Dispatch im Test: So cool waren Superhelden schon ewig nicht mehr - Staffel 1 jetzt mit Wertung

Test Felix Schütz
Dispatch im Test: So cool waren Superhelden schon ewig nicht mehr - Staffel 1 jetzt mit Wertung
Quelle: PC Games

Das Episodenformat ist out? Von wegen! In Dispatch prallen Büroalltag und The Boys genüsslich aufeinander. Ein grandioser Superheldenspaß, wenn auch nur für Story-Fans. Jetzt mit Wertung für die komplette erste Staffel!

Nach mehr als 20 Jahren als Redakteur habe ich zig Trends kommen und gehen sehen. Manchen davon weine ich keine Träne nach. Episoden-Adventures, interaktive Filme und die überstrapazierte Telltale-Formel? Zählen für mich eindeutig dazu. Klar, die hatten ihre Zeit! Aber ich wünsche sie mir einfach nicht mehr zurück. Dachte ich jedenfalls.

Denn Dispatch (jetzt kaufen 19,99 € ) hat mich eines Besseren belehrt. Dabei ist das Spiel streng genommen "nur" ein interaktiver Superhelden-Film, oder genauer: eine interaktive Serie. Ich darf zwar Entscheidungen treffen und zwischendurch gibt's auch ein wenig strategisches Gameplay, doch am Ende des Tages ist es vor allem ein Story-Erlebnis im Episodenformat. Aber was für eines!

Hinter dem Projekt steht AdHoc Studio, ein Team aus ehemaligen Telltale- und Ubisoft-Profis. Mit Dispatch wollen sie "ihr" Genre nicht nur zurückbringen, sondern auf ein neues Qualitätslevel heben. Nun habe ich die erste Staffel durchgespielt und kann bestätigen: Das hat geklappt! Zwar zieht auch Dispatch nicht alle Register, doch am puren Unterhaltungswert ändert das wenig: Für mich ist es eines besten und witzigsten Story-Spiele des Jahres.

Helden in der Kaffeeküche

Die Idee hinter Dispatch ist zwar nicht neu, aber das macht überhaupt nichts, wenn die Umsetzung so gelungen ist.

Das Spiel entführt euch in ein modernes Los Angeles, in dem Superhelden zum Alltag gehören. Einer von ihnen ist, oder besser gesagt war Robert Robertson. Als kolossaler Mecha-Man mischte er jahrelang die Unterwelt von L.A. auf, mutig, selbstlos, ein Superheld durch und durch. Doch eines Tages muss er eine empfindliche Niederlage einstecken, sein mächtiger Kampfanzug wird dabei zerstört. Und so bleibt Robert keine Wahl: Schweren Herzens muss er sein Cape an den Nagel hängen, mit der Helden-Karriere ist es aus und vorbei.

Neue Hoffnung schöpft Robert erst, als sich das "Superhelden-Dispatch-Netwerk", kurz SDN bei ihm meldet. Dort wird eine ganz besondere Notrufzentrale betrieben - und die bietet ihm einen Job an, den sonst niemand haben will.

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Stromberg trifft auf Suicide Squad

Das SDN vermittelt normalerweise Superhelden an Menschen in Not - ein Anruf genügt, schon macht sich ein kostümierter Helfer auf und eilt zum Einsatzort. Doch Roberts Job hat einen kleinen Haken: Anstatt ein Team aus lupenreinen Helden anzuführen, soll er stattdessen eine Gruppe (halbwegs) geläuterter Superschurken auf Vordermann bringen. Das Ziel: Die Chaostruppe zu einer rechtschaffenen Spezialeinheit zusammenschweißen, die künftig für das Gute kämpft. Keine leichte Aufgabe, denn sein marodes Team besteht aus streitsüchtigen Brandstiftern, Dieben, Attentätern, übergriffigen Dämonen, gleichgültigen Golems - und einer mannshohen, kokainsüchtigen Fledermaus.

Was AdHoc Studio daraus strickt, ist ein verblüffend treffsicherer Mix aus Suicide Squad, The Boys, Invincible - und einer dicken Portion Stromberg. Denn obwohl schon im Intro mächtig die Fetzen fliegen, mit knallharter Action, mächtigen Superkräften und giftgrünen Genitalien, folgt darauf eine feinfühlige Büro-Komödie, die zu Herzen geht.

