Disney Illusion Island im Test: So gut und doch so enttäuschend ...

Test Lukas Schmid
Disney Illusion Island im Test: So gut und doch so enttäuschend ...
Quelle: Disney 

Micky, Donald, Goofy und Minnie hüpfen in Disney Illusion Island über ein kunterbuntes Eiland - aber nicht direkt in mein kaltes Spielerherz. Test!

Ich entstamme einer Generation, in der Disney noch nicht gleichbedeutend war mit Marvel, Star Wars und blauen Avatar-Gruselaliens, sondern mit ... nun ja, Disney eben. Bei Disney dachten wir früher an Donald Duck, Micky Maus und all die anderen Bewohnern Entenhausens, das Micky-Maus-Magazin-Abo war Pflicht, ebenso der semi-regelmäßige Kauf des Lustigen Taschenbuchs. Außerdem dachte man bei Disney natürlich auch noch die diversen Zeichentrickfilmklassiker wie Aladdin und Taran und der Zauberkessel. Nun gut, das war gelogen, niemand denkt jemals in irgendeinem Zusammenhang an Taran und der Zauberkessel. Auf dem Sega Mega Drive genoss ich ergo Anfang der 1990er-Jahre die zahlreichen wirklich toll gemachten Disney-Spiele: Aladdin, König der Löwen, vor allem aber eben jene Titel rund um die Entenhausener Bande, also zum Beispiel Quack Shot, Mickey Mania sowie Castle of Illusion und World of Illusion.

Die nächste Illusion

Es ist wohl kein Zufall, dass sich Disney Illusion Island (jetzt kaufen 27,00 € ) namentlich ein wenig an den letztgenannten beiden Titel orientiert, gelten sie doch gemeinhin als ein Höhepunkt dieser Disney-Hüpfspiel-Ära (vor einigen Jahren gab es da schon mal einen mäßig gelungenen Fortsetzungsversuch auf dem Nintendo 3DS).

Bis auf den Namen und die ProtagonistInnen hat das neue Spiel aber wenig mit den Klassikern von einst gemein: Das Design ist an der neuen Micky-Maus-Serie angelehnt, spielerisch ist es ein waschechtes Metroidvania, es ist eben ein modernes Spiel und nicht nur eine Reminiszenz an vergangene Zeiten.

Aber gelingt es trotzdem, die Qualität von einst wieder aufleben zu lassen? Schafft es das Abenteuer, sowohl alte, grummelige "Früher war alles besser"-NostalgikerInnen wie mich als auch neue SpielerInnen abzuholen?

Springmaus

Ich habe mich auf jeden Fall im Vorfeld auf das Spiel gefreut: Es sah in den Trailern toll aus, Jump & Runs wie Rayman Legends, Celeste oder Super Meat Boy, von denen es klar inspiriert ist, mag ich total und ja, Disney eben, die Liebe meiner Jugend.

Der Ersteindruck ist dann auch wirklich sehr, sehr gut, sobald man ins Abenteuer startet. Die seltenen, aber langen Zwischensequenzen könnten so direkt aus der Zeichentrickserie stammen, sie sind famos animiert und gefällig lustig. Heißt: Vor Lachen umfallen wird hier keiner, es ist aber harmloser, familientauglicher und manchmal überraschend Meta-lastiger Humor, mit dem hier aufgewartet wird.

Wortklauerei

Die Story ist völlig vernachlässigbar - Micky, Donald, Minnie und Goofy sollen für eine Gruppe süßer Häschen ein paar geklaute Bücher wiederbeschaffen -, aber als Fundament für die stimmige Präsentation taugt sie allemal.

Micky, Donald, Minnie und Goofy verstecken sich im Geäst. Quelle: Disney  Etwas bizarr muten die deutschen Texte in den Dialogen aber manchmal an. Erstens ziehen sich die Gespräche teilweise ohne Sinn und Verstand echt lang, vor allem aber wirken sie manchmal sehr bizarr zusammengestöpselt. Das ist auch deswegen seltsam, weil an anderer Stelle dann doch wieder sehr gelungen mit Wortwitz gearbeitet wird.

Im Englischen ist das alles etwas stimmiger. Wirklich grandios hingegen sind die stimmungsvolle Musik und die Sprecher, bezüglich derer sowohl in der englischen als auch in der deutschen (und wie ich vermute auch in den andere unterstützten Sprachen) Snychronisation die Originalsprecher des Heldenquartetts zum Einsatz kommen.

Andere Rollen wie der Chef der Hasenbande haben ebenfalls bekannte Sprecher, er wird von Sandra Schwittau gesprochen, der ikonischen Stimme Bart Simpsons und zahlreicher anderer bekannter Figuren.

Lediglich die Soundabmischung ist qualitativ schwankend, in manchen Szenen hört man kaum, was die Figuren sagen, weil sie so leise sind. Bei Donald versteht man sowieso nie, was er sagt, aber das ist ja Teil des seit fast 100 Jahren währenden Running Gags.

Schöne Ente

Wenn wir schon bei der Technik sind, sacken wir die Grafik gleich auch noch mit ein: Die ist super! Im Grunde sieht sie genauso aus wie die Zwischensequenzen, nur halt in 2D. Micky, Donald, Minnie und Goofy sind famos animiert, alles ist kunterbunt, läuft extrem flüssig - es ist eine Freude.

Eine etwas gar lange Ladezeit bei Spielstart und die Tatsache, dass die Levels an und für sich etwas detailarm gestaltet sind, kann ich da locker verschmerzen. Das ist ja schließlich auch eine bewusste Designentscheidung.

Plattfüßiges Gameplay

Soweit also alles fein. Darum ab zum Gameplay, und das ist ... uff. Nun ja. Es ... existiert, viel Substanzielleres lässt sich da nicht sagen. Disney Illusion Island ist so hochwertig gestaltet, steckt so voller eindeutiger Liebe der Macher für die Vorlage, und dann liefern sie halt ein dermaßen nach Schema F gestricktes Ding ab.

Bildergalerie

Keineswegs ein schlechtes Ding, das sei dazugesagt. Die große, verwinkelte Welt ist soweit ganz gut gestaltet. Leider gibt es einige Sackgassen, die ausgiebiges Backtracking verlangen und ein richtiges Schnellreisesystem schaltet man erst sehr, sehr spät frei. Die Aufgabe: herumhüpfen, Schlüssel für Türen sammeln, kleine Geschicklichkeitsaufgaben absolvieren. Und natürlich gibt's allenthalben Orte oder Items, die man noch nicht erreichen kann, weil einem der dafür benötigte Move noch fehlt.

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