Elgato Stream Deck + XL im Praxis-Test: Teures Luxusspielzeug oder Must-Have für Streamende?

Special Viktor Eippert
Elgato Stream Deck + XL im Praxis-Test: Teures Luxusspielzeug oder Must-Have für Streamende?
Quelle: PC Games

Mit dem Stream Deck + XL hat Elgato ein neues Flaggschiff des All-in-One-Bediengeräts auf den Markt gebracht. Unser Redakteur Vik hat das neue Modell einem Praxis-Test unterzogen.

Schon seit Jahren bietet Elgato eine ganze Produktpalette an Mikros, Kameras, Lichtern und anderer Technik, die sich vor allem an Streamende und andere Medienschaffende richtet. Und auch wenn die Geräte preislich teilweise stark auf den Geldbeutel drücken, erfreuen sie sich einiger Beliebtheit in der Szene. Mit der Wave-Next-Linie erweiterte Elgato Anfang März nun die Auswahl - unter anderem mit einem neuen Flaggschiff-Modell bei den Stream Decks.

Auch ich habe bereits seit Jahren einige Elgato-Geräte bei mir im Twitch-Stream im Einsatz und war immer sehr zufrieden damit. Unter anderem nutze ich ein Stream Deck Classic, um OBS zu steuern, bestimmte Chat-Kommandos auszulösen, Einspieler auf Knopfdruck abzuspielen und mehr. Da war ich natürlich neugierig, was das Stream Deck + XL so kann und vor allem: Ist es seinen hohen Preis von 350 Euro wert?

Fette Schaltzentrale

Was man auf jeden Fall für den Preis bekommt, ist die größte Schaltzentrale, die man bei Elgato aktuell kaufen kann. Das Stream Deck + XL kommt mit 36 belegbaren Tasten, einem Touch-Streifen und sechs Drehknöpfen daher. Das Teil ist echt massiv, super verarbeitet und steht dank großen Anti-Rutsch-Gummis bombenfest auf seiner Position. Die Haptik ist auch wieder super, besonders bei den Drehknöpfen.

Wie bei allen Stream Decks bilden die Multifunktionsknöpfe die Basis. Die kann man sich mit allen möglichen Aktionen passend zum eigenen Bedarf konfigurieren. Zum Beispiel Anwendungen damit verknüpfen, um mit einem Tastendruck OBS, Google Chrome oder was auch immer zu starten. Oder ihr legt euch bestimmte Hotkeys drauf, die ihr in euren Programmen oft nutzt. Wer etwa häufig mit Schnitt- oder Designprogrammen hantiert, kann Aktionen verknüpfen, die in der Benutzeroberfläche nicht auf die Schnelle zugänglich sind. Als Streamer kann ich zum Beispiel so viel bequemer die Szenen in OBS wechseln, ohne das gestreamte Spiel verlassen zu müssen oder überhaupt die Maus zu bewegen.

Besonders praktisch sind auch Makros, um etwa mit einem Tastendruck gleich eine komplette Palette an Programmen zu starten oder aufeinanderfolgende Aktionen abzurufen.

Das Stream Deck + XL von allen Seiten

Dann wäre da noch der Touchstreifen. Dort kann man sechs Slots entweder mit nützlichen Anzeigen oder Touch-Bedienfeldern belegen - die Lautstärkeanzeige von bestimmten Audiokanälen zum Beispiel oder die Navigation der Stream-Deck-Seiten. Oder man nutzt die Fläche für weitere Schnellzugriffsaktionen.

Ganz unten am Gerät sind dann noch die sechs Drehknöpfe, die sich auch drücken lassen. Die glänzen natürlich vor allem bei Dingen wie Lautstärkeregulierung beziehungsweise ganz allgemein bei Aufgaben, die etwas mit Audio zu tun haben. So können Streamende etwa bestimmte Tonspuren gezielt lauter oder leiser drehen, ohne ein eigenes, analoges Mischpult zu benötigen oder erst ins digitale Mischpult wechseln zu müssen. Das lässt sich zwar grundsätzlich auch mit den Tasten bei einem der kleineren Modelle des Stream Decks lösen, ist durch die Drehknöpfe aber viel bequemer und schneller. Auch Seitenblättern lässt sich mit den Reglern, oder ihr dimmt die angeschlossenen Elgato-Lichter damit.

Überhaupt synergiert das Stream Deck natürlich besonders gut mit weiteren Elgato-Produkten oder mit der Wave-Link-Soundsoftware, mit der man auch ohne Elgato-Mikro den Ton steuern kann.

Vik im Twitch-Stream

Vik streamt schon seit Oktober 2021 mehrmals die Woche live auf seinem Twitch-Kanal VikSpielt. Dort gibt's vor allem Aufbau- und Strategiespiele in gemütlicher Atmosphäre und außerdem gelegentlich Indies und Retro. Zuletzt Timberborn, Nova Roma und Slay the Spire 2. Dabei überlegt er sich ab und auch mehr oder minder irre Challenges, um die Spiele noch herausfordernder zu machen. Klingt gut? Dann schaut doch mal vorbei!