Und damit treffen die Entwickler genau meinen Nerv. Es ist schon lange her, dass ich mal bei einem Spiel gelacht habe! Dispatch gelingt es schon in der ersten Folge - und zwar gleich mehrfach.

In Dispatch sind Superhelden (und Superschurken) allgegenwärtig. Quelle: PC Games In Dispatch sind Superhelden (und Superschurken) allgegenwärtig.

Grandiose Sprecher

Zwischen Großraumbüro, WC und Kaffeemaschine lernt Robert sympathische Kollegen kennen, die von motivierten Sprechern ins Leben gerufen werden. Etwa die herrlich unverschämte Invisigal - eine junge Diebin, die sich nach Belieben unsichtbar machen kann und keine Gelegenheit auslässt, ihrem Chef die Meinung zu geigen. Dank der starken Vertonung von Laura Bailey zählt sie schnell zu meinen Lieblingsfiguren, im späteren Handlungsverlauf nimmt sie dann völlig zu Recht eine zentrale Rolle ein.

Die Entwickler konnten sogar etwas Hollywood-Prominenz an Land ziehen: Der herzlich dauerfluchende Chase, eine Art Mentor von Robert, wird von keinem Geringeren als Jeffrey Wright (The Batman, James Bond) eingesprochen. Der Star der Show ist aber Aaron Paul (Breaking Bad), dem die Hauptrolle als Robert Robertson wie auf den Leib geschrieben scheint. Mal zynisch, mal einfühlsam und immer herrlich trocken, liefert Aaron Paul eine Punktlandung ab.

Einziger Wermutstropfen: Deutsche Sprachausgabe gibt es nicht, ihr müsst mit englischen Untertiteln auskommen.

Wo geht's hier bitte zur Kaffeemaschine? In Dispatch trifft Stromberg-Klamauk auf Superhelden-Drama. Quelle: PC Games Wo geht's hier bitte zur Kaffeemaschine? In Dispatch trifft Stromberg-Klamauk auf Superhelden-Drama.

Superheldenserie zum Mitspielen

Auch optisch kann das Spiel mühelos mit seinen Sprechern mithalten. Erinnert ihr euch noch an die klobigen Grafiken von Telltales the Walking Dead? Die Matsch-Texturen, die kantigen Figuren, die leblosen Schauplätze? Davon ist hier keine Spur! Dispatch wurde mit der Unreal Engine und einer ganzen Armee von externen Grafikern umgesetzt.

Das Ergebnis kommt einem guten Animationsfilm schon ziemlich nahe: Ausdrucksstarke Charaktere, schöne Beleuchtung, liebevoll ausgearbeitete Kulissen und blitzsaubere Schnitte sorgen für pure, anspruchslose Unterhaltung - auch wenn man dabei meistens zum Zusehen verdammt ist.

Bildergalerie

In den Actionszenen gibt es zwar kinderleichte Quicktime-Events und oft muss man auch Dialogentscheidungen unter Zeitdruck treffen, doch ansonsten gibt es da nicht viel, was sich auch nur anklicken ließe. Ihr dürft auch nie selbst entscheiden, welche Räume ihr besucht, oder mit Robert einfach mal durchs Gebäude schlendern. Rätsel, Nebenaufgaben, Erkundung oder optionale Dialoge fallen damit flach, das Spiel gibt euch den Ablauf Szene für Szene vor.

In den meisten Spielen kann ich das nicht leiden. Doch im Fall von Dispatch ist es mir absolut recht - denn so fühlt sich das Spiel tatsächlich wie eine gelungene Serie an, bei der ich am Ende jeder Folge sofort auf "nächste Episode" klicken will. Ich muss einfach wissen, wie es weitergeht!

Allerdings ist Dispatch eben mehr als nur eine Serie, die man zurückgelehnt genießen kann - es gibt auch was zu spielen! Auf der nächsten Seite erfahrt ihr, wie sich Dispatch im "Strategiemodus" spielt, wie ihr euer Team richtig zum Einsatz bringt und welche Rollenspielelemente dabei zum Vorschein kommen.

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  2. Seite 2 Dispatch im Test: Strategiekarte, RPG-Elemente und Entscheidungen
  3. Seite 3 Dispatch im Test: Wertung und Fazit zur ersten Staffel
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