinemodi wie die Karriere nochmal spannender und abwechslungsreicher macht. An dem haben die Entwickler ohnehin nochmal Hand angelegt und bieten euch nun mit der interaktiven Simulation eine neue Art, das Spiel zu erleben: Ihr könnt eine Partie in Form von 22 Punkten, die über das Spielfeld flitzen, direkt vor euren Augen abspielen lassen, jederzeit von der Außenlinie Einfluss auf das Geschehen nehmen oder ganz einfach selbst aufs Spielfeld springen - wann, wo und so oft ihr wollt. Die überarbeitete Spielerentwicklung, die nun realistischer verläuft und sich an Faktoren wie Spielzeit und Stärke des Gegners orientiert, sorgt in Kombination mit den neuen Entwicklungsplänen für noch mehr spielerische Tiefe bei der Nachwuchsarbeit. Neuerdings könnt ihr eure Supertalente gezielt fördern, ihnen Nachhilfe in Sachen Spezialbewegungen, schwacher Fuß oder Arbeitsraten geben oder ihnen sogar beibringen, auf einer neuen Position zu spielen.
Quelle: PC Games
Die Grafik der Interaktiven Simulation erinnert stark an das Radar, das ihr während regulärer Matches eingeblendet bekommt: 22 Punkte flitzen über einen zweidimensionalen Platz, im Hintergrund laufen Stadionsound und Kommentar weiter.
Dazu müssen Hobby-Manager nun auch noch die Bissigkeit ihrer Akteure in ihre taktische Planung aufnehmen. Die zeigt an, wie gut Spieler auf eine anstehende Partie vorbereitet sind. Je höher der Wert, desto größere Attributboni winken euch. Es lohnt sich also, ausgeklügelte Trainingsprogramme festzulegen, die auch die Fitness eures Teams mit einbeziehen. Das einzige Problem: Ihr könnt zwar mit einem Tastendruck alle drei Mannschaftsdrills von der KI übernehmen lassen. Um den auszuführen, wird eure Simulation allerdings alle drei Tage unterbrochen, was auf Dauer unglaublich viel Zeit und Nerven kostet. Da muss sich EA noch eine etwas galantere Lösung ausdenken.
Quelle: PC Games
Bei den Entwicklungsplänen stehen euch diverse Optionen zur Verfügung. Innenverteidiger können etwa mehr zum mitspielenden Defensivmann umgeschult werden, was dann ihre Pass- und Dribblingwerte verbessert.
Auch an anderen Stellen wäre noch etwas Feinschliff nötig. Ja, die Tabellen fallen nun etwas realistischer aus, zudem erwarten euch zusätzliche Transfervarianten wie Leihen mit Kaufoption. Dem gegenüber stehen aber teils Jahre alte Bugs wie inkorrekt angewendete Vertragsverlängerungen oder Spieler, die nicht von der Leihliste gestrichen werden können. Dazu kommt der teilweise immer noch recht unrealistische Transfermarkt. In unserem Spielstand legte der FC Bayern München im ersten Wechselfenster direkt mal 98 Millionen Euro für Rechtsverteidiger Ricardo Pereira hin - etwas unglaubwürdig. Dessen ungeachtet bietet FIFA 21 aber einen der besten Karrieremodi der letzten Jahre. Hoffen wir mal, dass EA hier am Ball bleibt und eines Tages vielleicht sogar Stadion-, Sponsoren- und Staff-Management zurückbringt. Man wird ja wohl noch träumen dürfen.
VOLTA das nicht besser lassen?
Wenn ihnen für solche Features die Kapazitäten fehlen sollten, wüssten wir übrigens auch schon, wo man welche einsparen könnte: nämlich ganz klar beim VOLTA-Modus. Der Hallen- und Straßenkick geht dieses Jahr in die zweite Saison, bleibt trotz Verbesserungen beim Dribbling- und Blocking-System aber nicht mehr als nettes Beiwerk. Das liegt hauptsächlich daran, dass sich VOLTA weniger wie Arcade-Spaß im Stile von FIFA Street anfühlt, sondern mehr wie das aus den Standard-Modi bekannte Gameplay - nur eben mit weniger Spielern und kleineren Feldern sowie ohne Grätschen und Ausdauer. Nicht mal wirklich tricksen könnt ihr, da euch die KI auf höheren Schwierigkeitsgraden mit Leichtigkeit vom Ball trennt.
Quelle: PC Games
Die Geschichte des "Das Debüt" getauften VOLTA-Storymodus ist absolut hanebüchen, geht dafür aber auch glücklicherweise nur knapp zwei Stunden.
