Dragon Age: Inquisition im Test - Taktikt, Erkunden, Inquisition

Test Stefan Weiß
Dragon Age: Inquisition im Test - Taktikt, Erkunden, Inquisition
Quelle: Bioware

Dragon Age: Inquisition ist ein Zeitfresser! Bioware hat unglaublich viel Spielinhalt in sein neues Rollenspiel hineingepackt. Inhaltlich ist es weder die Rückkehr zu Origins, noch eine Wiederholung von Dragon Age 2. Im Test gehen wir auf die vielen Neuerungen ein und sagen euch, wie sich Inquisition in der Review-Fassung schließlich anfühlt. Wie viel Dragon Age, Skyrim und Co. stecken in dem ambitionierten Rollenspiel? Nach 102 Spielstunden steht die finale Wertung fest.

Wild schnetzeln und brutzeln oder bedächtig taktieren? Beides geht!

Beim Kampfsystem lassen sich in Inquisition zweierlei Spielrichtungen festhalten. Wer es actionreich mag, schaltet in den Spieloptionen den Menüpunkt "Schaden durch Verbündete" (Friendly Fire) aus und schnetzelt sich im leichten Modus durch die Gegnerhorden. Dabei könnt ihr dann auch weitestgehend auf die Taktik-Kamera verzichten. Gegner müssen in der Normalansicht durch permanenten Tastendruck beharkt werden. Es reicht dabei nicht, ein Ziel einfach mit der Maus auszuwählen, ihr müsst euch da schon aktiv zum Ziel bewegen. Fertigkeiten setzen die gerade nicht vom Spieler gesteuerten Charaktere standardmäßig automatisch ein. Sprich sie benutzen Skills und Zauber eigenständig, was für eine actionreiche Spielvariante taugt, die Kämpfe dabei aber auch mitunter chaotisch wirken lässt.

Dragon Age: Inquisition im Test - Mithilfe der Taktik-Kamera könnt ihr eure Charaktere individuell befehligen und steuern. Das klappt bis auf die mitunter fummelige Kamera ganz gut mit Maus und Tastatur. Quelle: PC Games Dragon Age: Inquisition im Test - Mithilfe der Taktik-Kamera könnt ihr eure Charaktere individuell befehligen und steuern. Das klappt bis auf die mitunter fummelige Kamera ganz gut mit Maus und Tastatur. Wer es lieber taktisch mag, der schalte (Friendly Fire) tunlichst nicht ab und spiele mindestens auf normalem Schwierigkeitsgrad. Dabei stellt man schnell fest, dass der automatische Skill-Einsatz der Begleiter-KI überfordert ist. So konnten wir beobachten, dass KI-Krieger munter in Flächenzauber unserer Magier reinspurteten und dann um Heilung brüllten, weil sie eben Schaden erlitten. Doch hierfür gibt es gut funktionierende Abhilfe. Im Taktik-Menü könnt ihr für jede Fertigkeit einstellen, ob der Charakter diese bevorzugt, normal oder gar nicht einsetzen soll. Die Taktikkamera lässt sich zudem so einstellen, dass dabei auch gleichzeitig die Zeit angehalten wird, was wir im Test bevorzugt spielten. Mithilfe der Taktikkamera lassen Kämpfe bedeutend effizienter bestreiten. Flächenzauber lassen sich an strategisch günstigen Stellen platzieren und Combos gezielt einsetzen. Das funktioniert im Großen und Ganzen gut. Lediglich in engen Bereichen ist es oft fummelig, eine günstige Kameraposition zu finden.

Schwierig wird es, wenn im gewählten Zielbereich gerade eine Effektgewitter niedergeht, das den Schauplatz in chaotische Farben einhüllt und man Figuren nur schwer ausmachen kann. Unterm Strich machten uns die vielen Kämpfe auf dem PC in der taktischen Variante auf jeden Fall sehr viel Spaß, bedeutend mehr als in Dragon Age 2, und wenn man in dieser Form seinen ersten Hohen Drachen legt, stellt das ein sehr befriedigendes Spielerlebnis dar. Weniger befriedigend fielen die auftretenden Wegfindungsprobleme der Gruppenmitglieder, aber auch der Gegner auf, was noch nach Feintuning ruft.

