Insgesamt fünf Bullenschleudern hängen uns im Nacken.
Das Wort Debakel stammt aus dem Französischen und steht unter anderem für eine blamable Niederlage. Es passt also ganz gut, wenn man vom Driv3r-Debakel spricht, denn nicht nur im Vergleich zum großen Konkurrenten Grand Theft Auto San Andreas, sondern auch für sich genommen war Reflections' PS2-Revival des Klassikers eine Enttäuschung und konnte die hoch gesteckten Erwartungen nicht ganz erfüllen.
Die Folgen: Firmengründer Martin Edmonson verließ das Unternehmen und sein Bruder Gareth übernahm das Ruder. Doch auch das Spielkonzept wurde kräftig umgekrempelt. Der Hauptdarsteller der ersten drei Episoden hat ausgedient, es gibt nur eine einzige Stadt, in der die Handlung spielt, und der Film-Director-Modus wurde aus dem Spiel geschmissen. Auf den ersten Blick drastische Veränderungen, doch eigentlich ist Driver: Parallel Lines näher am Original als jeder andere Nachfolger zuvor.
Tanner ist tot!
Undercover-Cop Tanner hat ausgedient und an seine Stelle tritt The Kid - kurz TK -, ein junger Kleinganove, der bei den großen Jungs mitmischen möchte und mit Tanner immerhin das fahrerische Talent gemeinsam hat. Wieder einmal treiben hochwertig gerenderte Zwischenseqenzen die Story voran, doch wenn wir uns an den direkten Vorgänger erinnern, scheiterte das Spiel ja auch letztendlich nicht an den Zwischensequenzen, sondern an der Technik und am Spieldesign. Und genau hier haben die Entwickler angesetzt.
Als Erstes fällt die überarbeitete Optik ins Auge, die spontan wenig aufregend wirkt und im Vergleich zum Vorgänger matschiger und weniger realistisch wirkt. Ein Trick, der schon Rockstars GTA-Serie geholfen hat, geht bei Driver: Parallel Lines nicht ganz auf. Zwar hat die Optik einen gewissen Comic-Charakter, wirkt aber weniger stimmig als bei der Konkurrenz. Doch der Lohn des Grafik-Rückschritts ist prächtig: Driver: Parallel Lines läuft fast ausnahmslos flüssig, bietet dichtes Verkehrsaufkommen und eine beeindruckende Fernsicht.
Erst wenn man die halbe New Yorker Polizei am Auspuff kleben hat, geht die Bildrate in die Knie, doch selbst dann haben diese Performance-Einbußen keinen Einfluss auf die Spielbarkeit - die ist erneut hervorragend. Wie von der Serie gewohnt, rutschen die dicken Ami-Schlitten herrlich um die Kurven und vermitteln wie in keinem anderen Spiel das Gefühl, PS-strotzende Blechkolosse durch den Verkehr zu steuern. Diese Aussage trifft aber nur auf einen Teil des Spiels zu.
Wie bereits berichtet, spielt die Handlung von Driver: Parallel Lines in zwei verschiedenen Zeitepochen. Die erste Hälfte des Spiels bestreiten Sie im Jahre 1978, der zweite Teil ist im heutigen New York angesiedelt. Dieser witzige Einfall ist storytechnisch sehr interessant eingebaut, spielerisch ergeben sich jedoch eher Nachteile. Das New York von 1978 macht einfach mehr Spaß, bietet die coolere Musik und die schnittigeren Autos. Zwar machen die spannenden Missionen auch 2006 noch Spaß, doch die Freude nach dem Abspann ist groß, wenn man frei zwischen den Epochen hin und her wechseln darf.