Zu allem Überfluss hat es sich EA auch dieses Jahr nicht nehmen lassen, euch wieder eine VOLTA-Story zu präsentieren. Die kommt nicht nur mit diversen Grafikbugs, sondern auch jeder Menge recycelter Inhalte daher: ein paar Straßenfußball-Legenden aus FIFA 20, eine Handvoll Ikonen aus Ultimate Team und ein hanebüchene Geschichte. Einmal umrühren, fertig! Das mag übertrieben kritisch klingen. Dass fünf absolut generische Hinterhof-Bolzer von Ballon-d'Or-Gewinner Kaká zu einem Turnier im Hallenfußball-Hotspot Dubai eingeladen werden, lässt sich in Sachen Glaubhaftigkeit aber nur echt schwerlich unterbieten. Immerhin haben die Entwickler eingesehen, dass Storytelling nicht zu ihren Stärken gehört. Entsprechend setzen sie dem Albtraum nach circa zwei Stunden, zehn Matches und ein paar fragwürdig vertonten Zwischensequenzen ein Ende. Danach hat man dann wenigstens ein erstes Team beisammen, die Grundzüge von VOLTA verstanden und ist im Optimalfall noch nicht dermaßen abgeschreckt, dass man keine Lust mehr auf die diversen anderen Modi hat. Abgesehen von "Das Debüt" erwarten euch nämlich auch noch die neuen Präsentierten Battles, in deren Rahmen ihr in zweiwöchentlichen Wettbewerben gegen KI-gesteuerte Teams der Community antretet, Punkte sammelt und Meilensteine freischaltet - zum Beispiel ein Match gegen den FC Liverpool, für dessen Abschluss euch ein Trikot des Klopp-Klubs winkt.
Denn natürlich stehen auch dieses Jahr wieder die I ndividualisierung von Teams und Spielern im Zentrum: Ihr werbt Mitglieder besiegter Teams ab, stattet sie mit feschen Klamotten aus und levelt euren Avatar mit Hilfe von Skillpunkten auf. Dann könnt ihr auch noch die neue Liga-Leiter hochklettern - wahlweise solo, mit bis zu vier Freunden oder mit zufälligen Mitspielern. Das läuft ein wenig wie eine Pro-Clubs-Partie im kleinen Rahmen, also durchaus unterhaltsam, wenn auch streckenweise chaotisch. Da ist es extrem schade, dass ihr nur zusammen und nicht gegen eure Freunde spielen dürft, nur im 5-gegen-5 und ohne vorher euer Team managen zu können. So stehen teilweise Stürmer auf der Verteidigerposition, was natürlich nicht nur unglücklich ist, sondern wohl auch dafür sorgen wird, dass man nicht mehr Zeit als irgendwie nötig in VOLTA verbringt.
Quelle: PC Games
Wenn ihr VOLTA online zusammen mit Fremden spielt, kann das schon ziemlich chaotisch werden. Ohne Sprachchat fällt die Abstimmung untereinander nämlich recht schwer.
Der Rest vom Fest
Immerhin stehen danach noch einige andere Modi zur Auswahl, allen voran Ultimate Team. Das kommt dieses Jahr nicht nur mit einer neuen furchtbar unzugänglichen Benutzeroberfläche daher, sondern auch mit einem Koop-Ansatz, der euch Squad Battles oder Division Rivals nun zu zweit spielen lässt. Dazu wurden Fitnesswerte gestrichen, die Rewards überarbeitet sowie neue Events, Ziele und Meilensteine eingeführt. Mit denen könnt ihr neuerdings auch Items für euer eigenes Stadion freischalten, das ihr mit Choreos, Rasenmustern und Trophäen ausstattet.
Pro Clubs oder die Spielerkarriere wurden indes wieder einmal komplett vernachlässigt, genauso wie das Thema Frauenfußball. Was dann abschließend die Frage aufwirft, wie viel Neues in FIFA 21 überhaupt steckt. Ja, mit den Kreativen Läufen und der interaktiven Simulation hat sich EA ein paar nette Features ausgedacht, die große Innovation bleibt aber auch dieses Jahr aus. Bleibt uns also nur zu hoffen, dass zumindest die Next-Gen-Versionen etwas frischeren Wind in die Sache bringen. Die bekommen Käufer dank des Dual-Entitlement-Programms vollkommen kostenlos. Ein konkretes Datum für die PS5 - und Xbox-Series-X-Version gibt es aber noch nicht.
Quelle: PC Games
Wenn ihr FUT im Koop zockt, bekommen beide Spieler Ranglistenpunkte für Division Rivals oder Squad Battles. Die Wahl eures Gegners basiert auf dem höchsten Skillwert der Party.