Block und Barriere statt Heilzauber

Inquisition verzichtet mit ganz wenigen Ausnahmen auf klassische Heilzauber. Mitgeführte Tränke, deren Zahl pro Charakter begrenzt ist, stellen meist euren Lebensretter dar, damit ein Charakter nicht bewusstlos umkippt. Sobald die komplette Gruppe k.o. ist, heißt es "Spielstand laden". Damit es nicht soweit kommt, spielen zwei zusätzliche Gesundheitspuffer eine bedeutende Rolle in Inquisition. Magier können "Barriere" zaubern, etliche Kampffertigkeiten erschaffen einen "Block". Beides sorgt dafür, dass eure Charaktere zusätzlich geschützt sind. Sobald ihr Schaden erleidet, verringert er zunächst vorhandene Barriere- und Block-Punkte. Erst wenn diese aufgebraucht sind, verlieren die Figuren Lebenspunkte. Das fühlt sich am Anfang zwar etwas ungewöhnlich an, erhöht aber durchaus den taktischen Faktor der Kämpfe. Gerade bei Bosskämpfen stellt diese Form der Gefährtenverteidigung eine absolut wichtige Komponente dar.

Offene Spielwelt , lange Laufwege, reiten, hüpfen und klettern

Dragon Age: Inquisition im Test - Die Questgebiete sind gespickt mit interessanten Locations. Was fehlt, ist eine Notizfunktion für eigene Angaben. Quelle: PC Games Dragon Age: Inquisition im Test - Die Questgebiete sind gespickt mit interessanten Locations. Was fehlt, ist eine Notizfunktion für eigene Angaben. Die einzelnen Questgebiete haben nichts mehr mit den teils recycelten Schlauchabschnitten des Vorgängers zu tun. Beim Spielen erinnert uns vieles an das Erkundungserlebnis, wie man es etwa in Skyrim erlebt. Hier ein ausgetretener Pfad, der zu einer versteckten Höhle führt, dort eine Ruine - Inquisition ist gespickt mit interessanten Locations. Dadurch füllt sich das Tagebuch schnell mit Quests, fast schon zu schnell und man weiß bald gar nicht mehr, was man als Nächstes tun soll. Über Langeweile kann man sich da wahrlich nicht beklagen, zumal die Quests abwechslungsreich ausfallen. An fest vorgegebenen Orten können wir Lager errichten, die dann als Schnellreisepunkt, Rastplatz und Trank-Tankstelle dienen. Trotzdem seid ihr in den Questgebieten viel zu Fuß unterwegs.

Da kommt es uns gelegen, dass wir recht früh im Spiel die Reittiere freigeschaltet haben. Neben klassischen Pferden gibt's auch exotischere Vertreter wie etwa Hirsche oder Drakolisken, die ihr im Verlauf des Spiels freischaltet. Kämpfen könnt ihr jedoch nicht zu Pferd. In den frei erkundbaren Gebieten könnt ihr erstmals auch springend die Gegend erkunden. Die Animation eurer hüpfenden Charaktere sieht zwar regelrecht lächerlich aus, doch erlaubt sie es, in versteckte Bereiche vorzudringen. Trotzdem ist das Herumgehampel in der aktuellen Form mitunter nervig, etwa wenn wir minutenlang versuchen, eine Felswand hochzukommen, um einen dort liegenden Sammelgegenstand aufzuklauben. Schön hingegen ist, dass die Figuren beispielsweise in zunehmend steilem Gelände angestrengt langsam hochstapfen - ein schönes Detail.

Was wir nicht gut gelöst finden, ist die Sache mit der transparenten Mini-Map. Diese zeigt lediglich Gegner in "Radarreichweite" an, auf der Karte vorhandene Lager, die gerade ausgewählte Quest oder einen vom Spieler gesetzten Wegpunkt. Da das Gelände aber oft unwegsam ist, nützt diese Richtungsangabe herzlich wenig, wenn die Geländekarte nicht unterlegt dargestellt wird. So ist man oft genug gezwungen, zwischen Gebietskarte und Mini-Map hin und her zu schalten. Die Gebietskarte ist stets nach Norden hin ausgerichtet, die Mini-Map zentriert auf den Charakter, was die Orientierung erschwert. Und wie so oft in Rollenspielen mit großen Karten vermissen wir auch in Inquisition eine Notizfunktion für eigene Einträge.

