Deliver At All Costs hat grandiose Ideen - an der Umsetzung hapert es aber ...

Special Lukas Schmid
Deliver At All Costs hat grandiose Ideen - an der Umsetzung hapert es aber ...
Quelle: Konami

Gesehen und für genial befunden, gespielt und dann war's nur noch ok: Deliver At All Costs hat Potenzial und viele Probleme!

Davon ab fand ich zumindest eine der Missionen etwas nervig. Der Schwertfisch wurde bei jeder kleinsten Unebenheit vom Laster geschleudert und musste dann mühsam mit einem Kram wieder hochgehievt werden, und im Falle der Melonen unerträglich langsam zu fahren, damit nicht zu viele von ihnen auf dem Asphalt verenden, war auch nur so mittelspaßig.

Hinzu kommen Elemente wie die Tatsache, dass man aussteigen und den Reifen wieder aufpumpen muss, wenn einer davon zu sehr beschädigt wird, was vielleicht eine interessante Idee wäre, würde man unter Zeitdruck agieren. Da man aber nicht wirklich etwas falsch machen kann und der nächste Checkpoint nur ein paar Kurven entfernt ist, ist's vor allem Fleißarbeit.

Stadtplanung mit der Planierwalze

Das größte Versäumnis ist aber eben, dass mir das alles zu brav ist und die vielen spannenden Elemente zu wenig genutzt werden. So sind im Grunde fast alle Gebäude und Elemente in der Spielwelt komplett zerstörbar - cool -, spielerisch wird das aber kaum genutzt, es kracht halt manchmal etwas zusammen - weniger cool.

Fahren auf der Straße vor "Motel"-Schild Quelle: Konami Autos klauen kann man keine, sondern sie nur "ausborgen", die Interaktion mit NPCs hält sich, außer wenn man sie mit dem Auto anboppt und sie einem dann wütend hinterherrennen, in Grenzen. Macht man zu viel Kram kaputt, verfolgt einen die Polizei und man muss sie abschütteln, aber auch das ist nicht so spannend, wie es vielleicht klingen mag. Den Anarchiefaktor der frühen 2D-GTAs darf man sich nicht erwarten oder erhoffen.

Was, ich wiederhole, keineswegs bedeutet, dass Deliver At All Costs ein schlechtes Spiel wäre, sondern eben nur nicht das, was man sich vielleicht erwarten würde. Und es bietet in einigen Bereichen mehr Tiefe, als man vielleicht denken mag. Der Firmenwagen lässt sich etwa mit verschiedenen Upgrades verbessern, die man mit in Nebenaufgaben und in der Welt gesammelten Blaupausen und Ressourcen freischalten kann.

Dazu zählen dann zum Beispiel der erwähnte Kram, aber auch lustige Blödeleien wie die Möglichkeit, die Seitentüren auf Knopfdruck mit Schwung aufzuballern und alles, was sich davor befindet, zur Seite zu katapultieren.

Blick auf ausbrechenden Vulkan Quelle: Konami Die Fahrzeugsteuerung geht auch völlig in Ordnung, nur dass man sich halt daran gewöhnen muss, dass sie nicht wie bei frei drehbaren Kameras so funktioniert, dass links immer links und rechts immer rechts ist. Da muss man umdenken und sich an der Ausrichtung des Autos in der Welt orientieren. Spieler der 2D-GTAs, von Klassikern wie Micro Machines, kurz gesagt alte Menschen wie ich, wissen Bescheid.

Kommt da noch mehr?

Deliver At All Costs könnte sich zu einem Geheimtipp entwickeln, wenn es denn herausfindet, wie es sich der potenziellen Spielerschaft verkaufen möchte. Ich behaupte nämlich, dass die Verwirrung darob, was genau es denn nun ist, nicht nur mit meiner falschen Erwartung zu erklären ist, sondern dass sich das Spiel seiner Identität selbst nicht komplett sicher ist.

Verrücktes Herumgefahre? GTA-Klon? Story-getriebenes Abenteuer? Gesellschaftspersiflage? Am Ende scheint's mir von allem ein bisschen zu sein, ohne irgendeine der Richtungen genug einzuschlagen, um vollends zu überzeugen.

Allerdings, bis zum Release ist es noch eine Weile hin, und nach meinen anderthalb Stunden in Saint Monique habe ich natürlich nur einen Bruchteil des Spiels gesehen. Besonders gespannt bin ich, da laut der Herstellerbeschreibung und im Gespräch mit den Entwickler*innen klar ist, dass sie erzählerisch im späteren Spielverlauf noch einige Haken schlagen wollen. Vielleicht ist das ja der Hook, der mir bei Deliver At All Costs derzeit noch fehlt, und vielleicht ist der stark genug, dass sich am Ende mein verfrühtes "ja klasse, das wird ein Hit!" doch noch bewahrheitet.

Fazit

Tolle Ideen treffen auf eine ausbaufähige Umsetzung. Dennoch könnte sich Deliver At All Costs als Geheimtipp entpuppen.

Wann erscheint Deliver At All Costs?

Deliver At All Costs hat derzeit noch keinen bestätigten Release-Termin über "2025" hinaus, kann allerdings schon vorbestellt werden. Der Titel wird neben dem PC (Steam und Epic Games Store) für Playstation 5 und Xbox Series X/S erscheinen. Transparenzhinweis: Der Publisher zahlte die Reisekosten für den Anspiel-Event.

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