Diablo Immortal in der Vorschau: So spielt sich das Mobile-Diablo

Special Felix Schütz
Diablo Immortal in der Vorschau: So spielt sich das Mobile-Diablo
Quelle: Blizzard

Überraschung! Diablo Immortal erscheint schon in wenigen Wochen. Und zwar nicht nur für iOS und Android, sondern auch für den PC. Als einzige deutsche Redaktion haben wir mit den Entwicklern gesprochen und verraten euch hier, warum die PC-Fassung vielleicht anders wird, als ihr erwartet - und warum ihr dem Spiel trotzdem eine Chance geben solltet.

Wir konnten Diablo Immortal schon während der Alpha- und Beta-Testphasen ausprobieren, insgesamt kamen da rund 50 Stunden Spielzeit zusammen. Inhaltlich war der Mobile-Titel fast komplett, lediglich ein Schlussakt der Kampagne fehlte noch. Endgame, PvP und alle anderen Funktionen waren dafür vollständig enthalten. Dadurch hat sich schon ein ziemlich klares Bild abgezeichnet: Diablo Immortal ist gut. Nicht überragend, nicht wegweisend. Aber es ist ganz sicher nicht das billige Handyspielchen, das ihm oft nachgesagt wird. Im Gegenteil: Das Ding ist nicht nur ideal für zwischendurch, sondern auch in längeren Sessions ein überraschend spaßiges Diablo für die Hosentasche. Natürlich gibt es ein paar Zugeständnisse, als Mobile-Game kann, will und wird es kein Path of Exile oder Diablo 2: Resurrected ersetzen. Aber es dürfte jede Menge neue Spieler an Land ziehen - und vielleicht sogar den ein oder anderen Skeptiker überraschen, der Mobile-Games bislang für Teufelszeug hielt.

Ein Diablo ohne Diablo

Die Geschichte ist zwischen Diablo 2 und Diablo 3 angesiedelt. Die drei Großen Übel sind besiegt, von Azmodan und Belial fehlt noch jede Spur. Stattdessen tritt mit Skarn ein hochrangiger Diener von Diablo auf, der es auf die Scherben des zerstörten Weltensteins abgesehen hat. Ein Epos sollte man dabei nicht erwarten, dazu wirkt die Bedrohung zu klein, der Einsatz zu gering. Mit Figuren wie Deckard Cain oder Charsi kehren aber immerhin ein paar alte Bekannte zurück, sogar der Totenbeschwörer Xul und Zoltun Kulle haben kurze Auftritte - das sorgt für Wiedersehensfreude. Und auch wenn nicht ganz so dicke Story-Geschütze wie früher aufgefahren werden: Die Kampagne von Diablo Immortal geht völlig in Ordnung und motiviert zum Weiterspielen. Es gibt massenhaft Charaktere, gut vertonte Dialoge, kleine Skript-Ereignisse und ab und zu kommen auch Zwischensequenzen in Spielgrafik zum Einsatz, die für Atmosphäre sorgen.

Diablo Immortal erscheint am 2. Juni 2022. Werdet ihr es spielen?  Quelle: Blizzard Diablo Immortal erscheint am 2. Juni 2022. Werdet ihr es spielen? 

Sechs Helden zum Launch

Die Klassenauswahl vom Barbaren über Dämonenjäger bis hin zum Totenbeschwörer hält keine großen Überraschungen bereit. Auch das streng lineare Talentesystem wirkt auf den ersten Blick ernüchternd: Mit jedem Levelaufstieg werden neue Skills automatisch freigeschaltet und verbessert. Doch dafür sind die sechs Helden wieder cool umgesetzt und bringen auch ein paar neue Fähigkeiten zum Einsatz. Zauberer können beispielsweise Eiskristalle erschaffen, die man anschließend mit einem Kältestrahl beschießt, wodurch der Strahl bricht und auf mehrere Gegner gestreut wird. Nette Idee! Ein Highlight ist auch die brachial inszenierte Charakterauswahl, die alle Helden in kurzen, actiongeladenen Kampfsequenzen präsentiert: So martialisch und detailreich wurden eure Figuren bislang noch in keinem Diablo dargestellt.

