Destruction AllStars: Coole Crash-Orgie, der es an Content fehlt
Test
Mit Destruction AllStars erschien am 2. Februar der nächste PS5-Exklusivtitel und das auch noch gratis für alle PS-Plus-Abonnenten. Wir haben dem geschenkten Gaul ins Maul geschaut und verraten euch in unserem Testvideo, warum die kunterbunte Mischung aus Fortnite und Destruction Derby ein nettes Spektakel mit Potenzial ist, aus dem nach wenigen Stunden aber bereits die Luft raus ist.
Eigentlich sollte Destruction AllStars zum Launch der PS5 ganz normal erscheinen, doch kurz zuvor wurde der Exklusivtitel verschoben und als Gratis-Spiel für PS-Plus-Abonnenten angekündigt, das per Live-Service regelmäßig mit neuen Inhalten versorgt werden soll. Nun ist die Mischung aus Fortnite und Destruction Derby endlich da und entpuppt sich als nettes Spektakel für zwischendurch, dem es jedoch (noch) an Umfang fehlt und das jetzt schon mit Mikrotransaktionen nervt.
Auf dieser Seite
Motorisierte Arenakämpfe
Nach einem kurzen Tutorial, das uns die wenigen, aber komplett ausreichenden Aktionen der sehr genauen, arcadigen Steuerung beibringt, dürfen wir uns auch schon ins Getümmel stürzen. Zur Auswahl stehen die vier Spielmodi Mayhem, Gridfall, Carnado und Stockpile, bei denen natürlich überall das Rammen, Crashen und Verschrotten im Mittelpunkt steht. In Mayhem geht es tatsächlich auch nur darum. Hier treten 16 Spieler gegeneinander an und für jede erfolgreiche Rammattacke oder das Zerstören gegnerischer Fahrzeuge bekommen wir Punkte. Wer geschrottet wird, darf aber respawnen. Am Ende der Runde gewinnt natürlich der Spieler mit den meisten Punkten.
Quelle: PC Games
In den (wenigen) bunten Arenen tobt stets ein herrliches Chaos.
In Gridfall hingegen kämpft man ums Überleben, denn Respawns muss man sich erst durch gelungene Rammattacken verdienen und Teile des Bodens der Arena brechen weg. Man muss also aufpassen, nicht runterzufallen, allerdings macht es auch verdammt viel Freude Gegner in die Löcher zu schubsen. Wer als Letzter noch in der Arena ist, wird zum Sieger der Runde gekürt.
In Carnado hingegen tobt in der Mitte der Arena ein Wirbelsturm. Auch hier bekommen wir Punkte für's Crashen und Zerschrotten feindlicher Fahrzeuge, kriegen diese aber erst gutgeschrieben, wenn wir mit unserem Auto in den Sturm rasen. Dadurch verlieren wir auch unser Fahrzeug und müssen uns erst wieder ein neues suchen. Carnado ist tatsächlich der spannendste Spielmodus, da sich hier meist erst in letzter Sekunde entscheidet, wer die Runde gewinnt.
Stockpile ist dafür der langweiligste Spielmodus in Destruction AllStars (jetzt kaufen 19,13 € ), obwohl es im Team Acht gegen Acht gespielt wird. Wird ein Auto geschrottet, hinterlässt es Zahnräder. Um diese zu sammeln, springt man aus dem Auto, um sie dann schließlich an einer von drei Plattformen abzuliefern. Wer dort die meisten Punkte abliefert, hält die Plattform und das Team, das sämtliche Plattformen in Besitz bringt oder nach Ablauf des Zeitlimits die meisten Plattformen hält, gewinnt. Leider kommt in dem Spielmodus selten ein Spielfluss auf, da manche Mitspieler keine Lust haben, Punkte abzuliefern. Zwar darf man sämtliche Modi im Arcade-Modus auch gegen Bots spielen, aber auch hier stinkt Stockpile gegen die anderen Modi ab.
Zugänglicher Spaß
Quelle: PC Games
Es ist immer wieder unglaublich befriedigend, Kontrahenten zu zerschrotten.
Klar, das Crashen mit den verschiedenen Autos, die sich in die Kategorien Schnell, Wendig und Robust unterteilen lassen, ist der Fokus von Destruction AllStars, doch man ist eben nicht die ganze Zeit in Autos unterwegs. Bevor das eigene angeschlagene Fahrzeug kaputtgeht, kann man aus dem Wagen springen, und teilweise ist es sogar notwendig per pedes in den bunten Arenen unterwegs zu sein. Bei Stockpile muss man eben so Punkte abliefern. Doch auch sonst lohnt es sich, ab und zu mal auszusteigen. Auf Plattformen lassen sich nämlich Kristalle einsammeln, welche die Leiste für Spezialfähigkeiten erheblich füllen. Das geschieht zwar auch durch Crashes, doch mit den Kristallen geht es schneller.
Zuerst wird eine Spezialfähigkeit für den Charakter selbst freigeschaltet, wodurch man schneller läuft und Doppelsprünge ausführen kann. Weitaus actionreicher geht es jedoch zu, wenn man die Auto-Leiste gefüllt hat und so das Spezialfahrzeug des gewählten Charakters herbeirufen kann. Hat man beispielsweise den Luchador Ultimo Barricado gewählt, darf man in dem Auto der Figur den Bonus aktivieren, frontal unverwundbar zu sein und stärker rammen zu können. Metal-Drummer Fuego hingegen darf sein Fahrzeug in Flammen setzen und damit die Konkurrenz ankokeln.
