Double Cross im Test: Warum das interdimensionale Jump & Run für den PC und die Nintendo Switch in vielen Punkten schwächelt
Test 15,11 €
Im Juli 2018 veröffentlichte 13AM Games mit Runbow einen spaßigen Mehrspieler-Platformer. Mit dem Release von Double Cross am 10. Januar 2018 ist das kanadische Indie-Entwicklerstudio nun zurückgekehrt. Ob das interdimensionale Jump & Run rund um Zahra Sinclair und ihre R.I.F.T.-Kollegen hält, was es verspricht, prüfen wir für euch im Test.
Inhaltsverzeichnis
Als Agentin der Regulierungsbehörde für Interdimensionale Fernreisen und Transport (kurz R.I.F.T.) sorgt Zahra Sinclair für galaktischen Gehorsam. Ob illegal einwandernde Außerirdische oder anderweitig abnorme Dimensionssprünge: Kosmische Regelverstöße kommen der verantwortungsbewussten Weltraumbeamtin um keinen Preis in die Tüte. Als der mächtige Metakatalysator aus dem R.I.F.T.-Hauptquartier gestohlen wird, zögert Zahra daher keine Sekunde, dem mysteriösen Übeltäter nachzustellen und seine Identität zu offenbaren.
Ein Fall für Galileo Mystery
Quelle: PC Games
Neben den liebevoll gestalteten Charakteren bildet das interdimensionale Setting einen weiteren, raren Pluspunkt im nicht ganz so actionreichen Jump & Run. (PC)
Die relativ interessante, aber vorhersehbare Handlung nimmt im Jump & Run Double Cross (jetzt kaufen 15,11 € ) einen nicht zu unterschätzenden Teil des Gameplays ein. So lenkt ihr Zahra nicht nur durch dreizehn triviale Levels, sondern geht mit der eifrigen Agentin auch zwischendurch im R.I.F.T.-Hauptquartier auf Spurensuche. Was in der Theorie durchaus spannend klingen mag, entpuppt sich in der Praxis schon bald als eintöniger Schreibtischjob. Statt eurem eigenen, kriminalistischen Spürsinn zu folgen, tingelt ihr nämlich auf Anweisung von einem R.I.F.T.-Kollegen zum anderen, besprecht Indizien und befüllt ganz nebenbei eure Akten.
Insgesamt gleicht die Detektivarbeit damit leider eher einem lästigen Lückenfüller als einem sinnvollen Spielelement und macht einen sehr halbherzigen Eindruck. Ein paar Rätsel hätten hier wahre Wunder gewirkt, stattdessen bleibt es bis zum Schluss beim einfallslosen "Gehe zu X und zeig ihm Y"-Prinzip.
Im Weltall nichts Neues
Quelle: PC Games
Mit der Protonenschleuder zieht sich Zahra zu entfernten Plattformen, um beispielsweise wertvolles Upgradium zu sammeln. (Switch)
Jetzt aber weg vom Schreibtisch und ab ins Getümmel! Immerhin warten in Double Cross nebst der Endmission drei Gebiete mit jeweils vier relativ langen Levels auf euch, die ihr in nahezu beliebiger Reihenfolge abschließen könnt. Stets mit dabei ist eure Protonenschleuder, mit der ihr euch zu bestimmten Haltepunkten zieht, um entfernte Plattformen zu erreichen, Abgründe zu überwinden oder auch einfach nur schneller von A nach B zu gelangen. Aktiviert ihr die Schleuder, verlangsamt sich dankenswerterweise die Zeit, damit ihr in Ruhe zielen könnt. Die Hangelei macht Spaß und ist einwandfrei umgesetzt - leider mangelt es dem restlichen Leveldesign aber an frischen Ideen und Innovationen.
Quelle: PC Games
In den Arcade-Levels der Spaßkuppel müsst ihr eure Protonenschleuder geschickt einsetzen. (PC)
So vereint Double Cross so ziemlich alle Klischees, die man von anderen Platformern bereits zur Genüge kennt, schafft es aber nicht, sie in einem neuen, spannenderen Gewand zu präsentieren. Die drei individuell gestalteten Gebiete Spaßkuppel, Reptarria und Glibbertopia bringen wenigstens ein wenig Abwechslung ins Spiel: So gibt es im Letztgenannten etwa verschiedenfarbige Schleime, die ihr euch zunutze machen müsst, um ans Levelende zu gelangen. Nicht zuletzt wegen des geringen Umfangs kann Double Cross sein Potenzial aber nicht ausschöpfen. Auch die Grafik ist allenfalls Mittelmaß. Während die liebevolle Gestaltung der Charaktere überzeugt, lassen die Levels selbst zu wünschen übrig. Vor allem das öde Reptarria entäuscht auf ganzer Linie. Immerhin ist die musikalische Untermalung gelungen.
Haudrauf-Agentin Sinclair
Quelle: PC Games
Hübsch geht anders: Inbesondere die Etappe Reptarria macht einen öden Eindruck. Die wenigen Gegnertypen mindern die Abwechslung im Spiel noch weiter. (Switch)
Größtes Manko sind jedoch ohne Frage die unfassbar eintönigen wie substanzlosen Kämpfe. Besiegt ihr die nach Schema F kämpfenden Gegner, lassen sie Energiekugeln fallen, die Zahra den Einsatz noch stärkerer Fähigkeiten ermöglichen. In Anbetracht der absolut anspruchslosen Schlagabtausche ist die Nutzung jener jedoch überhaupt nicht nötig. Ähnlich überflüssig sind daher auch die Aufwertungen, die Zahra mithilfe des gesammelten Upgradiums freischaltet. Zwar erhaltet ihr dadurch Zugriff auf ein paar durchaus hilfreiche Fähigkeiten wie den Doppelsprung, ans Spielende kommt ihr aber auch problemlos ohne.
Lediglich der finale Endkampf bringt euch tatsächlich ein wenig ins Schwitzen und findet daher positive Erwähnung. Alle anderen Bossbegegnungen sind trotz ihrer unterschiedlichen Phasen bedauerlicherweise ähnlich trivial wie die restlichen Kämpfe und jeweils nach einer knappen Minute auch schon wieder vorüber.
Von Sauerbraten bis Ananas
Quelle: PC Games
Drei von insgesamt vier Bosskämpfen sind maximal trivial und jeweils nach einer knappen Minute vorüber. Eine volle Energieleiste beschleunigt das Prozedere nur. (Switch)
Nach rund sechs Stunden ist der Verdächtige X geschnappt und der Metakatalysator wieder in Sicherheit. Wer das restliche Upgradium sammeln und alle Erfolge freischalten will, kehrt zum R.I.F.T.-Hauptquartier zurück und wiederholt die Levels - die Zwischensequenzen lassen sich dabei aber nicht überspringen.
Insgesamt hinterlässt Double Cross einen mittelmäßigen Eindruck. Ob die Grafik, das Leveldesign, das Kampfsystem, die Bossbegegnungen oder die Spurensuche: Jedes Spielelement ist nichts Halbes und nichts Ganzes und nicht selten sogar völlig belanglos. Wer auf der Suche nach guter Genrekost ist, sollte daher lieber einen Blick auf Mega Man, Shovel Knight oder Azure Striker Gunvolt werfen. Vielleicht sehen wir Zahra und ihre R.I.F.T.-Kollegen ja in einem anderen Spiel wieder - insbesondere die quirligen Charaktere sowie das interdimensionale Sci-Fi-Setting besitzen nämlich durchaus eine Menge Potenzial.