Apropos: Erst kürzlich haben die Entwickler verraten, dass ihr erstmals zwischen den Klassen wechseln könnt, ohne euren Fortschritt zu verlieren. Das heißt, ihr müsst nicht jedes Mal wieder ganz von vorne anfangen, wenn ihr einen Zweit- oder Drittcharakter startet, sondern könnt eure erspielten Fortschritte (z.B. Beute oder Paragonlevels) einfach zur nächsten Klasse mitnehmen. Das Feature soll allerdings erst kurz nach Release eingebaut werden.

Online ist Pflicht

Das Gameplay wirkt trotz Touch-Steuerung sehr vertraut, auch wenn das Tempo insgesamt etwas niedriger ausfällt als in anderen Diablo-Spielen. Einer der größten Unterschiede ist aber die Spielwelt, die ist nämlich nicht mehr zufallsgeneriert, sondern besteht aus großen, von Hand gebaut Außenarealen. Das ist auch nötig, weil Diablo Immortal im Kern ein MMO ist, ein Always-On-Titel, in dem einem fast überall andere Spieler über den Weg laufen können. Hin und wieder betritt man aber auch reine Einzelspielerbereiche oder auf Gruppen ausgelegte Dungeons, die dann wie gewohnt zufallsgeneriert sind.

Auch Solo-Spieler dürften sich an dem Online-Konzept kaum stören, denn die Geschichte lässt sich problemlos alleine erleben. Lediglich das Spawn-Verhalten hat uns in der Beta öfter mal irritiert: Nicht nur besiegte Gegner werden schon nach kurzer Zeit wiederbelebt, oft erscheinen auch Schreine und Schatztruhen nur wenige Meter von unserer Spielfigur entfernt. Das ist gewöhnungsbedürftig, aber auch notwendig - denn schließlich müssen die Objekte regelmäßig für andere Spieler nachrücken.

Bildergalerie

Stimmungshäppchen

Auch wenn der Zufallsfaktor fehlt: Die Friedhöfe, Dschungel, Wüsten, Gebirge und Tempel sind ähnlich liebevoll gestaltet wie im dritten Serienteil und locken mit kleinen Ereignissen und Mini-Quests. Da muss man beispielsweise einem verwundeten Soldaten dabei helfen, seine getötete Familie zu bergen. Oder man befreit einen NPC aus den Fängen einer Riesenspinne. Das ist beim ersten Mal wirklich unterhaltsam, allerdings lassen sich die kleinen Events beliebig oft wiederholen, der Ablauf bleibt dabei immer gleich - dadurch verlieren sie auch schnell wieder an Reiz.

Anders als in früheren Diablo-Spielen wird diesmal aber nicht nur gekämpft: Für eine Aufgabe sollten wir uns beispielsweise auf ein Piratenschiff schleichen, für eine andere mussten wir einen Lichtstrahl über verstellbare Spiegel umlenken. Klingt für ein Diablo erst mal schräg, spielt sich aber überraschend kurzweilig. Außerdem gibt es in jeder Zone einen großen Story-Dungeon, den man im Rahmen der Hauptquest besucht und danach beliebig oft wiederholen kann. Vor allem hier bringen die Entwickler hübsche Skriptsequenzen und nette Ideen zum Einsatz, zum Beispiel ein Kampf in einem Aufzug oder ein kurzer Abschnitt auf einem Floß. Am Ende wartet natürlich immer ein imposanter Bosskampf - da kann Immortal ohne Weiteres mit Diablo 3 mithalten. Schade nur, dass diese Dungeons im Endgame so oft wiederholt werden und dabei immer statisch bleiben - hier hätten wir uns definitiv ein paar Zufallselemente gewünscht.

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