Ever Forward im Test: Gefühlvolle Story, aber leider schwache Rätsel
Test
Rätselfreunde aufgepasst: Mit Ever Forward ist ein neues 3D-Puzzle-Game auf Steam erschienen! Die minimalistische Optik gepaart mit einer gefühlvollen Geschichte verleihen dem Spiel auf jeden Fall einen ganz besonderen Stil. Jetzt müssten nur noch die Rätsel Spaß machen. Ob das so ist, klären wir in unserem Test.
Ein junges, schwarzhaariges Mädchen, mit nichts als einem weißen Nachthemd bekleidet, läuft barfuß am Strand entlang. Es wirkt entspannt und spielt ein bisschen mit dem Wasser. Plötzlich dreht es sich ruckartig um. Etwas hat seine Aufmerksamkeit geweckt, doch da ist nichts außer Sand, Meer und Steine. Das Kind schaut genauer hin und für einen kurzen Augenblick erblickt es eine Vision, oder einen Traum. Ehe es sich versieht, ist die Erscheinung auch schon wieder weg. Gleich danach ist aber dort, wo gerade noch ein idyllischer Strand zu sehen war, ein kaputtes, teilweise schwebendes Gebäude zu sehen. Außerdem liegt da eine riesige Wurzel.
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Wie das Haus ist sie pechschwarz, aber mit rot-orange-leuchtenden Adern umzogen. Nach diesem mysteriösen Einstieg übernehmen wir die Kontrolle über das Mädchen. Von Neugier gepackt, laufen wir zu dem unheimlichen Ort hin. Doch als wir ihm näher kommen, verzerrt das Bild auf einmal und ehe wir uns versehen, sind wir in einer neuen Welt gelandet. Einer Welt voller weißer Rechtecke, in der knifflige Knobeleien den Alltag bestimmen.
Ohne Vorwarnung oder jegliche Erklärung werden wir in die Welt von Ever Forward geworfen. Die Geschichte rund um das junge Mädchen namens Maya und ihre Mutter wird euch, genau wie die eben beschriebene Anfangssequenz, sehr komprimiert und ohne viel Erklärung vorgesetzt. Was man sich erschließen kann: Eine Katastrophe bricht über die Heimat unserer Figuren herein und die Aufmerksamkeit von Mayas Mutter wandert weg von ihrem Kind und hin zu ihrer Arbeit als Wissenschaftlerin. Vorangetrieben wird die Handlung mit Cutscenes, die Maya und ihre Mutter in deren Zuhause zeigen. In diesen Flashbacks werden die Figuren schimmernd leuchtend dargestellt, während die Umgebung dunkel und detailarm ist. Mehr zur Story wollen wir hier nicht vorwegnehmen. Die Geschichte ist kurzweilig, jedoch vorhersehbar. Sobald der Abspann läuft, dürfte auf jeden Fall kaum jemand unberührt zurückgelassen werden.
Inselbegabung
Quelle: PC Games
Ohne jede Erklärung werden wir in Ever Forward direkt ins Spiel geworfen.
Dreh- und Angelpunkt des Gameplays ist die eigentlich idyllische Insel, welche aber von schwarz-roten Wurzeln befallen und voller zerstörter Gebäude ist. Diese lässt sich relativ frei erkunden, sehr viel zu entdecken gibt es jedoch nicht und auch der Abwechslungsreichtum lässt zu wünschen übrig. Ein kleiner See mit einem Segelboot ist da noch eines der Highlights. Als optionaler Sammelgegenstand fungieren Blätter, die uns Tipps zu den verschiedenen Aufgaben im Spiel geben. Etwas nervig: Auf die Existenz des nicht allzu auffälligen Blattwerks wird man nicht hingewiesen, wir gelangten fast durch das gesamte Spiel, bevor wir auf sie aufmerksam wurden. in der Inselwelt sammeln. Negativ aufgefallen sind uns zudem die sehr spät nachladenden Texturen etwa von Bäumen, Büschen und Steinen. Zudem poppen viele Objekte erst sehr spät auf, was der ansonsten gut gemachten Atmosphäre abträglich ist. Immerhin, musikalisch gefällt's, schöne Klavierstücke untermalen das Geschehen.