Einrichtung und Software

Die Einrichtung des Stream Deck + XL ist prinzipiell genauso simpel, wie es bei den anderen Geräten der Produktlinie läuft. Einfach auspacken, das Gerät per USB an den PC (oder einen USB-Hub) anschließen, die Software herunterladen und installieren. Ein kleineres Manko gibt's aber direkt beim Lieferumfang. Wie bei allen neueren Versionen des Geräts liegt auch bei der teuersten Variante lediglich ein USB-C-auf-C-Kabel bei. Laut Elgato liegt das daran, dass die Nachfrage bei ihrem Support an solchen Kabeln zunehmend steigt, weil mehr Leute über Laptops streamen. Aber selbst, wenn das so ist, warum dann nicht beide Varianten des Kabels beilegen? Denn wenn ihr wie ich einen Desktop-PC nutzt, sind USB-C-Slots eher Mangelware. Und ebenso bei USB-Hubs. Aber gut, zum Glück mangelt es in unserem Haushalt nicht an USB-C-auf-A-Kabeln.

In der Software zum Stream Deck kann man bequem alles konfigurieren. Es stehen auch zahlreiche Plug-Ins zum Download bereit. Quelle: PC Games In der Software zum Stream Deck kann man bequem alles konfigurieren. Es stehen auch zahlreiche Plug-Ins zum Download bereit. Was mich am neuen Modell ebenfalls im Vergleich zu älteren Stream Decks stört: Man kann nun auch nicht mehr den Neigungswinkel selbst einstellen. Dieses praktische Feature wurde mit Einführung der MK2-Generation der Stream Decks entfernt und gegen einen festen Standfuß ausgetauscht. An Stabilität hat es meinem alten Stream Deck jedenfalls nie gemangelt. Und selbst wenn das ein Zweifel war, wieso nicht beide Varianten anbieten und den Kunden entscheiden lassen? Andere Aspekte lassen sich bei Elgato im Shop ebenfalls konfigurieren, etwa die Art der Tasten. Im Fall des Stream Deck + XL ist hinten außerdem eine Aussparung, um ansteckbares Zubehör wie ein USB-Hub oder ein XLR-Dock auf der Rückseite zu ermöglichen.

Gewohnt positiv war das Erlebnis dann dafür mit der Software für die Individualisierung des Geräts. Um ein Gefühl dafür zu vermitteln, was man alles mit den Tasten und anderen Bedienelementen machen kann, ist bei der Installation ein voreingestelltes Standardprofil mit vielen Beispielen dabei. Da sind dann verschiedene Anwendungen, lustige Sounds, die Steuerung für YouTube und Spotify, die Elgato-eigene Sound-Software Wave Link und noch viel mehr vorinstalliert.

Wenn man ein Bedienelement in der Software anklickt, sieht man rechts die Möglichkeiten, was man so alles dort platzieren kann. Und noch viel mehr geht durch Plug-ins, die man über den Elgato Marketplace kostenlos herunterladen und installieren kann. Für Streamende ist etwa eine Verknüpfung zum beliebten streamer.bot möglich. Oder weiterführende Plug-ins für OBS und Streamlabs.

Fazit: Für wen ist das Stream Deck + XL?

Kommen wir zur wohl wichtigsten Frage: Für wen lohnt sich das Stream Deck + XL eigentlich und lohnt sich der Umstieg von einem kleineren Deck auf das Spitzenmodell? Es ist schon echt praktisch, alle Aspekte eines Streams von den Szenen über Einblendungen und Sounds bis hin zur bequemen Kontrolle der Lautstärke von einzelnen Tonspuren griffbereit zu haben. Wenn ihr eine potente Steuerzentrale als Content Creator oder medienschaffende Person für euer Hobby oder euren Job sucht und nicht ohnehin schon ein Mischpult habt, ist das Stream Deck + eine wirklich gute Option.

Ich habe hier allerdings bewusst gerade das XL weggelassen. Denn so cool die vielen Bedienmöglichkeiten auch sind, habe ich für den Stream gar nicht so viele Tasten und andere Elemente gebraucht. Es ist schon beinahe Overkill, zumal das Gerät auch einiges an Platz am Tisch einnimmt.

Ein Einstieg mit dem Stream Deck Classic (15 Tasten für 169,99€ UVP) oder dem Stream Deck + (8 Tasten, kleinerer Touchstreifen mit 4 Elementen und 4 Drehknöpfe für 229,99€ UVP) ist für die allermeisten eine bessere Wahl. Da man die Tasten mit Unterordnern versehen und mehrere Seiten zur Verfügung hat, kann man problemlos alles Wichtige unterbringen.

Das Stream Deck + XL ist mit seinem Preis (349,99€ UVP) dann vor allem eher was fürs professionelle Umfeld oder, wenn ihr das ultimative Set-up möchtet und nur mit dem Besten vom Besten zufrieden seid.

Und falls ihr komplette Neulinge beim Live-Streaming seid und euch nicht gleich in Unkosten stürzen wollt, solltet ihr euch ohnehin erstmal kostenlose Alternativen wie Touch Portal ansehen. Für den Anfang reicht sowas auch völlig aus, auch wenn der Komfort hier im Vergleich zum Stream Deck nicht so hoch ist. Transparenzhinweis: Das Testgerät wurde uns von Elgato zur Verfügung gestellt.

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