Einen Wagen in diesen fahrenden Laster zu bugsieren ist schwerer, als es aussieht.
Bockschwer
Was viele Spieler der letzten Titel von Reflections vermutlich am meisten beschäftigt, das ist der Schwierigkeitsgrad. Schon der erste Teil von Driver war kein Zuckerschlecken, Stuntman sogar noch schwerer. Driv3r bietet zwar Checkpoints, schmeißt den Spieler aber genauso ins kalte Wasser wie die bisherigen Spiele aus Newcastle. Die demotivierende Art der Missionsgestaltung gipfelt in Istanbul. Eine Verfolgungsjagd durch enge Gassen, die keinen Fehler erlaubt und zudem in zwei Abschnitte aufgeteilt ist, knüpft in puncto Schwierigkeitsgrad und Nervfaktor locker wieder an altes Stuntman-Niveau an. Diese Art der Bestrafung des Spielers ist absolut inakzeptabel und gelinde gesagt eine Frechheit. Das eigentliche Problem ist aber ein ganz anderes. Während Stuntman konzeptionell diese Art der Missionsgestaltung nutzte, wirkt Driv3r dadurch unstimmig und lieblos. Die Nettospielzeit wird künstlich in die Länge gezogen, denn mit etwas mehr Fairness wäre Driv3r in sechs bis acht Stunden durchgespielt. Ganz so wie bei The Getaway hat man den Eindruck, Martin Edmondson und sein Team hätten drei Jahre mit dem Bau der Städte und Fahrzeuge verbracht, das Spiel aber nur mal eben in den letzten drei Monaten drumherum gestaltet.
Trotzdem gut
Dass unser abschließendes Urteil dennoch gnädig ausfällt, liegt in erster Linie am Take-A-Ride-Modus und der hervorragenden Physik. Wer gerne experimentiert und es genießt, Fahrzeuge in Zeitlupe zu verschrotten, der findet in Driv3r seinen Traum, spielerisch und atmosphärisch bietet GTA dagegen wesentlich mehr fürs Geld. Die Technik von Driv3r ist solide und stellenweise sieht das Spiel wirklich fantastisch aus. Recht auffälliges Pop-up und zahlreiche Grafikfehler ziehen den ansonsten guten Gesamteindruck leider wieder etwas nach unten. Es bleibt ein Rätsel, wieso man sich auf Feinheiten wie Schattenwürfe von Fahrzeugen auf sich selbst konzentrierte, dafür aber viele andere Objekte in den drei Städten ganz auf Schatten verzichten müssen. Die gute Fahrphysik und die umfangreichen Metropolen beschäftigen Fans der Serie auch auf lange Sicht. Zahlreiche Bonus-Missionen ohne Story lassen die Jagd durch Häuserschluchten und enge Gassen nicht so schnell langweilig werden. Der Story-Modus enttäuscht dagegen mit langweiligen Aufträgen und hohem Frustfaktor. Auf jeden Fall sein Geld wert ist der Soundtrack, denn der ist grandios und das heimliche Highlight des Spiels.
