Der Flammenwerfer hat eine verheerende Wirkung.
Schleichkünstler oder Kampfmaschine
Ebenso frei wie die Entscheidung, welche Seite Sie unterstützen wollen, ist die Wahl Ihres Vorgehens bei Aufträgen. Bleiben wir beim oben genannten Beispiel, dem Einbruch bei Mako Ballistics. Noch lange bevor Sie eine storyrelevante Entscheidung treffen können, müssen Sie sich erst einmal mit einer viel dringenderen Frage auseinander setzen: Wie komme ich an den Sicherheitsmaßnahmen der gut geschützten Firma vorbei? Sie haben es bestimmt geahnt: Auch hier gibt es wieder mehrere Möglichkeiten. Stürmen Sie mit Waffengewalt den Vordereingang oder schleichen Sie sich durch die Hintertür hinein. Im Prinzip geht beides, wie gut Ihre Chancen dabei jeweils stehen, hängt davon ab, welche Gegenstände und Waffen Sie mit sich führen oder welche Biomodifikationen Sie besitzen. Letztere sind Implantate, die Körperfunktionen verbessern oder den Träger mit ganz besonderen Fähigkeiten ausstatten.
Illuminaten, Templer und Genexperimente
Sollte sich ein Kampf nicht vermeiden lassen, dürfen Sie auf ein breites Sortiment von über 20 Schuss- und Schlagwaffen zurückgreifen, mit denen sich Soldaten, Geschütze, genetisch veränderte Tiere oder feindliche Roboter ausschalten lassen. Neben Standardschießeisen wie Pistole, Scharfschützengewehr und Schrotflinte finden Sie im Laufe des Spiels auch ein paar echte Exoten, darunter eine Railgun und einen Flammenwerfer. Dank Nanotechnologie müssen Sie kein ganzes Munitionslager mit sich herumschleppen, um die Waffen auch benutzen zu können. Alles, was Sie brauchen, sind Universalmagazine, die Sie entweder beim Erkunden der Levels finden oder ausgeschalteten Feinden abnehmen. Wer seine Gegner lieber im Nahkampf plättet, kann dies mit Schlagstöcken, Messern oder einer vielseitigen Energieklinge tun. Hinzu kommen noch diverse Granaten und Minen mit unterschiedlicher Wirkung. Da Ihr Inventar ziemlich begrenzt ist, müssen Sie gut überlegen, welche Waffen Sie mit sich führen wollen. Mit Waffenmodifikationen, die jedoch erst gefunden werden müssen, lässt sich praktisch jede Schusswaffe noch ein wenig verbessern.
Genre-Mix mit hohem Adventure-Anteil
Nachdem jetzt alle Fragen zu den abwechslungsreichen Missionen und den vielfältigen Möglichkeiten, die Aufgabenstellungen zu bewältigen, geklärt sein dürften, wollen Sie bestimmt wissen: Wie spielt sich Deus Ex: Invisible War eigentlich? Man kann das Spiel am besten als Action-Adventure mit hohem Rätselanteil in Ego-Shooter-Perspektive bezeichnen. Obwohl man versuchen kann, shootertypisch jede Situation mit Waffengewalt zu lösen, ist das Gameplay nicht unbedingt darauf ausgelegt. Genauso wenig ist es möglich, überall schleichend durchzukommen. Der Reiz des Spiels liegt vielmehr darin, durch vielfältige Interaktion mit der Umwelt und Kombination aller zur Verfügung stehenden Mittel coole Lösungen für Aufgabenstellungen zu finden. Es gibt praktisch für jede Situation mehr als eine einzige Lösung. Hier kommt der Adventure-Part des Spiels zum Tragen. Es macht einfach unheimlich viel Spaß, die Levels zu erkunden, mit Leuten zu sprechen, um ihre Geschichte zu hören, und sich dann vielleicht ihrer Probleme anzunehmen. Geschicklichkeitspassagen, wie man sie von typischen Action-Adventures kennt, gibt es bei Invisible War nicht. Man kann zwar springen und sich ducken, um in einen Lüftungsschacht zu kriechen oder sich leise fortzubewegen, mehr aber auch nicht. Die Steuerung des eigenen Charakters funktioniert gut und auch das Anwählen von Utensilien über das Inventar ist ordentlich gelöst. Per einfachem Tastendruck können Sie Waffen wechseln, Biomods aktivieren oder Gegenstände benutzen.
Gute Präsentation mit kleinen Macken
Keine Frage: Was Invisible War neben der nichtlinearen, gut funktionierenden Spielmechanik zu einem außergewöhnlichen Spiel macht, ist die stimmige Cyberpunk-Welt, die Entwickler Ion Storm entworfen hat, und natürlich auch deren Präsentation. Viele der Levels wurden mit viel Liebe zum Detail umgesetzt. Es macht einfach Spaß, diese Welt zu erkunden, weil man nie weiß, was einen hinter der nächsten Ecke erwartet: ein paar Banditen, die Sie ausrauben wollen, ein zwielichtiger Händler, der Ihnen etwas verkaufen will, oder eine gut versteckte Kiste mit wertvollem Inhalt, deren Inhaber Ihren Besitzanspruch nicht anerkennen will? Die sehr gute, manchmal vielleicht ein bisschen zu gelangweilt klingende deutsche Sprachausgabe sorgt dafür, dass man sich noch besser in die Welt von Deus Ex versetzen kann. Grafisch kann das Spiel aktuellen Genrekonkurrenten leider nicht ganz das Wasser reichen. Dies liegt aber keinesfalls an den erstklassigen Licht-und-Schatten-Effekten und den äußerst gelungenen Charaktermodellen, sondern vielmehr an der unsteten Framerate. Diese geht gerade bei Kämpfen oder aufwendig gestalteten Levels ziemlich in die Knie. Ebenso nervig sind die Ladezeiten. Da jeder Level in kleine Abschnitte unterteilt ist, zwischen denen man ständig unterwegs ist, um Aufgaben zu lösen, sieht man den Ladebildschirm sehr, sehr oft. Im Durchschnitt dauert es dann locker 20 Sekunden, bis ein neuer Teilabschnitt geladen ist.