Quelle: PC Games
Wer zu Fuß Kristalle sammelt, lädt schnell seine Spezialanzeige auf.
Die Autos anderer Charaktere können sich beispielsweise tarnen oder werden super schnell. Man muss den Comic-Stil mit den insgesamt 16 total überdrehten Figuren nicht mögen, aber er hat eben den Vorteil, dass man so die abgefahrenen Spezialmanöver gut ins Spiel einbinden kann. Da jeder Charakter unterschiedliche Fähigkeiten mitbringt, macht es auch durchaus Spaß, alle Fahrer mal auszuprobieren und zu schauen, welche Spezialmanöver zum eigenen Spielstil passen. Allerdings muss man auch sagen, dass einige davon nützlicher sind als andere. Der Boost-Special-Move mag zwar in der Theorie ganz gut wirken, doch in der Praxis sieht es leider so aus, dass man durch die Beschleunigung das Fahrzeug nicht mehr so gut unter Kontrolle hat und somit nicht so gezielt rammen kann.
Das ist echt schade, denn sonst geht das arcadige Handling der Fahrzeuge quasi sofort in Fleisch und Blut über. Gas geben mit R2, Bremsen mit L2, die Handbremse wird mit Kreis ausgelöst und mit X springt man aus dem Auto. Zudem kann man den rechten Analogstick für kräftigere Rammattacken nutzen. Drücken wir den Stick nach vorn, wird ein gewaltiger Geschwindigkeitboost ausgelöst. Drücken wir ihn hingegen nach links oder rechts, führen wir einen ordentlichen Rempler in die jeweilige Richtung aus. Beide Aktionen kann man jedoch nicht dauerhaft nutzen, denn sie haben jeweils eine kurze Abklingzeit. Das ist simpel, eingängig und sorgt für ausgeglichene Matches. Uns fielen jedenfalls keinerlei Exploits auf. Das Balancing von Destruction AllStars macht zum jetzigen Zeitpunkt einen sehr guten Eindruck. Wir hoffen, dass sich das mit künftigen Updates auch nicht ändern wird.
Quelle: PC Games
In Carnado müssen wir in einen Wirbelsturm fahren, um verdiente Punkte auch wirklich sicher zu haben.
Und schon ist die Luft raus
Updates ist hier auch ein gutes Stichwort, denn Destruction AllStars braucht dringend und schnellstmöglich mehr Content. Nicht falsch verstehen: Die Crash-Derbys in den bunten Arenen machen richtig Laune, aber eben nur so für ne Stunde. Dann hat man das Gefühl, alles gesehen zu haben, was einem das Spiel zu bieten hat. Es gibt mit Las Vegas, Barcelona, London, Tokio und New York nur fünf Orte, an denen die Crash-Wettkämpfe stattfinden und diese sind alle relativ ähnlich aufgebaut. Es müssen dringend neue Arenen her, die ein paar Gimmicks wie Schrottpressen oder sonstige Hindernisse aufweisen.
Quelle: PC Games
Die wenigen Individualisierungsmöglichkeiten sind ziemlich lahm und viel zu teuer.
Auch neue Spielmodi würden dem PS5-Titel guttun, denn wenn nur drei von vier wirklich Spaß machen, spricht das natürlich auch nicht gerade für Langzeitmotivation. Vor allem, wenn manche Spielmodi blockiert werden und verlangen, dass man Kohle für sich ausgibt. Es gibt nämlich auch noch einen Herausforderungsmodus, der kurze Geschichten zu den Spielfiguren erzählt und in dem es sogar spezielle Solo-Aufgaben gibt. So soll man beispielsweise innerhalb eines Zeitlimits eine gewisse Anzahl an Kisten zerstören.
Allerdings darf man momentan nur die Herausforderungsserie von einem Charakter spielen, sofern man nicht übers PSN Echtgeld für In-Game-Währung ausgibt, um zwei weitere Herausforderungen freizuschalten. Klar, irgendwie muss sich das Spiel finanzieren, aber das bisschen Extra-Content hinter einer Bezahlschranke zu verbergen, wo der Umfang eh schon dürftig ist, ist etwas blöd gelöst.
Apropos dürftig: Das trifft auch auf die Individualisierungsoptionen der Spielfiguren zu. Mehr als ein paar andere Farben und Emotes gibt es nicht. Die kann man sich immerhin mit der im Spiel verdienten Kohle leisten, sofern man für die wenigen optischen Anpassungen grinden möchte. Das unnötige Zeug ist nämlich richtig teuer.
Wie soll nun also das Fazit zum PS5-Exklusivtitel lauten? Auf der einen Seite ist der Titel ein hübsch präsentiertes, spaßiges und zugängliches Spektakel, das sogar gratis im PS-Plus-Abo dabei ist. Auf der anderen Seite sollte das Spiel lieber Under-Construction-AllStars heißen, denn man merkt, dass noch jede Menge Content fehlt, bis man den Titel als komplettes Spiel bezeichnen könnte. Sollten Sony und Entwickler Lucid Games jedoch regelmäßig für Nachschub sorgen, könnte Destruction AllStars jedoch zu einem hübschen Farbtupfer im PS5-Portfolio werden. Das ist jetzt natürlich viel Konjunktiv, aber Stand jetzt ist der Playstation-5-Titel nicht mehr als ein kleiner, leckerer Snack für zwischendurch.
