Herr der Ringe: Gollum im Test - Lizenzgurke steht wieder auf dem Speiseplan, Jungs!

Test Stefan Wilhelm 44,99 €
Herr der Ringe: Gollum im Test - Lizenzgurke steht wieder auf dem Speiseplan, Jungs!
Quelle: PC Games

Eine passable Idee, fürchterlich umgesetzt: Wir haben Gollum gespielt, damit ihr es nicht müsst.

Wenn es um Videospiele geht, die auf Basis einer bekannten Lizenz entstehen, dann haben wir es heutzutage eigentlich ziemlich gut. Der Herr der Ringe, Batman, Spider-Man, Star Wars - auf Basis all dieser Franchises sind in den letzten zwei Konsolengenerationen einige großartige Titel erschienen. Zwar gibt es immer noch mittelmäßige Stangenware wie Gotham Knights oder Marvel's Avengers, aber die düsteren Zeiten des Vollpreis-Lizenzschrotts haben wir doch schon eine Weile hinter uns gelassen.

Nun, zumindest dachten wir das! Denn was das Hamburger Studio Daedalic Entertainment mit Der Herr der Ringe: Gollum (jetzt kaufen 17,94 € / 44,99 € ) abliefert, ist eine Lizenzgurke, wie sie im Buche steht: Schlampig programmiert, spielerisch banal und anspruchslos, überteuert und mit einer Geschichte, die niemand vermisst hätte, wenn sie nicht erzählt worden wäre. Aber hat das Spiel wenigstens Hardcore-Mittelerde-Fans irgendetwas anzubieten? Und welche Features zünden dann doch ab und zu mal?

Der olle Gollum und sein olles Abenteuer

Der Herr der Ringe: Gollum dreht sich, wer hätte es gedacht, um den Antihelden mit der gespaltenen Persönlichkeit. Die Geschichte deckt ungefähr die Zeit zwischen der Der Hobbit und Der Herr der Ringe ab. Bilbo Beutlin hat ihm seinen Schatz also bereits abgeluchst, und der ausgemergelte Gollum streift ziellos in der Nähe von Mordor umher. Weil ihn der dunkle Herrscher Sauron aber bereits auf dem Kieker hat, wird er schon nach kurzer Zeit von den Ringgeistern abgefangen und in die Höhlen unter dem Schwarzen Turm Barad-dûr gesperrt.

Die erste Spielhälfte dreht sich ganz um Gollums Fluchtversuch, in der zweiten Hälfte lauft ihr dann ein paar Elben in die Hände, die Gollum aber auch wieder für ihre Zwecke missbrauchen. Während sich das Spiel immerhin eine bisher kaum beleuchtete Episode in Gollums Leben aussucht, gewinnt die holprig erzählte, fade Story keinen Blumentopf.

Gollum kneift die Augen zu und sagt "Das ist keine schöne Geschichte". Quelle: PC Games Den Großteil der Spielzeit erledigt ihr uninteressante Aufgaben für uninteressante Figuren. In seinen abrupten Schwarzblenden lässt Gollum auch mal einfach so mehrere Jahre vergehen, wodurch schnell der Eindruck entsteht, dass das Spiel selbst kein großes Interesse daran hat, euch eine kohärente Story zu erzählen. Trifft sich gut, denn ihr werdet schnell kein Interesse mehr daran haben, sie euch anzuhören.

Garstiges Gekraxel

Es dauert nicht lange, bis klar wird, dass Gollums Fluchtaktion auch spielerisch kaum unterhaltsam sein wird. Statt des im Marketing versprochenen Action-Adventures mit starkem Stealth-Fokus erwartet euch effektiv eine Aneinanderreihung von Klettersequenzen, die so ziemlich jeder größere Titel dieses Genres mal zur Auflockerung einstreut. Nur, dass hier fast das gesamte Spiel daraus besteht.

Euch erwarten Kletterpfade mit klar erkennbaren Markierungen, eine Figur, die sich magnetisch an Kanten festhält und kaum eine Möglichkeit, abzustürzen, wenn denn die Steuerung mitspielt. Habt ihr beispielsweise schon mal einen beliebigen First-Party-Titel von Sony gestartet, kennt ihr das Prozedere.

Gollum schwebt über einem Lavastrom. Quelle: PC Games

Gollum steuert sich allerdings ein gutes Stück hakeliger als etwa Nathan Drake und auch die Klettermechaniken sind unzuverlässiger. Der Steuerung gelingt das Kunststück, sich gleichzeitig übersensibel und träge anzufühlen, weswegen ihr gerne mal von Kanten schlittert oder Sprünge schlecht einschätzen könnt. Gelegentlich werden Aktionen schlicht überhaupt nicht ausgelöst oder Gollum verhakt sich zwischen zwei Animationsphasen beziehungsweise in der Levelumgebung.

Und apropos Animationen: Die charakteristischen Bewegungen der Hauptfigur wurden per se glaubwürdig eingefangen, die abgehackten und teilweise überhaupt nicht vorhandenen Übergänge zerstören die Illusion aber in den meisten Szenen. Anspruchsvoller werden die Parcours übrigens auch im späteren Spielverlauf nicht, außer, wenn die Entwickler selten mal Setpieces einstreuen. Die sorgen zwar hier und da mal für dringend benötigte Abwechslung, die fummelige Steuerung bringt euch dann aber noch öfter zum Game-Over-Bildschirm, als sie es ohnehin schon tut.

Kurz gesagt: Das grundlegendste Gameplay-Element von Gollum ist in seinen besten Momenten langweilige Standardkost und in seinen schlimmsten eine gerade so spielbare Geduldsprobe. Spaß? Fehlanzeige.

Mordor-Mood

Zumindest gibt sich das Spiel Mühe, seine Sprungparcours einigermaßen organisch in die Spielwelt einzuflechten. Es gibt die bereits erwähnten, genretypischen Markierungen, sich bewegende Plattformen und Stangen zum Herumschwingen. Die fühlen sich aber nicht immer nur wie bloße Videospiel-Hindernisparcours an. Stattdessen wird euch oft ein gelungenes Gefühl vermittelt, als kleiner Wicht in einer riesigen, brutalen Maschine herumzuklettern, solange ihr in Barad-dûr unterwegs seid. Später dominieren dann Naturumgebungen und Elfenarchitektur.

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