Auch wenn ihr beim ganz normalen Erkunden schon jede Menge Spots mit Spielinhalten entdeckt, verfügt Inquisition noch über eine zusätzliche Funktion. Oft genug beginnt der äußere Ring der Mini-Map farbig zu blinken und ein Gruppencharakter gibt den sehr vagen Hinweis: "Hier könnte sich etwas Außergewöhnliches befinden". Jetzt könnt ihr damit beginnen die Taste für "Suchen" zu drücken, was einer Echolot-Messung eines U-Boots gleichkommt. Ein lauter werdendes "Pling" verrät euch, ob ihr in die Nähe des "Außergewöhnlichen" kommt. Das kann ein verstecktes Dokument oder ein Sammelgegenstand sein, mitunter schaltet es auch eine neue Quest frei oder führt zu einem gesuchten Quest-Gegenstand. Das sorgt zwar für zusätzlichen Entdeckerdrang, spielt sich aber auf Dauer etwas lästig, wenn man im Kreis laufend, ständig auf die Suchen-Taste klickt und einen winzigen Gegenstand einfach nicht findet.

Was in den Questgebieten schön zu beobachten ist, sind die nicht geskripteten Ereignisse. Etwa an der Sturmküste, wo wir von einer Klippe aus den Kampf zwischen einem Riesen und einem Drachen beobachten konnten. Auch verfeindete Fraktionsmitglieder oder Fauna besitzt ein eigenes Verhalten. Wölfe stürzen sich auf die kleinen Fenneks, Banditen prügeln sich mit Magiern - das sorgt für eine lebendige Stimmung in den Gebieten. Um Gebiete "am Leben" zu erhalten, kommt in Inquisition auch entsprechend plötzliches Gegnerauftreten (Spawning) zum Einsatz. So kann es schon mal passieren, dass wir beim Kampf gegen eine Gruppe Roter Templer plötzlich Gesellschaft von neu umherstreifenden Drachenjungen bekommen, was schnell tödlich für unsere Gruppe enden kann.

Persönliche Inquisitionsführung erwünscht - Die Himmelsfeste und der Ratsraum

Dragon Age: Inquisition im Test - Zentrale Steuerstelle der Inquisition ist der Rats-Raum, in dem ihr wichtige Entscheidungen über den Spielfortgang trefft. Quelle: PC Games Dragon Age: Inquisition im Test - Zentrale Steuerstelle der Inquisition ist der Rats-Raum, in dem ihr wichtige Entscheidungen über den Spielfortgang trefft. Zu den wichtigsten Aufgaben eurer Hauptfigur zählen der Aufbau und die Leitung einer Inquisition. Dazu erhaltet ihr zunächst einen Dorfstützpunkt (Haven) und später die mächtige Burganlage Himmelsfestung. In etwa vergleichbar mit der Normandy aus Mass Effect oder besser noch, einem Assassinenstützpunkt in der Assassin's Creed-Reihe, ist die Inquisitionsbasis Anlaufpunkt für viele Features. Ihr verbringt hier viel Zeit mit Dialogen; vorrangig euer Begleiter, die über die ganze Anlage verteilt sind.

Ein zentraler Anlaufpunkt in eurer Basis ist jedoch der Ratsraum. Darin befindet sich eine interaktive Karte von Orlais und Ferelden, die jeweils einzeln angewählt wird. Warum man nicht eine Gesamtansicht ermöglicht, können wir allerdings nicht nachvollziehen. Je nachdem, welche Quests wir erledigen, welchem Volk unser Hauptcharakter angehört und welche Entscheidungen wir im Spiel treffen, stehen uns auf den Karten unterschiedliche Missionen zur Verfügung. Laut Bioware sind über 300 solcher Missionen enthalten, die man auf keinen Fall alle während eines Spieldurchgangs absolvieren kann.

Missionen erledigen wir dabei nicht mit der eigenen Gruppe. Ähnlich wie die angeheuerten Assassinen in Brotherhood, setzen wir in Inquisition unsere Berater ein. Je nach gewähltem Berater ist eine unterschiedlich andauernde Zeitspanne nötig, bis ein solcher Auftrag erfüllt ist. Inquisition rechnet dabei in Echtzeit, auch wenn man eine Spielsession beendet hat. Es lohnt sich daher, bevor man sich ausloggt, länger dauernde Aufträge anzunehmen. Die Missionen bescheren euch Gold, Rohstoffe, Macht und Einfluss. Macht benötigt ihr beispielsweise, um neue Quests freizuschalten. Das Machtsystem sorgt dafür, dass ihr zum Teil selbst bestimmen könnt, wie und wo ihr die Geschichte fortschreiben wollt, was motivierend ist.