Rätselhafte Rätselgestaltung
Quelle: PC Games
In den 3D-Rätseln müssen wir mithilfe von Würfeln, Teleportationsröhren und Plattformen zum rot leuchtenden Ziel gelangen.
Nähern wir uns einem der kaputten Häuser auf der Insel, wirft das Spiel uns in die erwähnte Welt voller Rätsel. Vor einem unendlichen Horizont zerbrechen wir uns hier den Kopf. Dieses Areal ist im Vergleich zur Insel grafisch viel minimalistischer und fast schon steril, was aber keineswegs negativ gemeint ist. Da es dort kaum Schatten oder Details gibt, sind die spät ladenden Texturen kein Problem. Trotz der Mängel auf der Insel und technischer Probleme: Der Stil des Abenteuers ist definitiv ein Hingucker. Klavierstücke wie auf der Insel gibt es während der Knobeleien übrigens nicht zu hören, dafür aber gut passende, leise Klänge.
Die Kopfnüsse machen aber leider nicht so viel Spaß, wie sie könnten. Oft ist nicht die Lösungsfindung das Problem, sondern die Umsetzung der Knobelei. Die Rätsel sind immer nach demselben Muster aufgebaut - wir müssen von Punkt A zu Punkt B gelangen. Aber nicht alleine. Ohne einen kleinen Würfel, der uns als Werkzeug und Schlüssel dient, sind die Level nicht abschließbar. Ähnlich wie in Valves Spielereihe Portal aktivieren wir Plattformen, öffnen Tore, nutzen Teleportationsröhren und vermeiden böse Roboter. Letztere können uns mit einem Schuss erledigen, sobald wir in ihr Sichtfeld geraten. Auf Geräusche reagieren sie ebenfalls, womit wir sie in die Irre führen können. In der Nähe unserer metallischen Gegner schleicht Maya jedoch automatisch, weshalb schnelle Bewegungen unmöglich werden.
Quelle: PC Games
Wir dürfen nicht in das blaue Sichtfeld der Roboter gelangen. Der Würfel kann uns eine Ablenkung ermöglichen, wenn wir ihn über den mechanischen Gegner werfen.
Das ist einer der Gründe, weshalb Ever Forward immer wieder frustrieren kann. Die Rätsel müssen manchmal im Rahmen von Zeitlimits gelöst werden beziehungsweise erfordern, dass wir rasch reagieren, aber unsere Protagonistin bewegt sich generell sehr langsam. Besonders anstrengend wird es, wenn im letzten Drittel Gravitationsrätsel dazukommen. Unter Zeitdruck mit in der Luft schwebenden Klötzen zu interagieren, während man im Tempo einer Schnecke auf Valium durch die Gegend spaziert, wird schnell nervig. Kurzum: Zu viele Rätsel überzeugen leider nicht. Seine Stärken zeigt das Spiel dann, wenn man gemütlich knobeln und ausprobieren kann.
Gähnen und Grübeln
Der Schwierigkeitsgrad von Ever Forward schwankt. Am Anfang liegt die größte Herausforderung darin, überhaupt zu wissen, was möglich ist. Die wenigen Tutorial-Einblendungen sind nämlich kaum der Rede wert. Oft gibt es auch unterschiedliche Lösungsmöglichkeiten, um ans Ziel zu kommen. Wenn man dann endlich mal den generellen Aufbau der Rätsel durchblickt hat, der sich niemals drastisch ändert, sind viele Level nur noch eine schwache Herausforderung. Aber zum Glück nicht alle, ab und an finden sich doch auch richtig harte Knobeleien, welche die grauen Zellen warm laufen lassen.
Ever Forward ist derzeit für 14,99 Euro auf Steam erhältlich. Im vierten Quartal 2020 soll der Titel auch für die Nintendo Switch erscheinen. Ab wann auf der PS4 und der Xbox One gerätselt werden kann, ist bisher unklar, angekündigt ist das Rätsel-Abenteuer aber auch für diese beiden Konsolen. Etwa drei Stunden dauert es, um alle Rätsel zu lösen. Zum Release gibt es 18 Stück zu lösen, per DLCs soll das Repertoire später um zehn Kopfnüsse erweitert werden. Wer jetzt Interesse hat, aber nicht sofort 15 Euro ausgeben möchte, kann auch erst einmal die kostenlose Demo auf Steam anzocken.