Steigender Einfluss sorgt dafür, dass unsere Inquisition im Rang aufsteigt. 11 solcher Rangstufen gibt es in Inquisition. Mit jedem Aufstieg erhaltet ihr einen so genannten Inquisitionsbonus. Inquisitionsboni bieten eine weitere Option, euer Spiel nach persönlichen Vorstellungen anzupassen, da sie euch globale Verbesserungen bescheren. Inquisitionsboni gibt es in den Kategorien Truppen, Geheimnisse, Beziehung und Inquisition. Damit könnt ihr dann beispielsweise die Anzahl mitgeführter Tränke, Inventargröße oder Erfahrungspunkte-Boni für erschlagene Gegner sowie entdeckter Kodexeinträge erwerben. Andere Boni verschaffen euch Rohstofflieferungen, verbessern Händlerpreise oder lassen eure Schurken zusätzliche Schlösser knacken. Da es erheblich mehr Boni zur Auswahl als zu investierende Punkte Punkte gibt, gilt es stets, mit Bedacht abzuwägen, welche der Verbesserungen ihr euch leisten wollt. Einen Teil dieser wertvollen Boni erhaltet ihr, wenn ihr es aufgrund eurer Entscheidungen schafft, bestimmte NPCs für die Inquisition zu gewinnen.

Missionen und Inquisitionsboni mögen anfangs vielleicht nicht ganz durchschaubar für den Spieler sein, sorgen mit zunehmender Spielzeit aber dafür, dass man sich als Spieler als echter Anführer der Inquisitionsfraktion fühlt. Erst recht, da dies in den immer wieder ausschweifenden Dialogen zum tragen kommt. Mehr noch, in eurer Rolle als Inquisitor müsst ihr auch Gerichtsurteile fällen, was wiederum durch Quest-Entscheidungen in die Wege geleitet wird. Ein kleines Beispiel, das wir möglichst ohne zu viel Spoiler-Inhalt darlegen möchten: Im Zuge einer größeren Questreihe müsst ihr über das verbleibende Schicksal einer Fraktion und deren Anführer entscheiden. Ihr könnt dabei bestimmen, den Anführer gefangen zu nehmen. Zurück in der Himmelsfeste kommt es dann zum Prozess, in dem ihr abwägen könnt, ob es vielleicht ratsam ist, den Gefangenen am Leben zu lassen, ihn für die Inquisition einzusetzen oder ihn hinzurichten. Jede dieser Entscheidungen hat wiederum unmittelbaren Einfluss auf die Reputation gegenüber eurer Begleiter. Wie für Bioware üblich, ermöglicht eine hohe Reputation auch die Möglichkeit, Romanzen mit Charakteren einzugehen, soweit so gut. Ob und wann es bei zu hoher Ablehnung zum Verlust von Charakteren oder anderweitigen Nachteilen kommen kann, ließ sich bislang im Test nicht nachvollziehen. Auch wenn wir einige Entscheidungen getroffen haben, die für Unmut sorgten, sind aktuell noch alle neun Begleiter mit an Bord.

Als Inquisitor und Herr der Himmelsfeste habt ihr noch weitere Features in euren Händen. So könnt ihr verschiedene Ausbauten an der Anlage vornehmen, um daraus für das Spiel nützliche Vorteile zu ziehen. Den Garten etwa könnt ihr zum Beispiel verbessern, um dort Rohstoffpflanzen anzubauen. Das ist zum Beispiel nützlich, wenn ihr viele Tränke benötigt und herstellt. Oder ihr liefert Sammelgegenstände von besiegten Monstern und Gegnern am Forschungstisch ab. Je mehr ihr davon erbeutet, desto mehr Informationen erhaltet ihr über Gegner, was sich in passiven Kampfboni niederschlägt. Anderes gesammeltes Wissen und Kodexeinträge schalten neue Dekorationsobjekte frei, mit denen ihr die Himmelsfeste optisch anpassen könnt. Keine Frage, Bioware überschüttet den Spieler förmlich mit Content, der in großen Teilen gut zu unterhalten weiß, mitunter aber auch aufgrund der Fülle überfordern kann.

Bildergalerie

  1. Seite 1 Dragon Age: Inquisition im Test - Story, Inszenierung, Klassen
  2. Seite 2 Dragon Age: Inquisition im Test - Taktikt, Erkunden, Inquisition
  3. Seite 3 Dragon Age: Inquisition im Test - Crafting, Technik
  4. Seite 4 Dragon Age: Inquisition im Test - Update mit Wertung
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